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Neckarsulm und der Traum vom Neuanfang Klaus Gehrig

Aufsichtsratsvorsitzende von Lidl und Kaufland

Sendung vom Montag, 28.4.2008 | 10.00 Uhr | SWR1 Baden-Württemberg

"Man muss bei uns wieder lachen können"

"Wir arbeiten intensiv daran, dass der Umgangston unter den Mitarbeitern ein anderer wird. Man muss wieder lachen können. Wer nicht lachen kann, der kann bei uns auch keine Führungskraft werden", erklärte Lidl-Chef Klaus Gehrig (59) am 28. April in der "SWR1 Leute".

"Wir wollen uns wieder mehr um unsere Mitarbeiter an der Front, um Kassiererinnen und Filialleiter kümmern. Das sind die, die jetzt auch mehr vom Unternehmen haben müssen. Private Beziehungen der Mitarbeiter untereinander sind nun auch erlaubt. Vorher war das nicht so gewollt, muss ich Ihnen ehrlich sagen", räumte der Konzernchef der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe gegenüber Moderator Wolfgang Heim ein. "Aber das gehört zu einem guten Betriebsklima dazu. Wir müssen unsere Unternehmenskultur auffrischen." Legte sein Unternehmen früher mehr Wert auf fachliche Kompetenz, "müssen wir unseren Mitarbeitern heute eine andere Sozialkompetenz beibringen. Denn die hat jetzt Priorität."

Nicht so drastische Folgen für Umsatz und Image

Die Folgen der Bespitzelungsaffäre, die das Unternehmen in die Schlagzeilen brachte, seien längst nicht so drastisch wie geschildert. "Unser Umsatz- und Imageverlust ist nicht so gravierend, dass man Sorge haben müsste", sagte Gehrig. Von den Vorgängen selbst "habe ich nichts gewusst. Wir sind ein dezentral strukturiertes Unternehmen mit einem Geschäftsführer für jede Region. Von der Bespitzelungsaktion waren etwa nur einhundert Filialen betroffen. Die üblichen Detektive halten sich jeweils eine Woche in einer Filiale auf und ein spezieller Detektiv hat sich neben den auszufüllenden Formularen eben zusätzliche Notizen gemacht. Da hat sich ein Eigenleben entwickelt. Mein Fehler war, dass ich zu spät an die Öffentlichkeit ging, zu spät Stellung bezogen habe, denn das bin ich meinem Unternehmen schuldig. Außerdem müssen wir mit unseren Mitarbeitern mehr kommunizieren. Man kann Kameras aufstellen, nur muss man das vorher sagen."

Hohe Loyalität der Lidl-Mitarbeiter

Eine Kündigungswelle seitens der Mitarbeiter habe es nicht gegeben: "Im Gegenteil. Es herrscht eine hohe Loyalität zum Unternehmen, für die ich sehr stolz und dankbar bin." Zu den ver.di-Vorwürfen, Lidl sei ein "extrem arbeitnehmerfeindlicher Konzern" meinte Gehrig: "Das sind wir nicht. Wir bewegen uns in der allgemeinen Gesellschaft. Im Handel ist es nun mal so, dass es im Verkauf draußen wenig Betriebsräte gibt, das hat mit Lidl alleine nichts zu tun. Aldi-Süd hat noch weniger. Außerdem arbeiten wir mit vielen Teilzeitkräften, die Überstunden machen wollen und betriebsrechtlich gar nicht engagiert sind."

Letzte Änderung am: 25.04.2008, 11.21 Uhr