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Trockenzeit: sechs Stunden

Tauglichkeit jungsteinzeitlicher Kleidung wird geprüft (Quelle: SWR / Hohensteiner Institute)
Die rekonstruierte "Ötzi"-Kleidung wird auf Tragekomfort getestet.

Die gewonnenen Untersuchungsergebnisse zeigen deutlich, dass Hemd,  Beinbekleidung aus Leder und Fellmantel der Jungsteinzeit eine für heutige Maßstäbe sehr geringe Atmungsaktivität aufweisen und Schweiß nur sehr schlecht von der Haut wegtransportieren können. Das bedeutet: Wollte "Ötzi" überleben, musste er intelligent mit seiner Kleidung umgehen, denn einmal nass geworden, dauerte es sechs Stunden, bis sie wieder trocken war. Deshalb musste er etwa auch sein Schritttempo so anpassen, dass er nach Möglichkeit nicht ins Schwitzen kam. 

Der Vergleichstest zwischen rekonstruierter "Ötzi"-Garderobe und einer vergleichbaren durchschnittlichen Alpin-Ausrüstung für unser LIVING SCIENCE Projekt zeigte: Moderne Funktionskleidung ist vor allem in Sachen Feuchtigkeitstransport vier- bis sechsmal besser und wiegt dabei nur knapp die Hälfte.

Schlechter Schutz vor Kälte

"Ötzis" Kleidung war nicht sehr kältetauglich: nur bei Temperaturen über ca. -5 Grad Celsius hielt die Steinzeitkleidung "Ötzi" auf seiner Alpentour ausreichend warm. Wollte "Ötzi" bei tieferen Temperaturen nicht erfrieren, musste er sich einen Schlafplatz in trockenen Höhlen suchen und ein wärmendes Feuer machen. Ein Lagerfeuer  war auch dann wichtig, wenn seine Kleidung etwa im Regen nass geworden war und getrocknet werden musste. Dies dauerte Stunden.

Nicht nur bei Kälte konnte "Ötzi" Probleme bekommen: Weil die Leder- und Fell-Kleidung so wenig "atmungsaktiv" war, wurde sein Körper bei stärkeren Anstrengungen, wie steilen Aufstiegen oder  einer anstrengenden Jagd nicht  ausreichend gekühlt. Dadurch schwitzte er nicht nur übermäßig, sondern bei einer Umgebungstemperatur von fünf Grad konnte ihm bereits nach ca. 45 Minuten ein Kreislaufkollaps drohen, - so die Ergebnisse der bekleidungsphysiologischen Untersuchung. "Ötzi" musste darauf achten, seine Körpertemperatur selbst zu regeln, durch Ausziehen überflüssiger Kleidungsstücke.

Wichtige Befunde:

1.   Die Kleidung in der Jungsteinzeit brauchte sehr lange, um zu trocknen.
2.   Moderne Kleidung transportiert  Feuchtigkeit fast sechsmal besser.
3.   "Ötzis" Kleidung war fast doppelt so schwer.
4.   Die Kleidung des Mannes aus dem Eis ist wenig luftdurchlässig, bei starken Anstrengungen konnte ihm ein Kreislaufkollaps drohen.
5.   Die Kleidung war vermutlich für ein Klima ausgelegt, wie es heute im Frühjahr bis Herbst Gebiet der Ötztaler Alpen herrscht.

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