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Uraufführung Gesänge von Liebe und Krieg

Monteverdis "Tre Volti" bei den Schwetzinger Festspielen 2017

Mit der Uraufführung „Tre Volti – 3 Blicke auf Liebe und Krieg – Musiktheater mit Monteverdi“ werden die Schwetzinger Festspiele 2017 eröffnet. Ausgehend von Claudio Monteverdis Madrigal „Il Combattimento di Tancredi e Clorinda“, kreiert das künstlerische Team um Annette Schlünz (Komposition), Ulrike Draesner (Text) und Jeremias Schwarzer (Musikalische Leitung). Heike Hoffmann, ab 2017 künstlerische Leiterin des Festivals, über eine vielschichtige Begegnung zwischen alter und neuer Musik, einem Ur-Drama und moderner Lebenswirklichkeit.

Claudio Monteverde: Madrigali Guerrieri et Amorosi

Partitur zu Claudio Monteverde: Madrigali Guerrieri et Amorosi

Eine hochdramatische Szene beschreibt Torquato Tasso 1574 in seinem Epos „Das befreite Jerusalem“: Der Kreuzritter Tankred verwundet im Krieg um Jerusalem einen fremden Ritter nach erbittertem Kampf tödlich. Als er ihm den Helm abnimmt, erkennt er entsetzt die Sarrazenin Clorinda, seine Geliebte aus dem feindlichen Lager. Sterbend bittet sie um die Taufe.

Bild von Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi komponiert diese Szene 1638 in seinem 8. Madrigalbuch und verwendet dabei vollkommen neuartige und unerhörte Mittel musikalischer Dramatisierung. Es ist der Höhepunkt und die Vollendung dieser musikalischen Gattung, einzigartig in der Ausdruckstiefe menschlicher Empfindungen. Die fatale Begegnung der Liebenden in den Wirren der Glaubenskriege ist damals wie heute tragisch, lebendig und berührend.

Die Liebe im Krieg und der Krieg in der Liebe

In der Musiktheaterproduktion „Tre Volti“ erscheint das Ur-Drama von Torquato Tasso und Claudio Monteverdi im Hier und Jetzt. Krieg und Liebe sind nahezu körperlos geworden. Ein Paar trennt sich nach 17 Jahren. Er: Handelsvertreter für Handys im nahen Osten. Sie: Soldatin – Pilotin einer Kampfdrohne. Man erlebt virtuell, lebt im Ersatz. Reale Berührungen sind gefährlich. Doch eben nach ihnen sehnen Tankred und Clora sich und suchen, jeder für sich, einen Weg aus den Käfigen von Liebe und Aggression, Leere und Glauben.

Das Alte im Neuen und das Neue im Alten

Die Gleichzeitigkeit von thematisch, sprachlich und musikalisch sowohl uralten als auch heutigen Sphären wird in „Tre Volti“ erfahrbar. Es verschränkt sich die alte Musik Claudio Monteverdis mit der neuen Musik von Annette Schlünz. Dabei werden historische Schichten abgetragen und neue freigelegt. Es werden Blickwinkel verändert für eine neue Sicht des Bekannten. Musik aus einer anderen Zeit schimmert geheimnisvoll, erinnernd auf. Beide Werke sind eigenständig und stehen sich in Fremdheit gegenüber. In dem Moment, wo sie verschmelzen, entsteht ein neues Stück.

„Der musikalische Aufbau folgt Fensterprinzipien, also einem Öffnen und Schließen von Klang- und Ereignisebenen. Dabei existieren Klangwelten nebeneinander oder sie verweben sich. Ich arbeite mit Unterbrechungen, Drehungen und Wechsel zwischen alter und neuer Musik mit unterschiedlichen Achsen. ‚Tre Volti‘: drei musikalische Räume, drei Drehungen, drei Gesichter“, so Annette Schlünz.

Die Arbeit an der Schnittstelle

Alle Beteiligten des Projekts sind im Prozess des Entstehens gefordert, an unbekannten Schnittstellen und in ungewohnten Beziehungen zu arbeiten. Das führt automatisch zu neuen Erfahrungen, die das eigene künstlerische Schaffen hinterfragen, verändern und erweitern.

Die Autorin Ulrike Draesner

Die Schriftstellerin Ulrike Draesner hat den Text zu "Tre Volti" verfasst.

„Der Text den ich für ‚Tre Volti‘ geschrieben habe, ist offen, lebendig in ständiger Entwicklung und das Projekt ist auf allen Ebenen ein Prozess mit offenem Ausgang. Als Autorin sitze ich ja normalerweise einsam am Schreibtisch, aber hier arbeite ich in einem inspirierenden Team und das ist für mich eine tolle Erfahrung.“ sagt Ulrike Draesner.