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Trainerlegende Rudi Gutendorf In 90 Jahren um die Welt

Rudi Gutendorf hat als Trainer fast alles gesehen. Auf Schalke und Hamburg folgten Tonga, Tansania, Nepal, Samoa und Fidschi. 55 Jobs auf der ganzen Welt hatte "Riegel-Rudi". Jetzt wird der Koblenzer 90 Jahre alt.

Rudi Gutendorf

"Riegel-Rudi" mischt sich auch in hohem Alter noch ins Fußballgeschehen ein

Auf seiner Reise durch die ganze Welt ist der Fußball für Rudi Gutendorf immer die Nummer 1 gewesen. "Ich habe mein ganzes Leben nichts anderes gemacht als Fußball. Das ist mein Beruf geworden, und ich liebe diesen Job", hat Gutendorf einmal gesagt. Eine standardmäßige Trainerkarriere in Deutschland wurde dem gebürtigen Koblenzer schnell zu langweilig. An diesem Dienstag wird der Weltenbummler 90 Jahre alt.

Zu Ehren Gutendorfs findet im Stadion Oberwerth in Koblenz ein E-Jugendturnier um den Rudi Gutendorf-Pokal statt, ab 18 Uhr spielt der Regionalligist TuS Koblenz ein Freundschaftsspiel gegen Fortuna Köln - auch dort war Gutenberg in den 70er Jahren als Trainer tätig.

Nach Europa eroberte der Koblenzer auch die Kontinente Amerika, Afrika, Ozeanien und Asien. Mit insgesamt 55 Trainerjobs sicherte er sich nicht nur die Anerkennung seiner Kollegen, sondern auch einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde für die meisten internationalen Trainerstationen.

Gutendorf und die Frauen

Seine zweite Leidenschaft neben dem Fußball waren die Frauen. 1968 heiratete er das Model Ute Pälzer, die 1970 auch in einer Ausgabe des Playboy zu sehen war.

Sein damaliger Spieler bei Schalke 04, Klaus Fichtel, sagte über das Glamour-Paar: "Das war schon ganz außergewöhnlich für Gelsenkirchen. Das war schon eine Augenweide, wie die beiden mit ihrem Cabrio hier den Berg hochkamen. Da haben sich die Leute schon umgedreht." Zweimal heirateten Gutendorf und Pälzer, zweimal ließen sie sich scheiden. Weltenbummler Gutendorf war zu rastlos und Kinder wollte er auch keine.

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In dem Buch "Ich bin ein bunter Hund" beschrieb er Mitte der 80er Jahre seine Stationen als Trainer, gab aber auch etliche Frauengeschichten der Öffentlichkeit preis. Seine zweite Frau, Marika, mit der Gutendorf einen gemeinsamen Sohn hat, sei über das Erscheinen des Buches "nicht gerade glücklich" gewesen, sagte er damals.

Mit dem Fußball um die Welt

"Mit dem Fußball um die Welt" nannte Gutendorf sein zweites Buch, das er im Jahr 2002 veröffentlichte - unmittelbar bevor er noch einmal die Nationalmannschaft von Samoa übernahm.

Rudi Gutendorf

1999 trainiert Rudi Gutendorf die ruandische Nationalmannschaft: hier Dehnübungen mit Janvier Janvaly

Gutendorf, den der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter einst als "Fußball-Aufbauhelfer" bezeichnete, hat auch im hohen Alter nicht seine Leidenschaft und Motivation für den Fußball verloren. Noch vor gut einem Jahr hatte er als 88-Jähriger erklärt, er könne sich eine Beratertätigkeit in der Bundesliga durchaus noch vorstellen.

Mit 85 Jahren bot er sich dem MSV Duisburg gar als Trainer in der 2. Bundesliga an - sein Angebot wurde aber abgewiesen.

Rüffel für Guardiola

Auch als Ratgeber trat der Trainer-Routinier weiter auf und nahm dabei keine Rücksicht auf dekorierte Coaches der heutigen Zeit. So rügte er den ehemaligen Bayern-Coach Pep Guardiola für dessen ständige Rotationen und bescheinigte ihm, er habe beim Champions-League-Aus gegen Real Madrid 2014 "ganz große Scheiße gebaut".

Nachdem Rechtsaußen Gutendorf als Spieler rund 90 Partien in der Oberliga absolviert hatte, wurde er als Trainer bekannt - und machte sich bei den Nationalverbänden kleiner Länder einen guten Ruf. Vor Samoa hatte der Trainer unter anderem die Nationalteams aus Bermuda, Botswana, Grenada, Nepal sowie Trinidad und Tobago betreut.

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Mit Chile war Gutendorf, früher wegen seiner Defensivtaktik "Riegel-Rudi" genannt, auf dem Weg zur WM-Qualifikation 1974 und damit dem größten Erfolg seiner Laufbahn als Coach.

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Wegen des Militärputsches in dem südamerikanischen Staat musste der Koblenzer das Land verlassen, er sprach später von "Todesangst" und bilanzierte gegenüber "11Freunde": "Zweimal in meinem Leben stand ich knapp davor, eine WM zu erreichen, aber es blieb mir immer verwehrt. In Chile wegen der Politik und in Afrika aufgrund der Raffgier."

Ehrung mit Bundesverdienstkreuz

Gutendorf meinte das Jahr 1982, als er ein Angebot hatte, Kamerun bei der Weltmeisterschaft zu betreuen. Seine Zusage wollte er per Post aus Tansania schicken, wo der Weltenbummler gerade tätig war. Doch der Postbote habe "die 72 Dollar selbst eingesteckt", wie Gutendorf im Nachhinein erzählt. So blieb die Zusammenarbeit aus.

Doch auch ohne eine WM-Teilnahme wurde der Trainer später mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt - er habe das Ansehen Deutschlands "in hervorragender Weise gefördert".

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