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Eine bunte Welt voller Aufbruchstimmung und Stilvielfalt
Man kann es sich einfach machen und die Musik der 60er Jahre auf das Dreigestirn Beatles, Stones und Dylan reduzieren. Das wäre aber genau so ungerecht wie falsch, denn die Sixties waren eine bunte Welt voller Aufbruchstimmung und Stilvielfalt. Fügen wir oben genannten Stars noch die Byrds, die Beach Boys und Jimi Hendrix hinzu, wird das bereits deutlich.

Die Rock’n’Roll Helden der 50er waren entweder tot (Buddy Holly) wurden zum Militär geholt (Elvis) oder waren in Ungnade gefallen, weil sie wie Jerry Lee Lewis minderjährige Cousinen ehelichten.
Eine verschworene Clique, die die Sprache der Straße beherrschte, die mit ihrem neuen ungebärdigen Sound nicht nur die Saiten ihrer Gitarren zum Klingen brachten sondern auch das Innenleben ihrer Fans. Das taten erstmalig die britischen Beatbands aus Liverpool und London.
"Twist And Shout", "The Last Time", "A Hard Day’s Night" oder "I Can’t Get No Satisfaction" waren nicht einfach nur Songs, das war eine Revolution gegen den bürgerlichen Mief der Elternhäuser und Schulen. Wenn Lehrer und Eltern gegen diese jungen Musiker wetterten, konnten die gar nicht schlecht sein.
Lange Haare (bis über die Ohren und Kragen), Boots und Lederschlipse oder einfach Jeans und Turnschuhe, so fingen die 60er an. Die Haare wuchsen schon bald bis auf die Schultern. Es gab Fell- statt Lederjacken, bunte Gewänder und Voodoo Kult. Aus der Beatmusik wurde Rock. Die Schwergewichte der 70er Jahre wie Led Zeppelin oder Deep Purple hatten ihre ersten Erfolge Ende des 60er Jahrzehnts: "Whole Lotta Love" war die erste Hitsingle von Led Zeppelins schon zweitem Album von 1969.
In Europa nahm man nun die afroamerikanischen Vorbilder der weißen Bands zur Kenntnis. Soulstars wie Otis Redding, James Brown, Wilson Pickett und Aretha Franklin kamen auch in die deutschen Hitparaden – "Respect" !!
Die sogenannte progressive Musik der 70er hatte in Bands wie Cream oder Velvet Underground ihre Vorläufer. Auch Genesis gab es da schon. Pink Floyd hatten ihr Debüt 1967 und halfen bei der Geburt der psychedelischen Musik: "A Piper At the Gates Of Dawn". Procol Harum und Deep Purple verbanden Pop mit Klassik, und die Beatles ließen sich von fernöstlichen Klängen und Ideen inspirieren.
Längst hatte sich auch in Deutschland eine eigene Musikszene etabliert, allen voran die Lords und die Rattles, die bis heute noch aktiv sind. Aus Mannheim kamen Joy (Fleming) and the Hit Kids und gaben sich den Blues. Auch die ostdeutschen Puhdys gibt es schon seit 1969.
Die großen Musikfestivals von Monterey und Woodstock waren der Höhepunkt der Hippiekultur, die noch glaubte mit "Love and Peace" die Welt verändern zu können und das vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges, der einfach nicht enden wollte. Mit dem Open Air Konzert der Rolling Stones im Dezember 1969 mit Gewalt und Mord im Publikum gingen die Hippie Ideale vom gewaltfreien Protest der jungen Generation unter.
Man stand an der Schwelle eines neuen Jahrzehnts, noch schriller und noch bunter, aber nicht mehr so ursprünglich und spontan wie die 60er Jahre.
Günter Schneidewind
Letzte Änderung am: 21.09.2010, 11.49 Uhr