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Zarte Geigentöne, schallende Trompeten und ein mehrsprachiges Stimmengewirr. Mehr als 90 Musiker suchen ihren Platz im Orchestersaal. Wir sind zu Gast beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart (RSO). Eine Stunde proben die Musiker, dann kommt der Stargast dazu: Anne-Sophie Mutter, mit der das Orchester in den nächsten Wochen sechs Konzerte spielt. Mit Natalie Chee, der ersten Konzertmeisterin des RSO sprachen wir über die Zusammenarbeit mit der Stargeigerin.
SWR.de: Ist es für die Musiker etwas Besonderes, gemeinsam mit Anne-Sophie Mutter zu spielen?
Natalie Chee: Im RSO haben wir viele großartige Solisten zu Gast, und das RSO hat auch schon früher mehrmals mit Anne-Sophie Mutter zusammengearbeitet. Aber es ist natürlich immer wieder ein Highlight, sie ist die berühmteste Geigerin der Gegenwart.
Ist Anne-Sophie Mutter auch für den einen oder anderen im Orchester ein Vorbild?
Ja, natürlich. Sie hat eine Karriere gemacht, die schon im Alter von 13 Jahren begonnen hat und die über Jahrzehnte immer auf dem gleichen, höchsten Niveau geblieben ist – das gibt es nur sehr selten. Wunderkinder, die später eine Krise haben und dann vielleicht nicht mehr spielen oder Künstler, die sich erst später entwickeln – das gibt es häufiger. Aber so eine Kontinuität in der künstlerischen Qualität wie bei Anne-Sophie Mutter, das ist einzigartig und für alle Musiker ein Vorbild.
Ist Anne-Sophie Mutter auch eine Konkurrentin?
Nein, ich würde mich nie in diese Kategorie begeben. Das ist eine ganz andere Sparte, sie ist ohne Konkurrenz.
Wie müssen Sie sich auf die Stargeigerin einstellen?
Ich habe bereits früher mit ihr konzertiert, als wir mit der Camerata Salzburg durch Amerika getourt sind. Die Zusammenarbeit mit mir als Konzertmeisterin war dabei sehr eng, weil Anne-Sophie Mutter nicht nur als Solistin aufgetreten ist, sondern auch dirigiert hat. Sie ist in jeder Hinsicht absolut professionell, und man sollte ihr mit der gleichen Professionalität begegnen.
Anne Sophie Mutter hat ihren eigenen Dirigenten mitgebracht. Was heißt das für das Orchester?
Mit Michael Francis ist Anne-Sophie Mutter in den letzten Jahren viel zusammen aufgetreten. Das RSO Stuttgart kennt Michael Francis, er hat auch schon ohne Anne-Sophie Mutter das Orchester dirigiert.
Sie haben nur drei gemeinsame Proben. Ist das schwierig?
Es kommt drauf an. Stücke, die man gut kennt, wie das Bruch-Violinkonzert, sind überhaupt kein Problem. Neue Stücke, wie z. B. Sebastian Curriers "Time Machines", sind da schon schwieriger. Deswegen proben wir zuerst alleine, ohne Solistin, um Schwierigkeiten vorab aus dem Weg zu räumen. Allerdings sind drei Proben ganz normal für ein Sinfoniekonzert – die Probenzeit ist ausreichend.
Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit?
Ich denke, das Publikum wird begeistert sein. Moderne Werke, wie Sebastian Curriers "Time Machines", finde ich toll. Das Stück hat sehr viel Rhythmus, und Anne-Sophie-Mutter präsentiert es in einer Art und Weise, dass es auch ein breites Publikum mitreißen wird. "Time Machines" wurde letztes Jahr in New York uraufgeführt, und wir freuen uns, dass wir es jetzt als Premiere in Europa spielen dürfen.
Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart (RSO) spielt seit Jahren auf einem sehr hohem Niveau, was ihm die Zusammenarbeit mit vielen großen Persönlichkeiten ermöglicht. Auch im Orchester selbst befindet sich eine ganze Reihe herausragender Solisten. Gemeinsam mit Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und unter Dirigent Michael Francis bringt das RSO Stuttgart nun ein außergewöhnliches Konzertprogramm auf die Bühne. Es verbindet klassische Stücke mit der zeitgenössischen Komposition "Time Machines" von Sebastian Currier, das extra für Anne-Sophie Mutter komponiert wurde.
Das Interview führte Désirée Lanzenberger
Quelle: SWR.de - Kultur
Letzte Änderung am: 20.01.2012, 13.47 Uhr
