Manager und Bestseller-Autor
Sendung vom Mittwoch, 9.4.2008 | 10.00 Uhr | SWR1 Baden-Württemberg
Der ehemalige CDU-Abgeordnete, Bestsellerautor und Medienmanager über Lebenslügen des Westens und die Situation im Irak
"Der amerikanische Präsident hat mehr unschuldige Zivilisten auf dem Gewissen als alle Terroristen der Neuzeit zusammen. Ab wann beginnt Völkermord? Wir protestieren zu Recht gegen Menschenrechtsverletzungen von China und Russland, aber wir schweigen bei einer Million Toten im Irak. Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt", sagte Medienmanager und Bestsellerautor Jürgen Todenhöfer in "SWR1 Leute" zu Moderator Stefan Siller.
Der 67-jährige ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete, der alle Honorare aus seinen Büchern spendet, äußerte sich über seine Beweggründe zu seinem kürzlich erschienen dritten Buch "Warum tötest du, Zaid?". "Wir im Westen haben Lebenslügen und wagen es nicht, sie auszusprechen. Sind wir nicht viel zu selbstgerecht?", fragte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Hubert Burda Media und fügte hinzu: "Warum stehen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eigentlich nie Mitglieder einer westlichen Regierung? Ist das nicht eine verlogene Moral, wenn wir immer nur mit dem Finger auf die anderen zeigen?"
Amerika sei kein schlechtes Land, "die USA ist großartig. Ich habe alle meine Kinder gebeten, in den USA zu studieren. Es hat einen besseren Präsidenten verdient und wird auch einen besseren bekommen, weil es gar nicht möglich ist, dass ein schlechterer nachfolgt", sagte er. Todenhöfer, der für sein neues Buch verdeckt im Irak recherchierte, machte deutlich: "Was Sie abends im Fernsehen sehen, ist weit entfernt von dem, was dort tatsächlich geschieht. Wir kriegen seit drei Jahren eine Berichterstattung, die nichts mit dem Krieg dort zu tun hat, weil es vom US-Verteidigungsministerium gesteuert wird. Das Pentagon entscheidet, wohin welcher Journalist kommt. Ich habe versucht, alle Fakten gegenzuchecken, so dass ich glaube, wenigstens in die Nähe der Wahrheit zu kommen. Und: Ich habe in Bagdad selbst gesehen, wie Menschen auf Lastwagen dazu gebracht wurden, auf Kommando eines deutschen Fernsehteams anti-amerikanische und anti-israelische Slogans auszusprechen."
Al Kaida sei für ihn "eine Mörderbande, das sind keine Widerstandskämpfer. Sie sind eine winzige Splittergruppe, zu deren Entstehen wir einen Beitrag geleistet haben. Jetzt haben sie ständig Vorwände für ihre wahnsinnigen Anschläge überall auf der Welt. Muslime sind keine Fanatiker, sie sind stoisch, lethargisch. Wenn wir morgen die muslimische Welt mit der Großzügigkeit und dem Respekt behandeln, mit der wir zu Recht Israel behandeln, dann gibt es morgen keinen Terrorismus mehr."
Letzte Änderung am: 04.04.2008, 03.26 Uhr
