Die Alpenüberquerung
Vom Bodensee nach Bozen
Bregenz im August 2006. Zwei Gruppen machen sich auf, die Alpen zu überqueren. Beide wollen nach Bozen in Südtirol. Es ist keine normale Wanderung, sondern ein Experiment. Uns interessiert: Ist es realistisch anzunehmen, dass die Menschen bereits vor 5.000 Jahren die Alpen überquert haben?

Zur großen Überraschung der Archäologen wurden in den Pfahlbausiedlungen am Bodensee Gegenstände gefunden, die teilweise aus Norditalien stammen. Feuerstein, Muschelschmuck und Kupferwerkzeug zum Beispiel. Die Forscher deuten die Funde so: Schon in der Steinzeit muss es einen Austausch von Gütern über die Alpen gegeben haben. Wie war das möglich?
Wo haben sie geschlafen? Womit wurde der riesige Kalorienbedarf gedeckt? Was taugte die Ausrüstung von "Ötzi"? Er trug Schuhe aus Bärenfell, Bast und Heu und einen Mantel aus Gras. Kann man damit wirklich 3.000 Meter hohe Berge bezwingen? Wie verändern sich Körper, Muskeln, Fettgewebe, Kondition bei den steinzeitlichen Wanderern gegenüber einer Vergleichsgruppe in heutiger Ausrüstung?
Das Experiment

Die Gruppe der steinzeitlichen Alpenüberquerer besteht aus Ingo Schuster und Henning Fenner, die sich für das Steinzeit-Experiment gemeldet haben. Sie sind ausgerüstet wie "Ötzi", der Mann aus dem Eis, der 1991 am Tisenjoch gefunden wurde: mit Lederwams, Beinlingen, einem Grasmantel und einer Kraxe mit dem Nötigsten. Ingo und Henning müssen sich ihr Schlaflager selbst suchen. Sie werden sich von Pemmikan, einer Mischung aus Fett, Trockenfleisch und Trockenfrüchten ernähren - und von dem, was sie auf ihrem Weg finden.
Die Vergleichsgruppe bilden Gerolf Karwath, Journalist und Redakteur des Steinzeit-Experiments, und sein Sohn Philipp. Sie laufen die gleiche Strecke. Aber die beiden tragen moderne Outdoorkleidung: wasserdichte, atmungsaktive Anoraks, schnelltrocknende Synthetik-Unterwäsche und Wanderschuhe aus Leder. Sie werden in Pensionen und Alpenvereins-Hütten übernachten, abends ein "Bergsteigeressen" bekommen und immer wieder auch eine warme Dusche genießen können.
Die Strecke

Der Weg führt beide Gruppen vom Bodensee über den Bregenzerwald ins Kleinwalsertal. Er passiert hier zwei Fundstellen, an denen Spuren unserer neolithischen Vorfahren gefunden wurden: Schneiderküren, ein Jäger- und Hirtenlager, und den Feuersteinmähder, ein neolithisches Feuersteinbergwerk. Vom Kleinwalsertal geht es vorbei am Widderstein zum Hochtannbergpass und von dort nach Lech am Arlberg.

Die Alpen in Blickrichtung Süden - im Vordergrund der Bodensee
Die Vergleichsgruppe (hellblaue Wegstrecke) nimmt den Lechtaler Höhenweg. Die "Ötzi"-Wanderer (orange Linie) müssen, wegen des schlechten Wetters, ins Lechtal ausweichen. In Zams am Inn treffen sie wieder aufeinander. Von hier führt der Weg ins Pitztal und über den Fundusfeiler ins Ötztal. Weiter geht es über den Rettenbachferner und Vent zur "Ötzi"-Fundstelle am Similaun, danach weiter ins Schnalstal und von dort nach Bozen - alles in allem knapp 350 Kilometer! Ein Experiment – und ein spannendes Abenteuer! Nachzulesen in den Weblogs beider Gruppen:
Als "Ötzi" über die Alpen
Das Weblog der steinzeitlichen Alpenüberquerer
Hightech transalpin
Das Weblog der Vergleichsgruppe
Positionsbestimmung
Wandern mittels Satellitennavigation
Geocaching
Schatzsuche per GPS
Steinzeit-Stätten
Archäologische Fundstellen in den Bergen
Die Alpen waren kein Hindernis
Handel in der "Steinzeit-EU"
Flug über die Alpen
Die Route der "Ötzis" aus der Luft (Quicktime-Datei, 14.3 MB)
"Ganz gemütlich gehen"
Der Weg über die Alpen ist weit
"Ich komm' mir vor wie ein Gorilla"
Die Alpenüberquerer auf Nahrungssuche
Fleisch gegen Pfeilspitzen
Tauschgeschäfte in den Alpen
"Wie in einer Mausefalle"
Felslager 'Hoher Stein' bei Vent
"Wie man sieht, sieht man nichts"
Vergleichsgruppe unterwegs im Nebel
Vom Gewitter überrascht
Wetterkapriolen
"Wir laufen runter ins Tal"
Schneefall zwingt zur Routenänderung
"Höhepunkt unserer Wanderung"
Vergleichsgruppe an der Ötzi-Fundstelle





