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Wintersport | Skispringen Der alte Mann und das Mehr

Noriaki Kasai ist der älteste Skispringer im aktuellen Weltcup. Ein Superstar, der noch bis 50 weitermachen will. In Titisee-Neustadt tritt er zum 500. Mal an.

Der Skispringer Noriako Kasai beim Weltcup in Piojo in Finnland

Noriaki Kasai beim Weltcup in Piojo in Finnland

Als Noriaki Kasai seine Karriere als Skispringer begann, hieß Twix noch Raider, die Niederlande waren Fußball-Europameister und George Bush Sen. hatte gerade Ronald Reagan als US-Präsident abgelöst. 28 Jahre ist das nun her. Und Noriaki Kasai war damals 17 Jahre alt.

Auch sein Sport hat sich seitdem verändert: 1988 haben Skispringer noch auf den Parallelstil gesetzt. Vier Jahre später wird er Skiflugweltmeister. Drei Olympia-Medaillen, sieben WM-Medaillen und 17 Weltcup-Siege später ist Kasai der schillerndste Springer im Feld - eine Legende.

Natürlich gab es auch Rückschläge: In der Saison 2011/12 beendete er den Weltcup als 51. in der Gesamtwertung. War er zu alt? Nein. Kasai machte einfach weiter, tüftelte, probierte und kam zurück: Eine Saison später landete er auf Platz 24. Ein weiteres Jahr danach war er zurück in der Weltklasse.

Kasai lebt von seiner Technik

Sein Erfolgsgeheimnis: Es gibt keins. "No secret! Just jump!" Und das macht er immer noch herausragend. Kasai gilt als einer besten Techniker aller Zeiten: kaum Wackler, kaum Korrekturen, wie an einer Schnur gezogen. Und er haushaltet mit seinen Kräften. Trainingssprünge lässt er häufiger aus - um die Gelenke zu schonen, wie er sagt.

Kasai ist der älteste Sieger im Weltcup. Mit 42 gewann er vor zwei Jahren im finnischen Kuusamo. Sein immer gültiges Credo: "Ich möchte gewinnen". Seit 28 Jahren geht das schon so. Der Japaner ist immer noch Weltklasse, er fliegt und fliegt und fliegt. Frühestens mit 50 will Noriaki Kasai Servus sagen. Kürzlich hatte er sogar angedeutet, noch weitere vier Jahre dranzuhängen, sollte die japanische Stadt Sapporo zu Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2026 bekommen. Dann würde Kasai in seiner Heimat abtreten.

Kasai vor seinem 500. Wettbewerb

Doch erst einmal wird er in Titisee-Neustadt beim zweiten Einzelspringen am Sonntag seinen 500. Wettbewerb bestreiten.

Noriaki Kasai (JPN) / Statistik

In der Statistik sind Einzel- und Mannschafts-Wettbewerbe zusammengefasst.

All dies tut er, um dem schnöden Büro-Alltag zu entkommen. Denn Kasai ist als Skispringer bei einem japanischen Immobilien-Konzern angestellt - ein in Japan durchaus übliches Modell. Vergleichbar mit dem deutschen Modell, bei dem viele Spitzensportler für die Bundeswehr oder die Polizei arbeiten. Wenn Kasai seine sportliche Laufbahn irgendwann einmal beenden sollte, kann er dort sofort seinen Schreibtisch aufsuchen. Doch dieses Kapitel hat der Japaner in seinem Karriere-Ordner ganz weit hinten abgeheftet. Wiedervorlage: frühestens 2022.

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