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SWR1 Verkehrsservice Wie kommt der Stau ins Radio

Montag Morgen, 7:40 Uhr, kurz vor dem Leonberger Dreieck: Reifenplatzer, ein LKW kommt ins Schlingern, vom Anhänger fällt Ladung. Die nachfolgenden Autofahrer können rechtzeitig bremsen und zum Glück passiert nichts weiter. Aber sofort bilden sich 3 Kilometer Stau, Tendenz steigend - logisch, mitten in der Rushhour...

Verkehrsunfall A8, Richtungsfahrbahn München, vor Anschlussstelle Aichelberg (kurz nach Holzmadener Brücke/Not-Ausfahrt)

Werner Müller, einer der tausenden SWR1 Staumelder, hat den Unfall von der Gegenfahrbahn aus beobachtet, informiert per Handy zunächst die Polizei und dann das SWR1 Verkehrsteam. Kurze Zeit später flackert auf dem Bildschirm im SWR1 Verkehrsservice die Meldung auf: "A8 Stuttgart Richtung Karlsruhe, zwischen Kreuz Stuttgart und Dreieck Leonberg Unfall, 3 Kilometer Stau". Die Meldung kommt direkt von der Polizei, die über ein Computersystem mit SWR1 vernetzt ist. Wann immer die Polizei eine Verkehrsmeldung eingibt, sei es ein Stau, ein Unfall, eine Glatteiswarnung oder Baustellen-Infos, Sekundenbruchteile später sieht sie auch der SWR1 Verkehrs-Redakteur auf dem Bildschirm.

Nur ein Reifenplatzer

Beate Bastian, die an diesem Morgen Dienst hat, weiß von dem Unfall schon, durch den SWR1 Staumelder. Kurze Zeit später kommt eine weitere Information eines anderen Staumelders dazu: "ich bin gerade den Stau in der Gegenrichtung abgefahren, der ist jetzt schon 5 Kilometer lang. Außerdem auch in Fahrtrichtung Stuttgart 2 Kilometer stockend durch Neugierige". Kurzer Anruf bei der Autobahnpolizei: "Ist die Streife schon vor Ort, gibt's schon wichtige Details zum Unfall?" Antwort: "Die Kollegen sichern gerade die Unfallstelle, das ist nur ein Reifenplatzer, Abschleppwagen ist schon bestellt. Aber der LKW hat Ladung verloren, Sprudelkisten. Das wird wohl noch gut 45 Minuten dauern, bis da alles wieder frei ist, momentan ist nur eine Spur frei".

Ein Knopfdruck ...

... und SWR1 Morgen-Moderator Thomas Schmidt hat eine komplett zusammengefasste Meldung auf dem Bildschirm im Studio: "A8 Stuttgart Richtung Karlsruhe, zwischen Kreuz Stuttgart und Dreieck Leonberg Unfall, 5 Kilometer Stau, Tendenz steigend. Ein LKW steht quer, hat Sprudelkisten verloren. Zur Zeit ist nur eine Spur frei, die Bergung wird wohl noch gut eine dreiviertel Stunde dauern. In der Gegenrichtung 2 Kilometer Stau - bitte fahren Sie zügig an der Unfallstelle vorbei!". Um 5 Minuten nach 8 ist Beate Bastian zum SWR1 Verkehrsservice bei Thomas Schmidt im Studio und hat weitere, aktuelle Infos zu diesem Stau.

Gute Zusammenarbeit mit Polizei und Staumeldern

Durch eine gut eingespielte Zusammenarbeit von Polizei, SWR1 Staumeldern, dem ADAC und dem dichtgespannten Informationsnetz von SWR1. Die Meldung an diesem Montag Morgen ist typisch - es geht nicht nur darum, einen Stau zu melden, sondern den SWR1 Hörern nützliche Zusatzinformationen zu liefern: wie lange geht das noch, was ist der Grund für den Stau, gibt es Alternativrouten? Wichtig ist auch, den Autofahrern einen Überblick zu geben. Also nicht nur die Meldungen an sich weiterzugeben, sondern sie auch zu "gewichten" und "einzuordnen", also Zusammenhänge deutlich zu machen. Wenn sich in einem Gebiet oder Großraum die Staus häufen, dann ist das beim ersten Zuhören nicht gleich zu verstehen - es sei denn, der SWR1 Verkehrsredakteur fasst die Meldungen verständlich zusammen, wie zum Beispiel in diesem Fall: "Im Großraum Karlsruhe geht zur Zeit gar nichts mehr - sowohl auf der A5 als auch auf der A8 und den Bundesstraßen sind die Strecken komplett überlastet. Hier die Staus in diesem Bereich im Einzelnen ..."

