Richard David PrechtLiebe. Ein unordentliches Gefühl

Philosophie! Eigentlich nur ein Thema für die Superschlauen. Stimmt nicht. Mit seinem Buch "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?" hat Richard David Precht das Gegenteil bewiesen. Sein Philosophiebuch wurde zum Bestseller, der inzwischen 800.000 mal verkauft wurde. Jetzt hat der Philosoph nachgelegt. Sein neues Buch beschäftigt sich mit dem ältesten und beliebtesten Thema, seit es Menschen gibt: mit der Liebe.

Buchcover von "Liebe. Ein unordentliches Gefühl"

Buch

Titel der Reihe:
Liebe. Ein unordentliches Gefühl
Autor:
Richard David Precht
Verlag:
Goldmann Verlag
Veröffentlichung:
6. März 2009
Bestellnummer:
ISBN-13: 978-3442311842
Extras:
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten

Wie war das noch mal? Frauen suchen nach der Liebe, Männer immer nur den Sex. Sie kann nicht einparken und er nicht zuhören. Schön, dass die Geschlechterwelt so einfach gestrickt ist. Mit solchen Halbwahrheiten und Klischees räumt Precht in seinem Buch gründlich auf. Allerdings auch mit der Vorstellung von der großen und wahren Liebe: "Unsere Idee von Romantik ist in der Fiktion geboren worden. Und zwar in den Liebesromanen von vor 300 Jahren. Da saßen die 'Frolleins' zuhause, wurden zwangsverheiratet, die Ehe war eine Wirtschaftsgemeinschaft und träumten von etwas anderem," so der Autor.

"Wir folgen einem bestimmten dramaturgischen Film"

Es ist der Traum von der einzigen Liebe, von dem lebenslangen Glück zu zweit – ein Märchen, das dank Hollywood und unzähliger Herz-Schmerz-Songs stets aufs neue genährt wird. Was aber ist die Liebe, wo kommt sie überhaupt her? Richard David Precht hat bei Soziologen, Psychologen, Gehirnforschern, Biologen und Philosophen nachgeschaut und ihre Theorien studiert. Dabei wird schnell klar: irgendwie scheint von allem ein wenig zu passen. Es gibt viele Erklärungen, warum Paare zusammenkommen und sich doch wieder trennen: "Wir folgen einem bestimmten dramaturgischen Film. Und zwar ist der Film unterschiedlich. Manche Leute lieben Abenteuerfilme, andere lieben Familienkomödien," sagt Precht. "Und ob eine Beziehung passt, ob eine Ehe passt, hängt wesentlich davon ab, dass beide im selben Film mitspielen und keiner aus der Rolle fällt. Manchmal wundert man sich ja, dass es abenteuerliche Paare gibt. Wo man sagt: da haben sich die richtigen Abenteurer gefunden und in dem Moment, wo es langweilig wird, ist es auch schon vorbei, weil deren Drehbuch keine Langeweile verträgt."

Keine Patentrezepte in Sachen Liebe

Tipps und Ratschläge wird man in Prechts Buch vergeblich suchen. Das ist das Schöne, nämlich die Erkenntnis, dass es keine Patentrezepte in Sachen Liebe gibt. Liebe ist eben – und damit hat der Untertitel dieses Buches völlig Recht – ein unordentliches Gefühl.

Silke Arning

Letzte Änderung am: 20.04.2009, 14.20 Uhr

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