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"Ötzi" ist ein Volltreffer für die Forschung

Über den sensationellen Fund der 5300 Jahre alten Gletscherleiche

Tiefgefroren in Eis und Schnee haben sich nicht nur der Körper von "Ötzi", sondern auch Gegenstände aus Fell, Sehnen und Leder erhalten. Solche Funde gibt es in den zeitgleichen Pfahlbausiedlungen nicht. Sie liefern neue Erkenntnisse zu Gesundheit und Technik der Jungsteinzeit.

Ankunft von Ötzi im Archäologischen Museum in Bozen (Quelle: picture-alliance - dpa)
Ankunft von "Ötzi" im Archäologischen Museum in Bozen (Archivbild)

Die Isotopenzusammensetzung von "Ötzis" Zahnschmelz belegt, dass der Mann aus dem Eis in seiner frühen Kindheit nicht auf kalkhaltigen, sondern auf Gneis- und Phyllitböden gelebt hat. Somit dürfte sein Heimatdorf im unteren Vinschgau, im unteren Eisacktal oder in der Gegend um Meran zu suchen sein. Eine jungsteinzeitliche Fundstelle ist kürzlich auf dem Burghügel von Schloss Juval untersucht worden - lag etwa hier die Siedlung, wo auch "Ötzi" gelebt hat?

Was suchte "Ötzi" in den Alpen?

Bis heute wurden unzählige Hypothesen aufgestellt, was Ötzi auf über 3000 Meter über dem Meer zu suchen hatte. War er Hirte, Kupfererz-Sucher, Händler oder gar auf der Flucht vor einem eifersüchtigen Nebenbuhler? Man wird das Rätsel wohl nie lösen. Es scheint, dass der Mann aus dem Eis auf dem Weg von Süden nach Norden war, weil man in seinem Darm Blütenstaub der Hopfenbuche fand. Dieser Baum wächst nur im südalpinen Raum. Andere Forscher meinen, er sei auf der Heimkehr von den nordalpin gelegenen Erzlagerstätten des Mondseegebietes überfallen worden.

Wer hat "Ötzi" erschossen?

Kupferaxt und weitere Ausrüstung von Ötzi (Quelle: picure-alliance - dpa)
Bei "Ötzi" wurden diese Kupferaxt, ein Köcher mit Pfeilen sowie eine Art Messer gefunden

Im Jahr 2001 entdeckt der Radiologe Paul Gostner auf einem Röntgenbild in der linken Schulter der Mumie eine Pfeilspitze aus Feuerstein. Forscher der Universität Zürich wiesen Anfang Juni 2007 mit Hilfe eines Computertomografen nach, dass "Ötzi" durch die Pfeilspitze an der Unterschlüsselbeinaterie verletzt wurde. Somit ist sicher, dass Ötzi von hinten erschossen wurde.

Zuvor gab es wohl einen heftigen Kampf auf Leben und Tod. An seinen Händen und seiner Ausrüstung klebt nämlich Blut – nicht nur eigenes, sondern auch fremdes! Bemerkenswert ist, dass der oder die Mörder von "Ötzi" sein Beil mit der Kupferklinge - damals ein wertvolles Prestigeobjekt - nicht geraubt haben. Kamen seine Widersacher auch um, fanden sie den Leichnam im Nebel nicht mehr, oder hatte Ötzi überlebende Gefährten, die ihn beim Tisenjoch zur ewigen Ruhe betteten?

War "Ötzi" ein Einzelfall?

In den Pfahlbausiedlungen am Bodensee finden sich zahlreiche aus fern gelegenen Orten importierte Funde, wie Muschelschmuck und Feuerstein aus Oberitalien. Diese wurden über den Alpenhauptkamm transportiert. Aus dem Berner Oberland kamen zudem kürzlich Kleidungsstücke und Geräte aus der Steinzeit zum Vorschein. Die abschmelzenden Gletscher werden wohl bald weitere Sensationen liefern. Also Augen auf bei der nächsten Bergtour!

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