Der Wunsch nach einem langen Leben

Gründe, eine Gottheit oder die Ahnen gnädig zu stimmen, gab es genug. Viele Kinder überlebten die ersten Jahre nicht, viele Frauen starben im Kindbett, und auch sonst lag die Lebenserwartung deutlich niedriger als heute. Doch auch wenn die Wahrscheinlichkeit, alt zu werden, nicht besonders hoch war, gab es Menschen, die 60 Jahre oder älter wurden.
Die Pfahlbausiedler kümmerten sich nachweisbar um ihre Kranken, sogar Operationen führten sie durch. Bei Kopfverletzungen nahm man so genannte Trepanationen (Schädelöffnungen) vor, um die Wunde von Knochensplittern zu befreien. Auch unverletzte Schädel wurden geöffnet, womöglich bei starken Kopfschmerzen, für die keine äußere Ursache erkennbar war. Skelettfunde beweisen, dass zumindest ein Teil der Patienten eine gewisse Zeit überlebte. Denn an den operierten Schädeln lässt sich eine Kallusbildung nachweisen - an den Rändern der Öffnung bildet sich wieder Knochen.
Das Dorf und die Fremden
Auch außerhalb des Dorfes pflegten die Menschen Kontakte. Am Bodensee fanden Forscher beispielsweise Feuersteine, die von südlich der Alpen stammen und als Tauschobjekte in die Pfahlbausiedlungen kamen. Neben anderen Gütern wurden sicher auch Informationen und Neuigkeiten ausgetauscht, die den Horizont der Menschen über ihren unmittelbaren Lebensraum hinaus erweiterten.
Doch die Kontakte waren nicht immer friedlich. Mit Hilfe von Palisaden schützten die Pfahlbauer ihre Siedlungen nicht nur gegen Wind, Wellen und wilde Tiere, sondern auch gegen andere Menschen. Dass es gefährlich war, den Schutz der Siedlung zu verlassen, musste einer der berühmtesten Menschen der Jungsteinzeit erfahren: Ötzi. Er wurde durch einen Pfeilschuss in den Rücken ermordet.
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Steckbrief von "Ötzi"




