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Elektrofahrräder in Baden-Württemberg So viele Pedelec-Unfälle wie noch nie

Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Unfälle mit Pedelecs in Baden-Württemberg einen Rekordwert erreicht. Sind die Räder mit Elektromotor gefährlicher als gewöhnliche Drahtesel?

Junge Frau sitzt nach einem Unfall neben ihrem Fahrrad am Wegrand und bekommt ihr verletztes Bein verbunden.

Immer mehr Unfälle mit Pedelecs (Symbolbild)

Von Januar bis Ende November waren Fahrer von Rädern, die durch einen Elektromotor beim Treten verstärkt werden, in 842 Unfälle verwickelt. Dabei kamen neun Menschen ums Leben, teilte das Innenministerium mit. Zwar sind noch nicht alle Pedelec-Unfälle von 2016 eingerechnet. Die vorläufige Zahl entspricht aber bereits einer Steigerung von 21 Prozent im Vergleich zum gesamten Jahr 2015. Damals wurden 695 Unfälle mit acht tödlich Verletzten registriert.

Bundesweit ist die Zahl der Unfälle sogar um 39 Prozent gestiegen. Die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern insgesamt hat mit rund 9.600 in Baden-Württemberg etwas abgenommen. Die Unfallzahlen mit Pedelecs steigen seit 2012.

Der Zweiradindustrieverband schätzte die Zahl der Pedelecs und zulassungspflichtigen E-Bikes auf deutschen Straßen zuletzt im Jahr 2015 auf rund 2,5 Millionen, das entspricht rund 3,5 Prozent der 72 Millionen Fahrräder.

Mehr ältere Menschen fahren Rad

Nach Einschätzung des Leiters der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann, ist das Pedelec nicht gefährlicher als ein gewöhnliches Fahrrad. Grund für die steigende Zahl an Unfällen sei auch, dass immer mehr solcher Fahrräder verkauft würden. Durch die Elektrounterstützung führen zudem wieder mehr ältere Menschen Rad. "Gerade Senioren bilden eine neue Nutzergruppe, die jetzt wieder ungeschützt auf dem Zweirad sitzt", sagte Brockmann.

Die Polizei in Baden-Württemberg hat eine Broschüre entwickelt, die auf Gefahren beim Pedelec-Fahren hinweist. "Wir raten dazu, sich das Fahrverhalten vor dem Kauf erklären zu lassen", sagte Jürgen Enderle von der Koordinierungsstelle Verkehrsunfallprävention beim Landeskriminalamt. Das Pedelec habe eine andere Beschleunigung als ein Fahrrad und moderne Bremsen reagierten schneller als bei einem alten Drahtesel. Auch beim Verkehrsministerium weist man darauf hin, dass man den Umgang mit den neuartigen Fahrrädern erst einmal üben müsse.

Welche Rolle der Radfahrer spielte, wird nicht erfasst

Unfälle mit E-Bikes, die zulassungspflichtig sind, scheinen indes eher konstant zu bleiben - nach 48 im gesamten Jahr 2015 wurden bis November des vergangenen Jahres 46 solcher Unfälle registriert. Die Statistik gibt alle Unfälle mit E-Bike- oder Pedelec-Beteiligung wieder, welche Rolle der Fahrer beim Unfall spielte, wird nach Angaben des Innenministeriums nicht erfasst. 

Viele, die von E-Bikes sprechen, meinen eigentlich Pedelecs. Das Pedal Electric Cycle ist ein elektrisches Fahrrad zum Treten. Der Motor springt nur an, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 25 Stundenkilometern. Wer mit seinem Pedelec bis zu 40 Kilometer pro Stunde fahren will, braucht eine behördliche Zulassung mit Nummernschild und Versicherung. Das gilt auch für die eigentlichen E-Bikes. Diese werden nur von Elektromotoren angetrieben und bringen es auf 100 Stundenkilometer. Sie sind also eher Mofas oder Motorräder.

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