Gürtel enger schnallen in der "Steinzeit"
Gesundheit und Wohlbefinden im Pfahlbaudorf
SWR.de: Was interessiert Sie besonders am Projekt?

Dr. Dirk Bültermann Uniklinik Freiburg (Rehabilitation und Präventive Sportmedizin)
Dirk Bültermann: Uns interessierte in erster Linie, inwieweit sich die Gesundheit und die körperliche Leistungsfähigkeit während der "Steinzeit" verändert haben. Das interessanteste Ergebnis war für uns, dass die Ergebnisse eigentlich sehr inhomogen waren. Erstaunlich ist, dass die Gesundheitszufriedenheit der Protagonisten insgesamt deutlich zugenommen hat und dass es, trotz der heftigen Witterungseinflüsse, relativ wenig Infekte gab. Ganz erstaunt waren wir, dass die Teilnehmer bereits nach acht Wochen eine extrem gesteigerte Wahrnehmung von Gerüchen und optischen Eindrücken beschrieben.
Warum sind die Protagonisten bei Wind und Wetter nicht krank geworden?
Die Teilnehmer sind großteils vorher schon sehr gesund gewesen. Das Zweite ist, dass sechs von den neun Personen aufgehört haben zu rauchen, das könnte auch eine Rolle spielen. Als dritter Punkt war natürlich die Beeinflussung durch Infektionskrankheiten, zivilisationsbedingt, in dieser Situation auch erheblich geringer.
Wer war Ihren Ergebnissen zufolge der Fitteste im "Steinzeit"-Projekt?
Im Punkt Leistungsfähigkeit hat Oliver Junker-Matthes mit Abstand die allerbesten Leistungsdaten. Er ist sowohl was die Maximalleistung angeht der Chef im Ring, als auch, was die aerobe Grundausdauer angeht. Das heißt, er regeneriert schneller, er kann sich besser konzentrieren, er kann schneller laufen. Ich denke, das sind wirklich Voraussetzungen, die einem in der echten "Steinzeit" gut geholfen haben zu überleben.
Oliver Junker-Matthes hat im Gegensatz zu den anderen im "Steinzeit"-Projekt zugenommen. Wie erklären sie sich das?
Bei Oliver ist es ganz eindeutig: Er verfeuert nach unseren Protokollen auch zu Hause unglaublich viel Energie und isst eigentlich wenig. Er muss zu Hause als Holzrücker und Schafscherer viel stärker körperlich arbeiten. In der Steinzeit ist der Energieumsatz dann eher geringer. Er isst gleich viel, bei etwas niedrigerem Energieumsatz führt das natürlich zu einer Gewichtszunahme.
Thema Ernährung: Wie hat sich die eigentlich bei der Alpengruppe entwickelt?
Die "Ötzi"-Gruppe hat sich während des Alpenübertritts vollkommen anders ernährt als vorher: vor allem von Trockenfleisch, sehr proteinreich, sehr fettreich und mit ganz wenig Kohlenhydraten. Sie hat auch insgesamt weniger Energie zugeführt. Interessant war, dass der gut trainierte Hennig Fenner dabei eher zugenommen und der vorher eher untrainierte Ingolf Schuster abgenommen hat. Die Erklärung liegt in der unterschiedlichen Energiezufuhr. Henning Fenner hat einfach mehr gegessen als Ingolf Schuster.
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