Sendung vom Freitag, 28.11.2008 | 10.00 Uhr | SWR1 Baden-Württemberg
"Die Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über die Angst vor Helmut Schmidt und die gemeinsame Kolumne
"Je besser man ihn kennen lernt, desto weniger Angst muss man vor ihm haben, desto mehr weicht die Furcht dem Respekt. Er mag vor allen Dingen keine Schleimer, er schätzt Widerspruch, Sachkenntnis sowieso. Er kommt meistens am Freitag nach der Politikkonferenz um 12 Uhr auf dem Rückweg in meinem Büro auf eine Zigarette vorbei. Dann will er, dass die Fenster zugemacht werden, damit man vom Rauch auch was hat. Und dann reden wir. Mein Büro muss das ganze Wochenende gelüftet werden“, erzählte Giovanni di Lorenzo (49), "Die Zeit"-Chefredakteur und "3 nach 9"-Talkshowmoderator in "SWR1 Leute" mit liebevollem Respekt über seinen Chef, Alt-Bundeskanzler und "Die Zeit"-Herausgeber Helmut Schmidt.
Di Lorenzo erinnerte sich im Gespräch mit SWR1 Leute-Moderator Wolfgang Heim an die ersten Kolumnen "Auf eine Zigarette mit …", die er zusammen mit Helmut Schmidt verfasst: "Der Titel hat anfangs erboste Reaktionen ausgelöst. Aber das war nur eine bestimmte Gruppe, die allerdings sehr militant ist. Ich sage das als Nichtraucher, denn ich finde die militanten Nichtraucher nicht besonders angenehm." Er habe nach ein paar Monaten mit Helmut Schmidt ein Gespräch über das Rauchen geführt und ihn auf seine Vorbildrolle angesprochen. Di Lorenzo: "Daraufhin sagte er – was ich sehr redlich finde –, nein, er wolle nicht auch noch im Privaten ein Vorbild sein."
In der aktuellen "Die Zeit"-Ausgabe befasst sich die Kolumne mit den Schmähbriefen, die Schmidt im Laufe des Jahres erhalten hat. Di Lorenzo: "Er sagt, es sind Unzählige. Sie werden teilweise bei der Friedrich-Ebert-Stiftung archiviert. Er liest aus den Briefen vor und zeigt Humor auch bei den Formulierungen, bei denen andere das Blatt Papier fallenlassen würden!" Di Lorenzo fügte hinzu: "Leider hören wir im Januar mit der Kolumne auf, weil ich ihm immer versprochen habe, ihn irgendwann nicht mehr damit zu belämmern. Wir bringen das jedoch gemeinsam als Buch heraus."
Letzte Änderung am: 21.11.2008, 11.06 Uhr
