blank

Ein Wendepunkt der Menschheit

Die "Neolithische Revolution"

Ein Dach über dem Kopf zu haben und im Supermarkt Lebensmittel einzukaufen, erscheint uns heute völlig selbstverständlich. Wenn man aber die Zeit, seit es uns Menschen gibt, betrachtet, haben wir eigentlich fast immer als Jäger und Sammler gelebt. Als unsere Vorfahren sesshaft wurden, war das wahrscheinlich die folgenreichste Entscheidung, die sie jemals getroffen haben.

Britta und Olli auf den Spuren der ersten Ackerbauern und Viehzüchter (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak
Auch die SWR-Sippe betrieb Ackerbau und Viehzucht

Schauen Sie sich doch bitte einmal um! Vermutlich gäbe es all das nicht, was Sie gerade sehen, würden wir Menschen heute noch immer als umherziehende Jäger und Sammler leben. Niemand hätte den Computer erfunden, vor dem Sie gerade sitzen, oder Ihr Haus gebaut. Ohne eine tief greifende Änderung der Lebensweise wäre auch der Apfelbaum im Garten oder das Schnitzel auf Ihrem Teller nicht denkbar. Fast unser ganzes Leben hängt damit zusammen, dass sich Menschen vor einigen tausend Jahren überlegten: Wir probieren etwas Neues aus!

Vom Fruchtbaren Halbmond zu uns

Begonnen hat alles vor elf- bis zwölftausend Jahren im Vorderen Orient, im Gebiet zwischen Persischem Golf, Zweistromland und Totem Meer. Dieser so genannte "Fruchtbare Halbmond" gehört zu den Orten, an denen Landwirtschaft und Viehzucht erfunden wurden. Von dort breitete sich diese neue Lebensweise allmählich bis nach Mitteleuropa aus.

Der australische Archäologe Gordon Childe hat 1925 diesen Wandel vom Jäger und Sammler zum Viehzüchter und Ackerbauern als "Neolithische Revolution" bezeichnet. Damit meinte er keine Revolution im Sinne eines Umsturzes. Childe wollte vielmehr die tief greifende Änderung der menschlichen Lebensweise beschreiben, die sich damals vollzogen hat.

Erste Kontakte mit Hirten und Bauern

Kopf einer schwarz-weißen Ziege (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Ziegen gehörten zu den ersten Nutztieren

Im Südwesten Deutschlands dauerte alles noch etwas länger als im Vorderen Orient. Bis ungefähr 5.800 vor Christus lebten die Menschen hier als umherziehende Jäger und Sammler. Dann begegneten ihnen Hirten, die aus Westeuropa eingewandert waren. Diese Hirtenvölker, die Archäologen als "La Hoguette"-Kultur bezeichnen, besaßen Schafe und Ziegen. Sie stellten Keramik her, jagten, sammelten Wildpflanzen und wanderten mit dem Wechsel der Jahreszeiten von Ort zu Ort. 

Rund dreihundert Jahre später gesellten sich Bauern – ihre Kultur nennen die Forscher "Bandkeramik" – zu den Jägern und Hirten. Die Bauern waren wahrscheinlich mitsamt ihren Errungenschaften vom Fruchtbaren Halbmond über den Balkan nach Mitteleuropa gewandert. Viele Menschen werden das nicht gewesen sein, aber sie machten auf die Jäger einen gewaltigen Eindruck.

Horizontale Linie
Impressum l © SWR 2008