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VfB Stuttgart gegen Karlsruher SC Der Quarterback und sein erstes Derby

Keinen Plan aber ein Ticket: Der US-Amerikaner Conner Sullivan erlebte beim Sieg des VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC sein erstes Derby - als Schwabe im Block der Badener.

Conner Sullivan erlebt in der Mercedes-Benz-Arena das Derby zwischen dem Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart

Der US-Quarterback Conner Sullivan erlebt sein erstes Fußball-Derby

Das Baden-Württemberg-Derby zwischen dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC hat Conner Sullivan schier umgehauen. 58.000 tanzende und schreiende Fußball-Fans. Die Stimmung wiegt hin und her. Das ist Derby! Und er mittendrin, als Stuttgarter im KSC-Block. Wenigstens seine rot-weiße Mütze mit dem Logo der Stuttgart Scorpions hatte er vorsorglich abgezogen, ein Polizist hatte ihm dazu geraten.

Warum? Das stellt er spätestens zu Beginn der zweiten Halbzeit fest: Als plötzlich Dutzende KSC-Fans blau-weiße Sturmhauben aufziehen, auf den Zaun klettern und ihre bengalischen Feuer zünden. Der Rauch verdeckt den Block der Gästefans, und aus ihm heraus fliegen brennende Raketen auf das Spielfeld. Das Spiel wird mehrfach unterbrochen. Denn Derby ist nicht nur Euphorie und Jubel, Derby ist auch Hass und Gewalt.

Das erste Derby seines Lebens

Sullivan sieht das alles zum ersten Mal. Im März ist der US-Amerikaner von Los Angeles nach Stuttgart gezogen, um als Quarterback der Scorpions den Einzug in die Playoffs um die deutsche Meisterschaft zu schaffen. Seitdem teilt der 24-Jährige seine Erlebnisse durch selbstgedrehte Videos auf seinem YouTube-Kanal - fast 28.000 Menschen wollen ihn regelmäßig begleiten.

Conner Sullivan begleitet die VfB Stuttgart Fans in der Karawane zur Mercedes-Benz-Arena

Schon in der Karawane der VfB-Fans war Conner Sullivan fasziniert von der Fankultur

Das Derby stand schon länger auf seiner "Bucketlist". In der rot-weißen Karawane läuft er zur Mercedes-Benz-Arena. Vor dem Stadion schnappt er sich das erstbeste Ticket - allerdings für den Block der Blau-Weißen. Lediglich zwanzig Euro kostet ihn der Derby-Wahnsinn. Seine Kamera wird in keinem der beiden Sektoren gerne gesehen. Auf Deutsch drohen ihm die VfB-Fans, er solle das Ding abschalten. Sullivan versteht die Worte nicht: "But I got the idea."

Auch die KSC-Ultras wollen lieber nicht gefilmt werden

Als die Fans auf den Zaun klettern, zoomt er mit seiner Kompakt-Kamera heran. Doch auch die KSC-Ultras werden nicht gerne gefilmt. Die Aufnahmen könnten die Pyromanen später bei der Polizei verraten. Doch diesmal hat er Glück. Vom anderen Ende des Blocks kann er die Vermummten in aller Ruhe aufnehmen. Auf Sullivan wirkt es, als wären die Masken und das Feuer einfach so Teil des Spiels. Dann löst sich doch noch ein Blau-Weißer aus der Menge: Doch Sullivan fühlt sich von ihm weder provoziert noch bedroht. Im Gegenteil: Stolz zeigt der Mann sein riesiges KSC-Tatoo und Sullivan bekommt zum ersten Mal erklärt, was gerade vor sich geht.

Angst und Leidenschaft im Stadion

Conner Sullivan betrachtet die Reste der KSC-Choreografie auf der Gästetribüne

Selbst die Reste der KSC-Choreografie beeindrucken den US-Amerikaner

Nach dem Abpfiff bleibt Conner Sullivan noch lange im Stadion. Im Hintergrund dudelt die VfB-Hymne über die Stadion-Lautsprecher. Die Tribüne ist fast leer. Zwischen den brennenden Resten einer VfB-Fahne und den Überbleibseln der Choreographie zieht er sein Fazit: "Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass ich bei einer Sportveranstaltung vorsichtig sein muss, wo ich hingehe, was ich sage oder wen ich ansehe." Dennoch ist er begeistert von der Atmosphäre. "Es ist cool zu sehen, wie leidenschaftlich die Menschen hier beim Fußball sind." Als einer der letzten verlässt er die Arena, nachhaltig beeindruckt von dem, was er an diesem Sonntag erlebt hat.

Grüße von Mitch Langerak


Sein Derby-Video dauert ganze 23 Minuten. Am Dienstagabend hatte der Film schon fast 140.000 Aufrufe - es werden stündlich mehr. Und schon einen Tag nach dem Spiel hatte der Erlebnisbericht so hohe Wellen geschlagen, dass VfB-Torwart Mitch Langerak ihn auf Instagram kontaktierte und ihm zu dem Video gratuliert habe.

"Ich bin so froh, die 20 Euro investiert zu haben", resümiert Sullivan. "Meine Mutter oder meine Schwester würde ich nicht zu einem solchen Spiel mitnehmen. Aber für einen Kerl, der Sport liebt, ist es einfach großartig." Auf jeden Fall weiß er jetzt, wie Derby geht - im Guten, wie im Schlechten.

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0:16 min

Mehr Info

2. Bundesliga | VfB Stuttgart gegen Karlsruher SC

"Danke, Mitch!"

Tim Baron

Conner Sullivan wurde direkt nach seinem Video auf YouTube von VfB-Keeper Mitch Langerak privat angeschrieben. Der Torwart gratulierte dem US-Quarterback zum gelungenen Video.

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