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"Eine Sache der Übung"

Interview mit dem Archäotechniker Harm Paulsen

Für Harm Paulsen ist es ein leichtes, wie ein Steinzeitmensch Feuer zu machen. Er weiß, worauf es dabei ankommt: "Ich habe Leute gesehen, die haben wochenlang rumgeprügelt. Und es ist nicht passiert. Häufig hatten sie nicht die Geduld."

SWR.de: Was ist das Wichtigste, was man zum Feuer machen braucht?

Harm Paulsen (Quelle: Landesmuseum Schleswig)

Harm Paulsen: Feuer machen ist nichts für hektische Leute. Man muss ein bisschen Geduld haben dabei. Man darf nicht nach der Stoppuhr gucken und sagen, wie schnell mach ich das. Man muss da ganz entspannt dran gehen.

Aber auch wenn man Geduld mitbringt, ist das Feuer machen nicht immer einfach. Die Methode Feuer bohren zum Beispiel, die auch schon in der Steinzeit üblich war, ist für viele eine echte Herausforderung.

Ja, da denken viele, man nimmt einfach einen Stock in die Finger und quirlt ein bisschen, und dann ist die Flammenhölle da. So einfach ist es nicht. Ich habe beim Feuerbohren schon Leute in Verzweiflung gesehen. Diese Methode ist außerordentlich schwierig. Selbst aus dem Kreis derjenigen, die Survival machen, habe ich noch nie jemanden getroffen, der mir das vor meinen Augen gezeigt hat. Die haben alle gesagt: Ja, das kann ich. Und dann hatten sie plötzlich alle ein Formtief.

Eine einfachere Methode ist das Feuer schlagen. Diese Art Feuer zu machen hat auch die SWR-Steinzeitsippe praktiziert. Wie funktioniert sie genau?

Pyrit und Feuerstein - das jungsteinzeitliche Feuerzeug (Quelle: SWR, Foto: Michael Merkel)
Pyrit und Feuerstein

Man braucht an Material drei Sachen: ein Stück Pyrit oder auch Markasit, ein Stück Feuerstein und ein Stück Zunder. Zunächst schlägt man den Feuerstein mit großer Wucht an dem Pyrit vorbei, so dass er ihn berührt. Dabei reißt der Feuerstein Partikel aus dem Pyrit heraus. Durch die Reibungswärme glühen diese Partikel, und es entstehen langlebige Funken. Wenn diese Funken auf Zunder fallen, ein leicht glimmbares Material, kann sich der Glutherd immer weiter ausbreiten. Dann pustet man ganz sanft, so dass der Glutherd immer größer wird. Fügt man nun trockenes Heu hinzu, hat man ein Feuer. Das Ganze kann man in eineinhalb Minuten durchziehen.

Gibt es Gemeinsamkeiten beim Feuermachen in der Steinzeit und in der heutigen Zeit?

Wenn wir heute Feuer machen, benutzen wir ein Streichholz oder ein Feuerzeug. In einem gewissen Sinne funktionieren diese Methoden immer noch so wie in der Steinzeit. Es ist irgendwie dreiteilig. Man hat einen Feuerstein, ein hartes Material, das daran reibt, und ein Zundermaterial. Bei den Feuerzeugen ist das Zundermaterial Gas.

Hand und Rauch (Quelle: SWR, Foto: Jochen Schmoll)
Henning macht Feuert (Quelle: SWR, Foto: Jochen Schmoll)
Henning bläst ins Feuer (Quelle: SWR, Foto: Jochen Schmoll)
Feuer (Quelle: SWR. Foto: Ralf Nowak)
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