Politiker und Manager
Sendung vom Freitag, 15.5.2009 | 10.00 Uhr | SWR1 Baden-Württemberg
"Wir sollten nicht so rumlaufen, als ob wir die Weltuntergangsstimmung betrachten! Dafür haben wir gar keine Zeit. Wir müssen das Ding wieder auf die Füße stellen. Und das wird der baden-württembergische Mittelstand viel besser tun, wie alle glauben", erklärte der ehemalige baden-wüttembergische Ministerpräsident Lothar Späth zuversichtlich am 15. Mai in "SWR1 Leute".

"Der nächsten Regierung geht die Arbeit bestimmt nicht aus", sagte der Ex-Jenoptik-Manager und sinnierte mit Blick auf den Wahlkampf und die aktuelle Wirtschaftslage: "Es ist wirklich erstaunlich, dass die sich alle balgen und so tun, als ob sie gar nicht mehr miteinander reden können. Trotzdem kriegen sie einige zwingende Dinge, wie etwa die Struktur-Bankenlösung einigungsfähig hin! Ich würde sagen, dass die große Koalition im Augenblick etwas unter ihrem Wert gehandelt wird. Das geht aber nicht anders, denn jetzt ist Wahlkampf, und dann stampfen die Politiker wie die Rösser durch die Gegend. Dann haben sie Feindbilder und die müssen sie auch haben, damit sie richtig Wahlkampf machen können."
Er verspräche sich jetzt nicht besonders viel von den politischen Entscheidungen der nächsten Monate, "außer es passiert etwas Besonderes". Späth warnte aber: "Wir müssen aufpassen, dass wir insgesamt leistungs- und arbeitsfähig sind, denn wir müssen viele Kräfte zusammenbinden. Das Zusammenkehren zerschlagenen Porzellans darf nicht die Zukunftsplanung des Landes ersetzen!"
"Der Markt wird zeigen, wie stark er ist. Im Euro sitzen alle drin. Stellen Sie sich vor, wir hätten noch 13 verschiedene Währungen in Europa – wir würden unser blaues Wunder erleben", sagte der CDU-Politiker. "Jeder würde etwas anderes machen. Bisher hat Europa doch eine ziemlich gute Figur gemacht. Ich habe zum ersten Mal erlebt, dass die Schlagzeile der Washington Post titelte 'Die Europäer kämpfen gemeinsam gegen die Krise'. Das war für die Amerikaner eine absolute Überraschung!"
"Allein der Solidaritätszuschlag nimmt Ewigkeitscharakter an. Möglicherweise hat er das gleiche Schicksal wie die Sektsteuer, die Wilhelm II. eingeführt hat, um die Flotte zu finanzieren: Die Flotte ist untergegangen, die Sektsteuer ist geblieben. Ich würde längst vorschlagen, diesen Zuschlag in die Steuer aufzunehmen, damit man ehrlich sagt, er gehört zur Steuerquote. Ihn wieder loszukriegen ohne Gegenfinanzierung – da mache ich niemandem große Hoffnungen!"
Von Wolfgang Heim nach seiner Lieblingsspeise befragt antwortete Späth sofort: "Das sind saure Kutteln mit Bratkartoffeln. Dazu trinke ich Trollinger. Und keinen Bordeaux. Das wäre sonst schade für die Kutteln – und für den Bordeaux!"
Letzte Änderung am: 15.05.2009, 00.00 Uhr
