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Die Psyche auf dem Prüfstand

Die Auswirkungen der "Steinzeit" auf das Wohlbefinden

Anhand psychiatrischer und psychologischer Messmethoden, zum Beispiel einer Befindlichkeitsskala, wurde die Psyche der steinzeitlichen Dorfbewohner durch das Forscherteam um Dieter Riemann von der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg analysiert. Letztlich zeigte sich: Die Ausgeglichenheit der Teilnehmer nahm mit zunehmender Projektzeit zu. Und trotz starker Belastungen für Psyche und Physis haben alle Sippenmitglieder den Aufenthalt in der "Steinzeit" als Gewinn für ihre Seelengesundheit bewertet.

Kinder um die Feuerstelle (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Der Magen knurrte ... vor allem für die Kinder eine große Belastung

Leben im "Steinzeit"-Dorf: für viele Menschen der Gegenwart wäre ein solches Experiment eine unannehmbar große Strapaze. Alles verändert sich: Schlafen in der Gruppe, auf einer nur rund 40 Zentimeter breiten Liegefläche pro Person, lauwarmes, ungewohntes Essen, das auf dem Lagerfeuer zubereitet werden muss, statt am heimischen Herd, wundgelaufene Füße, die einfach nicht heilen wollen, Kälte, ungewohnte Kleidung, ein Minimum an Hygiene und Privatsphäre - das alles können Gründe dafür sein, das "Steinzeit"-Leben tüchtig satt zu bekommen. Die Umstellung kann einem ordentlich aufs Gemüt schlagen.

Um die Auswirkungen auf die Psyche messen zu können, befragte das LIVING SCIENCE-Team der Universität Freiburg alle Teilnehmer mithilfe von Standard-Interviews, die normalerweise zur klinischen Diagnostik psychischer Störungen genutzt werden jeweils vor und nach dem "Steinzeit"-Leben. Erstaunlich war: Trotz aller Konflikte führte das Projekt keinen der Dorfbewohner an seine absoluten psychischen Grenzen.

Insgesamt ergab die Erhebung unauffällige Ergebnisse, sowohl vor als auch nach Ablauf der experimentellen Zeit. Um die so genannten "Stabilitäten und Instabilitäten" der Psyche genauer zu ermitteln, wurden fünf verschiedene Bewertungskriterien angesetzt.

1. Die Befindlichkeitsskala, kurz BFS genannt. Mit ihr messen Psychologen und Psychiater generell die Befindlichkeit ihrer Probanden bzw. Patienten. Die Skala setzt sich aus Zahlenwerten zwischen 0 und 56 zusammen. Ein Wert von 0 bedeutet absolutes Wohlbefinden, der Wert 56 steht für schwerste Depressivität.

Befindlichkeitsskala Abbildung 3a (Quelle: Dieter Riemann)
Die Werte der Befindlichkeitsskala für alle Dorfteilnehmer

Die Werte der Befindlichkeitsskala lagen für alle 13 Teilnehmer zusammengenommen zwischen 8 und 28 Punkten. Nach dem Versuch lagen die Werte zwischen 6 und 35 Punkten, was normalerweise eine leichte Verschlechterung der Befindlichkeit anzeigen würde. Es waren jedoch keine signifikanten einheitlichen Trends im Sinne einer Verschlechterung oder Verbesserung zu sehen. Die individuelle Befindlichkeit variierte stark von Teilnehmer zu Teilnehmer, was sich so interpretieren lässt, dass die Teilnehmer unterschiedlich gut oder schlecht mit der Situation "Steinzeit" umgehen konnten.

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