Natursoziologe
Sendung vom Freitag, 30.5.2008 | 10.00 Uhr | SWR1 Baden-Württemberg
"Wandern ist ein Breitbandtonikum für Psyche und Nerven, ein Ausweg aus dem Superstress. In letzter Zeit ist klar geworden, dass Wandern fast noch mehr bringt als Joggen oder Walken", erklärte der deutsche "Wanderpapst" Rainer Brämer (65) am Freitag in der Hörfunksendung "SWR1 Leute".
"Eine Studie belegt, dass Sportarten, die man sehr lange, aber auf einem ganz geringen Intensitätsniveau betreibt, besonders gesund sind. Sie haben wenig Nebenwirkungen, sind aber für das Immunsystem und den Stoffwechsel ideal." Der Natursoziologe und Gründer des deutschen Wanderinstituts befragt seit Ende der 90er Jahre Wanderer nach ihren Wünschen und Bedürfnissen. Brämer liegt damit voll im Trend, denn Wandern boomt in Deutschland.
"Wir bewegen uns heute alle in künstlichen Welten und haben viel mit technischen Geräten zu tun. Die Natur ist eine Entlastung par excellence und das ideale Gegenstück. Und unsere Untersuchungen haben klar gezeigt: Je abgearbeiteter man ist, desto mehr hat man vom Wandern", begründete Brämer diese Entwicklung. "Außerdem ist Wandern heute ideologiefrei und nicht mehr von Nationalismus belastet. Und wenn vor zehn Jahren das Ganze noch mit sehr viel Häme betrachtet wurde – das Image hat sich heute grundlegend geändert!"
Brämers Untersuchungen zufolge sei der moderne Durchschnittswanderer heute "ein Genusswanderer, der sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,5 Kilometern pro Stunde fortbewegt. Das ist eigentlich fast Spazierengehen. Er oder sie ist Ende Vierzig und hat einen hohen Bildungsgrad. Und er gibt gerne Geld aus". Sein Institut habe errechnet: "Wenn man alles zusammen nimmt, was man dafür ausgeben kann, inklusive gute Bekleidung und Bewirtung – dann kostet der gewanderte Kilometer 2,50 Euro." Auch wenn Wandern somit teuer ist als Tanken, hält Brämer fest: "Die modernen Wanderer sind heute alle keine Kilometerfresser mehr. Sie gehen einen gemächlichen Schritt. Sie unterhalten sich dabei, schauen die Gegend an und bleiben auch mal stehen. Die Sportwanderer sind nur noch eine kleine Minderheit."
Groß im Kommen sei momentan das Nachtwandern. Brämer: "Meine nächtlichen Führungen sind immer ausgebucht. Wir Menschen sind nachts sehr gut drauf, denn nachts arbeitet der Körper ökonomischer, Wandern ist weniger anstrengend. Es sollte nur niemand dabei von Betten reden …"
Letzte Änderung am: 21.05.2008, 13.29 Uhr
