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Fitness in der Jungsteinzeit

Welche Auswirkungen hat das "Steinzeit"-Leben auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit?

Wie stark haben acht Wochen "Steinzeit"-Projekt Einfluss auf den Körper der Probanden genommen? Dieser Frage stellten sich die LIVING SCIENCE - Forscher um Dr. Dirk Bültermann, darunter Sportmediziner und Internisten der Universität Freiburg. Wichtigstes Ergebnis: In einem Punkt glichen sich die "Steinzeit"-Teilnehmer körperlich sehr stark: alle verließen die "Steinzeit" mit durchschnittlich rund fünf Kilogramm weniger Körpergewicht.

Fitnesstests, Blutproben, Ernährungsfragebögen und die Daten der Aktometer, einem Messgerät am Arm, das Energieumsatz, Bewegungsdauer, Aktivitätsniveau sowie Anzahl der Schritte, die Liege- und Schlafdauer der Protagonisten aufzeichnete, fügen sich zu einem medizinischen Gesamtbild des Experiments. Das Ergebnis: einerseits forderte der Steinzeit-Alltag dem Körper Extremleistungen ab, wie bei einem Radprofi, etwa beim Ofenbau. Andererseits lebte unsere Sippe nicht schlecht und fühlte sich nach einer kurzen körperlichen Durststrecke fit und am Ende sogar auch seelisch wohl. Im Mittel haben Alpengänger und Dorfbewohner  Körpergewicht verloren, allerdings waren die individuellen Ergebnisse erstaunlicherweise sehr unterschiedlich. Während zwei Dorfbewohner abnahmen, blieb bei drei Protagonisten das Körpergewicht konstant. Und der leistungsstärkste Dorfbewohner hat sogar Gewicht zugelegt.

Verena liest der Aktometer aus (Quelle: SWR, Foto Ralf Nowak)
Regelmäßig wurden die Aktometer der Teilnehmer während der acht Wochen im Dorf ausgelesen. Das Gerät am Arm sammelte während des Projekts Daten über die Aktivitäten der "Steinzeit"-Teilnehmer.

Vor 5.000 Jahren war es um die Gesundheit der Menschen eher schlecht bestellt. Die Gewöhnung an die neuen Lebens- und Ernährungsumstände forderte viele Entbehrungen, wie sie auch die Teilnehmer des "Steinzeit"-Projekts im Zeitraffer erfahren haben. Der Umgang mit einer offenen Feuerstelle, mit Vorräten, dem Mahlen von Getreide und die Zubereitung anderer Nahrungsmittel wie rohem Fleisch wollen gelernt sein. Ein Kulturschock, den die Jäger und Sammler damals als Anfänger in Sachen Ackerbau erfahren mussten und der für die Menschen aus der Jetztzeit im "Steinzeit"-Projekt mindestens ebenso ernüchternd war.

Gefäße aus der Vorratskammer (Quelle: Peter Hollenbach, Foto: Peter Hollenbach)
Die steinzeitliche Speisekammer im Pfahlbaudorf: In selbst hergestellten Gefäßen lagern Produkte, die es heute nicht einmal im Bio-Laden zu kaufen gibt. Im Sommer war die Vorratskammer gut gefüllt. Im Winter mussten die Menschen in der Steinzeit oft hungern.

Dennoch ist die "Steinzeit"-Sippe auf Zeit nicht verhungert. Gegen Ende des Projektes lebte es sich zumindest in der simulierten Steinzeit ganz gut und der Tisch war reich gedeckt. Haben wir unserer Sippe also zuviel Essen angeboten? Keineswegs, denn der Sommer war auch zu "Ötzis" Zeiten die fette Jahreszeit, in der es schon allein durch das Angebot in der Natur - etwa Beeren und Obst  - genug zu essen gab. Im Winter dagegen hätte unsere Familie wohl sicher auch sehr unter Hunger und den Folgeerscheinungen gelitten, so wie auch die Menschen von einst.

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