blank

Mit den Hühnern ins Bett

Dieter Riemann untersuchte die Schlafgewohnheiten der Bewohner

SWR.de: Acht Wochen Schlaf-Experiment sind vorbei. Sie haben Ihre Daten ausgewertet. Was war für Sie das interessanteste Ergebnis?

Professor Dr. Dieter Riemann (Quelle: Universitätsklinikum Freiburg)
Prof. Dr. Dieter Riemann Klinische Psychophysiologie, Psychatrische Klinik Uni Freiburg

Dieter Riemann: Es gibt eigentlich zwei interessante Ergebnisse. Eigentlich hatte ich erwartet, dass die Probanden tagsüber anfangen zu schlafen, weil der normale Druck wegfällt. Das ist nicht eingetreten. Sie haben nicht angefangen, alle einen Tagsschlaf zu halten. Und das zweite spannende Ergebnis war, dass sie alle nachts deutlich mehr geschlafen haben. Also neunzig bis hundert Minuten haben sie mehr im Bett verbracht, und davon haben sie auch sechzig bis siebzig Minuten mehr geschlafen, unter diesen "Steinzeit"-Bedingungen.

Worauf führen sie das zurück?

Warum sie nicht am Tag geschlafen haben, lässt sich kaum erklären. Wie aus vielen Naturvölkern und aus den südlichen Ländern bekannt, hätte ich normalerweise erwartet, dass die Leute nicht nur nachts eine Hauptschlaf-Phase haben, sondern auch tagsüber eine Schlafphase brauchen - dass wir biologisch fast drauf programmiert sind, ein Mittagsschläfchen zu halten. Vielleicht war das eine Besonderheit dieser Gruppe. Vielleicht haben sie aber auch schon nachts soviel geschlafen, dass dann der Schlafdruck tagsüber weniger groß war. Wir hatten einen sehr heißen Juli. Der August, in dem das Experiment hauptsächlich statt gefunden hat, war relativ verregnet und kalt. Es könnte sein, dass dies eine Rolle gespielt hat. Wenn es dreißig Grad warm gewesen wäre, wie normalerweise, hätte es sein können, dass sich die Gruppe mittags ins Haus zurückzieht, um es kühler zu haben.

Haben Sie den Eindruck, dass die Protagonisten erholsamer geschlafen haben?

Im Nachhinein betrachtet: Ja. Viele von ihnen haben mir das auch so geschildert. Sie haben sich in dieser Zeit entspannter gefühlt. Während des Experiments haben wir sie natürlich nicht befragen können - das war ausgeschlossen. In den Befragungen später haben sie erzählt, dass sie ihren Schlaf zufriedenstellender und erholsamer fanden während dieser Zeit.

Schauen wir uns die Schlafmuster genauer an. In dieser Gruppe von fünf Erwachsenen haben wir einige, die unter häuslichen Bedingungen vorher recht wenig geschlafen haben. Einige mussten stets hohen Anforderungen genügen: zum Beispiel im Beruf. In der normalen, modernen Welt geht das immer auf Kosten des Schlafens. Im Steinzeit-Dorf fielen diese äußeren Bedingungen weg: Körper oder Gehirn konnten sich holen, was sie brauchten.

Horizontale Linie
Impressum l © SWR 2008