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Zweifel am Sinn des Krieges Roland Kather

Bundeswehr-Generalleutnant

Sendung vom Dienstag, 3.3.2009 | 10.00 Uhr | SWR1 Baden-Württemberg

Debatten zur Problemlösung statt Krieg

"Soldaten sind die größten Pazifisten", sagte Generalleutnant Roland Kather (59), Kommandeur des NATO-Hauptquartiers für die Landstreitkräfte in Heidelberg, am 3. März 2009 in "SWR1 Leute"

"Was ich bei meinen Einsätzen an Elend gesehen habe, Bilder, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde, nämlich dass die Ärmsten der Armen und vor allem unschuldige Kinder betroffen waren – das hat mir ein Stück weit meine Lebensphilosophie bestätigt. Wir sollten verdammt noch mal unsere Probleme in Debatten klären und bitte nicht, indem wir aufeinander schießen! Als Mensch und auch als Soldat ist es mir immer noch unverständlich, dass wir heute noch, um Probleme zu lösen, aufeinander schießen müssen. Auf der anderen Seite bin ich auch Realist genug um zu sehen, dass die Welt so ist wie sie ist und dass die Vorstellung, Streitkräfte abzuschaffen, glatte Utopie ist."

Der ehemalige KFOR-Kommandeur im Kosovo führte hierzu weiter aus: "Opfer in der Zivilbevölkerung gibt es zweifelsfrei und wird es immer geben. Genauso wie bei den eigenen Truppen. In manchen konkreten Situationen ist man leider oftmals nicht mehr ganz Herr des Verfahrens."

Ob sich die deutsche Bundeswehr in Afghanistan in einem Krieg befände oder nicht "müssen andere bewerten. Ich sage es mal so: Wir führen dort Kampfhandlungen aus. Wir Soldaten werden diesen Einsatz aber nicht militärisch lösen können – wie überhaupt kein Einsatz mehr militärisch gelöst werden kann. Diese Zeiten sind einfach vorbei."

Zum Thema "Mehr Soldaten für Afghanistan" meinte der Generalleutnant: "Wenn man sich diesen vernetzten Einsatz in Afghanistan, der wirklich sehr schwer zu verstehen ist, zur Grundlage macht, glaube ich, dass wir jetzt an einem Punkt angelangt sind, wo es eher notwendig ist, andere Bereiche zu fördern, wie zum Beispiel das Ankurbeln der Wirtschaft in diesem Land. Wir müssen dort das tun, was wir 1999 im Kosovo gemacht haben und dafür sorgen, dass die Menschen im Land nicht mehr hungern und im Winter nicht mehr erfrieren. Und dass sie zunehmend mehr Verantwortung selbst übernehmen."

Generalleutnant Roland Kather ist einer der ranghöchsten deutschen Soldaten in der NATO. Er ist Kommandeur des NATO-Hauptquartiers für die Landstreitkräfte in Heidelberg. Bis zum 31.08.2007 führte er als KFOR-Befehlshaber eine Truppe aus 35 Nationen in Pristina.

Letzte Änderung am: 26.02.2009, 15.44 Uhr