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5. August 1888, im Morgengrauen in der Mannheimer Waldhofstraße. Bertha Benz, die Gattin des Auto-Erfinders, startet mit ihren beiden Söhnen zu einer kühnen Tour. Sie wollen nach Pforzheim fahren, zu den Großeltern.

Eine historische Tat: Es ist die erste Auto-Fernfahrt der Weltgeschichte. Und "Vatter" Benz ahnt von alledem nichts. Der schläft an jenem Morgen noch seelig, als seine Frau – außer Hörweite des Hauses – den Motor ankurbelt. Jeder einzelne Takt des 1-Zylinder-Viertakt-Motor des Benz-Patent-Motorwagens ist zu hören. Mit seinen 1,5 PS kommt er auf maximal 20 Stundenkilometer.
Am Straßenrand bleiben die Leute mit offenen Mündern stehen, viele bekreuzigen sich: Nicht zu fassen, eine Kutsche ohne Pferde, dafür knattert’s und knallt’s zum Gotterbarmen; und husch, sind sie vorbei: Oben, auf der lederbezogenen Sitzbank der pferdelosen Kutsche, thront Bertha Benz, links und rechts von ihr die Buben.
Nach ein paar Stunden Fahrt erreichen die drei Wiesloch. Tank und Kühlwasser sind so gut wie leer und Berta Benz schickt ihre Söhne zum Brunnen und Wasser zu holen und zur Stadtapotheke um Treibstoff - am besten Ligroin (ein Leichtbenzin, dass auch als Waschbenzin oder Fleck(en)benzin bezeichnet wurde) - zu besorgen. Apotheker Willi Ockel hatte noch 2 Liter auf Lager, ziemlich teuer übrigens, auf heutige Verhältnisse umgerechnet kostete der Liter 12 Euro. So wurde die Wieslocher Stadtapotheke zur ersten Tankstelle der Welt.
Die Wege sind staubig, völlig ausgefahren von Fuhrwerken, voller Schlaglöcher, und der Wagen hat keine Federung. Die Fahrt ist eine Qual für Mensch und Material. Bertha Benz guckt immer wieder auf die Antriebskette: Kurz vor Bruchsal kracht die Kette. Sie droht zu reißen. In einer alten Schmiede findet Berta Benz Hilfe. Der Schmied ist so zusagen der erste Gelbe Engel, der erste Pannenhelfer der Auto-Geschichte.
Den verstopften Vergaser bei Weingarten macht Bertha Benz mit Hilfe ihrer Hutnadel wieder flott; die starke Steigung hinter Wilferdingen schaffen sie, weil zwei Bauernjungen schieben helfen. So kommen die drei Autopioniere nach 106 Kilometern Fahrt abends bei der Oma in Pforzheim an. Stolz und glücklich telegrafiert Bertha Benz ihrem Mann nach Hause: "Lieber Carl! Erste Fernfahrt ist gelungen. Sind gut in Pforzheim angekommen."
Thomas Bormann
Letzte Änderung am: 07.10.2008, 13.12 Uhr
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