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Sie tragen Minirock zu Helm und Mundschutz und wenn der Startpfiff ertönt, rasen sie auf Rollschuhen über eine ovale Bahn. Was aussieht wie wildes Gedränge und Gerempel, nennt sich Roller Derby und ist ein rasanter Vollkontaktsport auf Rollschuhen, der auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Das Besondere ist: es treten hier ausschließlich Frauen an.
Dass auch Frauen auf Extremsport stehen, ist nicht neu. Da wird es vielleicht die ein oder andere freuen zu hören, dass Roller Derby nur etwas für Frauen ist. Doch auch Männer sind davon begeistert, nicht zuletzt deshalb, weil es bei so einem "Bout" (so heisst ein Spiel) auch hart zur Sache geht.
In zwei Halbzeiten zu je 30 Minuten versuchen zwei Teams möglichst schnell, möglichst viele Punkte zu erzielen. Jedes Team schickt eine Jammerin (die Punktemacherin) und vier Blocker auf die Bahn. Die Jammerin muss versuchen sich ihren Weg durch das "Pack" (bestehend aus den Blockern) zu bahnen, wobei die Aufgabe der Blocker darin besteht es ihrer eigenen Jammerin so einfach wie möglich zu machen und es der gegnerischen Jammerin hingegen schwer zu machen, sie zu „blocken“. Für jede überrundetet Gegnerin gibt es einen Punkt. Bodychecks, Stürze und Kollisionen sind hierbei die Highlights.
Bereits 1935 veranstaltete der Sportpromoter Leo A. Seltzer das erste Roller Derby Rennen in Chicago. Was als "simples" Ausdauer-Rennen über eine Distanz von 3.000 Meilen begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem offensiven Spiel, bei dem die "Rempelein" und Rivalitäten der Skater das Aufregendste waren. Anfang der 1980er Jahre verschwand das Interesse und damit auch der kommerzielle Erfolg.
Erst im Jahr 2001 erwachte Roller Derby in den USA zu neuem Leben, wenn auch in leicht veränderter Form. Zwar haben die neuen Mannschaften die alten Strukturen des Spiels behalten, doch gibt es zwei entscheidende Unterschiede: die Teams setzen sich nun ausschließlich aus Frauen zusammen und im Gegensatz zu den früheren Derbys, die teilweise inszeniert waren, ist beim Roller Derby heute alles echt.
Seit der Neugründung ist die Zahl der Ligen weltweit explosionsartig auf circa 200 angewachsen, Tendenz steigend. 2004 schloss sich die Mehrheit der amerikanischen Ligen zusammen und gründete gemeinsam einen Dachverband, die WFTDA (Women’s Flat Track Derby Association). Die WFTDA koordiniert und legt die Regeln fest, nach denen die Wettkämpfe ihrer knapp 80 Mitgliedsligen abgehalten werden.
Zwar sind die Amerikanerinnen wegweisend, doch auch in Europa gibt es seit 2006 zahlreiche Vereinsgründungen. Allen voran gelten die London Rollergirls und die Stuttgart Valley Rollergirlz als Pioniere in Europa. In Großbritannien existieren mittlerweile weit über 20 Teams, die regelmäßig gegeneinander antreten. Geeignete Hallen stehen ihnen in ausreichender Zahl zur Verfügung - im Gegensatz zu ihren deutschen Mitstreiterinnen. Denn hierzulande gilt in den meisten deutschen Städten ein Rollsport-Verbot in öffentlichen Hallen.
Die deutschen Rollergirls lassen sich von Verboten jedoch nicht beeindrucken. "Wir mussten halt auf die wenigen privaten Hallen zugehen und Sponsoren finden, um eine zu finanzieren. Das hat auch Mädels in anderen Städten Mut gemacht nicht gleich aufzugeben", sagt Angelika Karaman, Vorstandsmitglied des Stuttgarter Vereins. Die Rollergirlz aus der schwäbischen Metropole, die ihren e. V. im April 2006 gegründet hatten, veranstalteten bereits 2007 in Stuttgart den ersten Roller Derby "Bout" Europas. Deutschlandweit folgten weitere Vereinsgründungen in Ludwigsburg, Berlin, Hamburg, Bremen, Köln und Essen.
Autorin: Marta Popowska
Letzte Änderung am: 22.02.2010, 16.22 Uhr