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Das Ringen um mediale Aufmerksamkeit Friedrich Nowottny

Ex-WDR-Intendant und ARD-Urgestein.

Sendung vom Mittwoch, 9.6.2010 | 10.00 Uhr | SWR1 Baden-Württemberg

"Wir können aus dieser schwierigen Situation rauskommen"

"Ich wünsche mir einen Bundespräsidenten, egal wie er heißt, der in der Lage ist, mit der schwierigen Situation dieses Volkes fertig zu werden", erklärte Ex-WDR-Intendant und ARD-Urgestein Friedrich Nowottny (81) am 9. Juni 2010 in der "SWR1 Leute".

Friedrich Nowottny

Friedrich Nowottny

Der noch immer aktive Vollblutjournalist, der unter anderem 1.000 Mal den "Bericht aus Bonn" moderiert hat, fügte in gewohnt klaren Worten an: "Wir sind ja nicht irgendein Land in Europa und in der Welt. Wir sind im Grunde genommen ein starkes Land, und ich möchte, dass endlich jemand kommt, der das den Leuten sagt! Der ihnen, basierend auf den Realitäten, die in Zahlen ablesbar sind sagt, dass wir aus dieser schwierigen Situation rauskommen können. Das geschieht nicht!" Nowottny konkretisierte: "Ob Herr Wulff das kann, weiß ich nicht, ich fürchte, er kann es nicht überzeugend. Und ob Herr Gauck das analytisch aufarbeiten kann, ehe er seine klugen Formulierungen findet, das weiß ich auch nicht, aber beide müssen eben an sich arbeiten, wer immer Bundespräsident wird."

Auf die Frage, ob dies auch als Kritik an Angela Merkel zu verstehen sei, antwortete Nowottny: "Ich habe immer großen Respekt vor der Bundeskanzlerin gehabt, aber ich muss Ihnen eins sagen: Ich fürchte, die Situation rund um den Euro, rund um den Finanzskandal hat sie letztlich nie richtig erfasst, nie richtig analysiert, vielleicht sogar nie richtig begriffen. Sie wurde nicht die Herrin des Verfahrens, sondern sie wurde eine Figur im Verfahren, die man hin und her bewegen konnte. Das verunsichert mich auch als Bürger dieses Landes." Es sei an der Zeit, meinte er, dass die Sozialdemokraten Peer Steinbrück "auch mal was sagen lassen. Warum sagt der Kerl nichts? Der sitzt da irgendwo bequem in seinem Bundestagssessel und schweigt – bedeutend natürlich! Ich erwarte, dass der Sachverstand aus der Opposition genauso zur Problemlösung beiträgt wie hoffentlich der wachsende Sachverstand der Regierungsparteien CDU/CSU und FDP. Ich habe im Moment nicht den Eindruck."

Zum Auftakt der FIFA-Fußball-WM befragt, outete sich Friedrich Nowottny: "Ich fiebre diesem Tag mit Grausen entgegen. Weil es in den nächsten Wochen im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen nichts anderes mehr gibt als Fußball. Und nur Fußball ist mir nicht genug", sagte er zunächst. Um dann allerdings zuzugeben, dass er sich selbst auch dabei ertappe, "die zweiten Halbzeiten anzuschauen, weil ich da auch die Zusammenfassung der ersten Halbzeit sehe." Und dann ärgere er sich manchmal so über "diese Millionäre, die da nur rumstehen und sich nicht bewegen, dass ich schlecht einschlafen kann."

Letzte Änderung am: 04.06.2010, 08.37 Uhr

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