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Nichts ist, wie es scheint "Tage der Nemesis"

März 1921. Es geschieht auf offener Straße am helllichten Tag mitten in Berlin: Ein türkischer Geschäftsmann wird ermordet. Doch als Kriminaloberkommissar Andreas Eckard am Tatort eintrifft, ist die Leiche bereits verschwunden: abtransportiert auf Anordnung des Auswärtigen Amtes. Weitere merkwürdige Dinge geschehen: so wird der Täter vor Gericht frei gesprochen, obwohl er ein Geständnis abgelegt hat.

Martin von Arndt

Martin von Arndt

"Tage der Nemesis" – Martin von Arndt hat sich mit diesem Roman an ein heikles Thema gewagt: Es geht um den Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs, um die Verwicklung der damaligen sogenannten jungtürkischen Machthaber und um das Schweigen der deutschen Regierung zu den massenhaften Vertreibungen der Armenier: "Deutschland ist vielfältig verwickelt. Es gab im Ersten Weltkrieg schon jede Menge Geheimdienstdepeschen an die deutsche Regierung, was passiert gerade in Anatolien. Und die Deutschen haben im Zweifelsfall, um sich den türkischen Waffenbruder warm zu halten, nicht reagiert. Das war das Erste," erklärt Martin von Arndt. "Das zweite war dann: als sich das Ende des Ersten Weltkrieges abgezeichnet hat, wurde diese Führungsclique, die verantwortlich für diesen Völkermord ist, aus der Türkei raus nach Deutschland transportiert und ist in Deutschland mit Hilfe des Auswärtigen Amtes untergetaucht," so der Autor weiter.

Ein Kommissar zwischen allen Fronten

Doch an dieser Stelle kommt "Nemesis" ins Spiel, eine armenische Geheimorganisation, die bezahlte Killer beauftragt, um Rache zu üben. Und schon bald gerät Kommissar Eckart zwischen alle Fronten. Ein Mann, der ohnehin schon jede Menge Schwierigkeiten hat, und der eigentlich gar nicht in den Polizeidienst wollte. "Es ist eine gebrochene Figur. Er meldet sich freiwillig wie so viele andere für den Krieg, kommt, weil er ausgebildeter Mediziner ist, zu einer Sanitätseinheit und im Krieg wird er dann verschüttet. Und diese Verschüttung löst bei ihm ein massives Trauma aus. Er ist ein sog. Kriegszitterer und Morphinist. Er muss Morphium nehmen, um die Schmerzen und die Schockzustände zu übertönen. Und damit ist ganz klar, er kann nicht mehr in seinen vorherigen Beruf gehen und geht dann zur Polizei."

Und rasselt dort immer wieder mit Kollegen und Oberen zusammen, die anders als Eckart, der ein überzeugter Demokrat ist, noch immer deutschnational denken, die mit der neuen Zeit nichts zu tun haben wollen. Eine grandiose Geschichtsstunde ist dieser Roman, ein atemberaubender Politthriller, der mit immer neuen Skandalen und Vertuschungen aufwartet. Und es bleibt natürlich nicht bei einem Mord. Martin von Arndt lässt seinen Kommissar in Abgründe blicken, in die nur schwer ein Licht zu bringen ist: "Also beispielsweise gibt es da Tipps vom neuen türkischen Innenministerium für die armenische Seite, wie sie am schnellsten ehemalige türkische Kriegsverbrecher beseitigen können."

Einfach beste Unterhaltung

Nichts ist eben so, wie es scheint. "Tage der Nemesis" ist ein genialer Mix, ist Doku-Fiction, skandalöse Enthüllungsstory, Politthriller mit psychologischem Tiefgang. Einfach beste Unterhaltung.

Buchcover: "Tage der Nemesis" von Martin von Arndt

Buch

Martin von Arndt

Tage der Nemesis

Verlag:
ars vivendi
Genre:
Belletristik
Veröffentlichung:
2014
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-86913-424-6
Extras:
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten

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