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Tennis | Australian Open Huber räumt Kerber Sieg-Chancen ein

Als letzte Deutsche stand Anke Huber vor genau 20 Jahren im Endspiel der Australian Open. Im Interview spricht die Badenerin über die Sieg-Chancen von Angelique Kerber gegen Serena Williams.

Anke Huber lächelt auf einer Pressekonferenz.

Vom Tennis nicht wegzudenken: Heute ist Anke Huber sportliche Leiterin des Porsche Tennis Grand Prix

Wie intensiv verfolgen Sie zurzeit die Australian Open?

Diese Woche sehr intensiv, weil ich krank im Bett liege. So viel Tennis habe ich schon lange nicht mehr geschaut.

Angelique Kerber steht am Samstag um 9.30 Uhr (Mitteleuropäische Zeit) im ersten Grand-Slam-Finale ihrer Karriere; was hat Sie bei der 28-jährigen in den Tagen von Melbourne am meisten überzeugt?

Ich denke, dass sie immer reifer wird. Vor allem bei den Grand-Slam-Turnieren hat man gesehen, dass sie vom Kopf her weiter ist, dass sie an sich glaubt. Zum Beispiel im Spiel gegen Victoria Azarenka - gegen sie hat sie zum ersten Mal gewonnen. Da hat man gesehen, dass sie an sich geglaubt hat. Sie hat viel aggressiver gespielt, als die letzten Male. Mich hat wirklich total beeindruckt, dass sie es vom Kopf durchgehalten hat, bis jetzt.

Ist sie eine komplettere Spielerin als noch vor einem Jahr?

Ja, sie ist auf jeden Fall kompletter. Sie hat an ihrem Aufschlag gearbeitet. Der ist jetzt deutlich besser, und sie spielt in den entscheidenden Momenten aggressiver. Das ist das Wichtigste.

Sie ist die erste Deutsche seit langer Zeit, die in Australien im Finale steht. Sie selbst haben 1996 gegen Monica Seles im Endspiel verloren. Welche Erinnerungen haben sie daran?

Anke Huber spielt eine Vorhand bei den French Open 1991.

Die junge Anke Huber bei den French Open 1991

Der Wahnsinn, das ist 20 Jahre her. Für mich war das ein tolles Erlebnis, im Finale, gegen Monica Seles zu spielen. Aber ich habe nicht wirklich daran geglaubt, dass ich gewinnen kann - das war vermutlich mein Fehler. Ich hätte viel mehr daran glauben müssen. Ich hoffe, dass Angie jetzt mit einer anderen Einstellung reingeht, aber da bin ich mir eigentlich sicher.

Das wäre die nächste Frage gewesen. Was würden Sie ihr gegen eine scheinbar übermächtige Serena Williams raten ?

Sie hat nichts zu verlieren, das ist das Erste. Sie kann locker drauflos spielen. Sie muss aggressiv sein. Sie muss selber versuchen, die Punkte zu machen. Sie muss das Heft in die Hand nehmen, sonst wird sie nicht gewinnen. Serena hat sehr, sehr gut gespielt in diesem Turnier, hat wenige Fehler gemacht und war dazu brutal aggressiv. Das muss Angie versuchen, auszuhebeln, wenn sie die Chance dazu hat.

Das deutsche Damen-Tennis hat sich zu Beginn des Jahres schon sehr stark präsentiert. Zu den Arrivierten kommen jetzt noch die Talente Anna-Lena Friedsam aus Neuwied und Annika Beck. Wie beurteilen sie die Situation im Deutschen Damentennis im Moment?

Es hat sich in den letzten Jahren stabilisiert. Es wechseln nur immer mal wieder die Namen. Am Anfang waren es Andrea Petkovic und Angelique Kerber, dann eine Sabine Lisicki und Julia Görges, jetzt Friedsam und Beck. Wir haben mittlerweile so viele gute Spielerinnen, dass man sagen, ein oder zwei können immer auch bei einem Grand Slam Turnier weit nach vorne kommen - auch wenn mal eine ausfällt.

Anke Huber

Anke Huber zusammen mit Steffi Graf auf WTA-Tour 1993

Eine, die ausfällt ist ein gutes Stichwort. Im Moment macht sich Tennis-Deutschland ein wenig Sorgen um die Entwicklung von Andrea Petkovic. Die hatte starke mentale und sportliche Probleme, wie sehen sie die Lage bei der einstigen Vorzeigefrau des deutschen Tennis? Sie ist in Australien in der ersten Runde ausgeschieden.

Schwer zu sagen, ich habe mit Bundestrainerin Barbara Rittner telefoniert. Sie hat gesagt, "Petkos" Gegnerin hat sehr gut gespielt. Aber Andrea sei vom Kopf her stabiler gewesen, als im vergangenen Jahr. Deshalb denke ich schon, dass sie wieder in die Spur kommt. Ich glaube nicht, dass das ein absolutes Formtief ist - sie hatte ja davor auch nicht so schlecht gespielt.

Wenn man jetzt die große Anzahl an starken deutschen Spielerinnen sieht, dann könnt ihr euch beim Porsche Grand Prix im April auf viele deutsche Zugpferde freuen. Wie wichtig sind die Damen aus dem eigenen Land denn für das Turnier?

Natürlich ist es wichtig, das wir deutsche Spielerinnen dabei haben. Die letzten Jahre hatten wir ja richtig Glück, im letzten Jahr zum Beispiel hat Angie gewonnen. Wir hatten eigentlich immer sehr viele deutsche Spielerinnen im Feld. Je mehr, desto besser natürlich.

Wir wissen aber auch, dass dieses prestigeträchtige Turnier ein ganz starkes Hauptfeld hat und es selbst für Spielerinnen um die Weltranglistenposition 30 schwer wird, sich direkt zu qualifizieren. Denken sie jetzt schon über eine Wildcard, also eine Freikarte, für, zum Beispiel Anna-Lena Friedsam und Annika Beck nach, oder warten sie ab und schauen, wie sich das bis zum April entwickelt?

Natürlich warten wir bis nach den Turnieren in Indian Wells und Miami. Aber dass im Moment Anna-Lena und Annika gute Chancen haben, eine Wildcard zu bekommen, ist auch klar. Vielleicht schafft es die eine oder andere ja auch direkt ins Hauptfeld - warum nicht?

Die Fragen stellte Andreas Köstler

 

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