Kritische Kommentare

Natürlich kommen von den SWR1 Staumeldern immer mal wieder auch kritische Kommentare: "Warum meldet Ihr einen Stau, wo gar keiner mehr ist?". Scherzhaft antworten wir dann immer mit dem schon legendären Spruch einer Kollegin: "Der Stau ist ein lebendiges Wesen". Und versuchen dann aufzuklären, warum Informationen manchmal einfach fehlen können, denn natürlich sind wir auf Informationen von vor Ort angewiesen. Eine Polizeistreife hat, so hat uns ein Polizist einmal erklärt, gut 250 km Strecke zu kontrollieren. Kaum ist die Unfallstelle gesichert, der Unfall aufgenommen und SWR1 informiert, wird die Streife schon zum nächsten Einsatz gerufen - naturgemäß kann sie dann den Stau nicht weiter beobachten. Außerdem beobachtet die Streife nicht nur einen Stau in ihrem Einsatzgebiet, fährt also oft von Stau zu Stau, von Unfall zu Unfall und meldet alle Veränderungen. Es kann also durchaus sein, dass ein SWR1 Staumelder zuerst bemerkt, dass sich ein Stau aufgelöst hat, weil die Streife schon auf dem Weg zum nächsten Unfall ist. Und genau darin liegt ja der Sinn des "zweiten Standbeins" im SWR1 Verkehrsservice: SIE informieren uns und damit alle SWR1 Hörer über die Straßenlage. So haben alle Beteiligten einen Gewinn.

Und da gibt es auch noch die berühmten "Staus aus dem Nichts" - ohne ersichtlichen Grund bilden sich plötzlich 5 Kilometer Stau, die so schnell verschwinden, wie sie entstehen. Kaum ist dann die Stau-Info eines SWR1 Staumelders über den Sender gegangen, hat sich der Stau auch schon wieder in Nichts aufgelöst.

Woher kommen die vielen Gegenstände auf der Fahrbahn

"Die Autofahrer vernachlässigen ihre Autos mehr und mehr", sagte uns ein TÜV-Mitarbeiter als Erklärung. Dachträger würden nicht ordentlich befestigt, der angerostete Auspuff "wird schon noch halten", der Kofferraum mit dem etwas zu großen Badezimmerschränkchen vom Möbeldiscounter nicht richtig gesichert. Ein Beamter der Autobahnpolizei liefert eine weitere, überraschende Erklärung: "Anhand dieser Meldungen kann man immer wieder feststellen, wo gerade ein privater Automarkt ist - dort werden teilweise schrottreife Autos verkauft, die dann in großem Stil aufgekauft, auf Transporter geladen und in Richtung Hamburg zum Verschiffen nach Afrika oder Russland gebracht werden. Oft fallen bei solchen Transporten dann Autoteile vom LKW". Zu guter Letzt ist ein Grund für die vielen Gegenstände auf der Fahrbahn schlicht und einfach: das Handy. Es ist heutzutage viel einfacher geworden, eine Information weiterzugeben ...

Werden Sie selbst SWR1 Staumelder

Je mehr SWR1 Hörer uns über Staus oder Veränderungen der Straßenlage informieren, desto eher erfahren die SWR1 Hörer "auf Strecke" auch davon. Deshalb: werden doch auch Sie SWR1 Staumelder. Melden Sie sich einfach hier an. Sie bekommen dann einen SWR1 Staumelder-Ausweis und eine (kostenlose!) Rufnummer, unter der Sie uns informieren können.

Autor: Jörg Witzsch

Letzte Änderung am: 18.11.2011, 09.40 Uhr