Comeback der Profiboxerin Rola El-Halabi

Der Kampf ihres Lebens

Autoren: Jens Fischer und Peter Mühlfeit

Es ist schon jetzt das "Comeback des Jahres": Knapp zwei Jahre nachdem sie von ihrem Stiefvater mehrfach angeschossen wurde, ist die Ulmer Profiboxerin Rola El-Halabi wieder in den Ring gestiegen.

Rola El-Halabi (r.) und Lucia Morelli

Lucia Morelli (li.) und Rola El-Halabi.

Die 27-jährige Rola El-Halabi musste in Neu-Ulm am 12. Januar gleich zwei Kämpfe bestreiten: Zum einen gegen die Deutsch-Italienerin Lucia Morelli, zum anderen gegen ihre Erinnerungen, die sie bereits in der Umkleidekabine heimsuchen werden. "Davor habe ich sehr großen Respekt", sagt sie im SWR-Interview. "Ich weiß, dass dieser Kampf schwerer wird, als der im Boxring. Die Momente in der Kabine werden emotional unheimlich schwierig."

Gegen Morelli hat sie verloren, doch den wichtigeren Kampf gewann sie. Denn am 1. April 2011 wurde sie unmittelbar vor einem Titelkampf in Berlin von ihrem Stiefvater Hicham El-Halabi angeschossen. Er trifft die damalige Weltmeisterin gezielt in die rechte Schlaghand, ins linke Knie und in beide Füße. "Ich brauche nur meine zwölf Narben am Körper anzuschauen und weiß, wo, wie, was passiert ist, und ich bin wieder in dieser Situation", sagt sie.

Hintergrund der Tat war offenbar ihre Liebe zu einem verheirateten Mann griechischer Herkunft. Es kommt zum Bruch mit dem Stiefvater, von dem sie sich in seiner Funktion als Manager im Januar 2011 getrennt hatte.

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Das Comeback des Jahres

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Zwölf Narben an ihrem Körper erinnern die Profiboxerin Rola El-Halabi an die Schicksalsnacht vom 1. April 2011: "Ich muss nur in den Spiegel schauen und weiß, was, wo, wie passiert ist." Sie wird von vier Schüssen getroffen: In der Hand, im Knie und in beiden Füßen.

Zwölf Narben an ihrem Körper erinnern die Profiboxerin Rola El-Halabi an die Schicksalsnacht vom 1. April 2011: "Ich muss nur in den Spiegel schauen und weiß, was, wo, wie passiert ist." Sie wird von vier Schüssen getroffen: In der Hand, im Knie und in beiden Füßen.

Der Täter ist ihr Stiefvater und ehemaliger Manager Hicham "Roy" El-Halabi. Er will sie nicht töten, sondern verstümmeln. Die Liebe seiner Stieftochter zu einem verheirateten Griechen ist zu viel für ihn. Vor dem Berliner Landgericht (Foto) wird er zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Mit acht Jahren hatte sie ihr Stiefvater schon zum Boxen gebracht - in einem Gewerbegebiet von Neu-Ulm. Rola El-Halabi war 1986 im Alter von einem Jahr mit der Familie aus dem Bürgerkriegsland Libanon nach Deutschland gekommen.

Sie sammelte bald Titel: Als Amateurin wurde sie Vizeweltmeisterin im Kickboxen und mehrfache deutsche Boxmeisterin. 2006 wechselte sie ins Profilager, wurde im folgenden Jahr Europameisterin. 2009 holte sie sich in Neu-Ulm mit einem Sieg gegen die Spanierin Loly Munoz gleich die Weltmeistergürtel von zwei Verbänden.

Als Boxerin berühmt und wohlhabend zu werden, ist dennoch schwierig: Regina Halmich aus Karlsruhe ist die große Ausnahme.

Erst die Schüsse ihres Stiefvaters haben Rola El-Halabi einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht und für reges Medieninteresse gesorgt: "Ich finde es schade, dass ich wegen so einer Sache im Rampenlicht stehe. Ich möchte wegen meiner sportlichen Leistung und wegen meines Könnens im Rampenlicht sein."

Von Alpträumen geplagt

Boxerin Rola El-Halabi vor dem Münster

Comeback in der Heimat: Rola El-Halabi.

Rola El-Halabi sagt, sie wird nie vergessen können. Noch immer wacht sie von Alpträumen geplagt auf und gesteht, "dass ich sehr, sehr schreckhaft geworden bin". Aber sie will nach vorne schauen: "Ich habe gelernt, dass es gute und schlechte Erinnerungen in meinem Leben gibt, aber dass die schlechten nicht in der Gegenwart sein müssen."

So hat die Leichtgewichts-Boxerin (bis 61,23 Kilogramm) nie an einem Comeback gezweifelt: "Boxen ist mein Leben und dieser eine Moment oben im Boxring nach dem Kampf - das ist der einzige Moment, in dem ich wunschlos glücklich bin."

Stand: 14.01.2013, 08.09 Uhr