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Ringen | Positive Dopingproben Schockzustand beim ASV Nendingen

Zwei Athleten des deutschen Mannschaftsmeisters im Ringen unter Doping-Verdacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt - jedoch nicht wegen gewerbsmäßigen Handels.

Der ASV Nendingen posiert fürs Meisterfoto

Der ASV Nendingen wurde am 30. Januar Deutscher Mannschaftsmeister im Ringen

Der Jubel nach dem knappen Finalsieg gegen Weingarten war riesig beim ASV Nendingen. Nun droht dem Verein der Verlust des Mannschaftsmeistertitels im Ringen. Denn: Wie der Deutsche Ringer-Bund (DRB) mitteilte, wurden zwei osteuropäische Athleten des ASV Nendingen am 23. Januar positiv auf Doping getestet. Dabei soll es sich um den Wirkstoff Meldonium handeln, ein Herzmedikament, das erst seit dem 1. Januar 2016 als Dopingmittel eingestuft wird.

Daniel Wozniak, Vizepräsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), sagte, ging nach der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft zunächstdavon aus, dass ein Anfangsverdacht auf gewerbsmäßigen Handel bestünde. Die Staatsanwaltschaft stellte am Donnerstag allerdings noch einmal klar, dass es in ihrem Ermittlungsverfahren ausschließlich um die Verwendung verbotener Substanzen gehe: "Der gewerbsmäßige Handel ist nicht Gegenstand der Ermittlungen."

Der ASV Nendingen befindet sich im Schockzustand. "Wir haben damit nie gerechnet. Wir sind seit acht Jahren in der ersten Bundesliga, haben schon viele Dopingproben erlebt. Und dass jetzt dieser positive Befund bekannt gegeben wurde hat uns schwer getroffen",  so Fritz Reichle, Pressesprecher des ASV.

Stäbler fassungslos

Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, der in der Bundesliga für den ASV Nendingen kämpft, hat im Trainingslager in Dänemark von den Entwicklungen erfahren: "Man muss abwarten, was die weiteren Untersuchungen ergeben. Insgesamt ist das extrem bitter für unseren Sport und ich bin einfach zutiefst schockiert", sagte Stäbler.

Der Skandal betrifft nicht nur die Sportler. "Wenn man bedenkt wie viele ehrenamtliche Helfer bei jedem Kampf dabei sind und sich engagieren. Und wie viele Anhänger sich freuen und jubeln über diesen dritten Titel, den wir so sehr ersehnt haben. Und jetzt kommt die Nachricht, dass sich das alles wahrscheinlich in Luft auflöst. Das ist ein Schock. Ganz einfach", sagte ASV-Sprecher Reichle.

Räumlichkeiten durchsucht

Die Staatsanwaltschaft Freiburg führt derzeit ein Ermittlungsverfahren gegen Athleten und Verantwortliche des ASV Nendingen. Die Ermittlungen gehen auf Hinweise der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) zurück. Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) erstattete erstmals auf Grundlage des neuen Anti-Doping-Gesetzes Anzeige. Daher nahm auch die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Freiburg mehrere Durchsuchungsbeschlüsse, die am 15. und 18. Februar durch Beamte des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg vollzogen wurden. Die Ermittler durchsuchten mehrere Wohnungen sowie die Vereinsräume, wobei Medikamente und Unterlagen sichergestellt worden seien. "Die Hinweise der NADA waren so konkret, dass sie uns veranlasst haben, die Durchsuchungen durchzuführen. Der Anfangsverdacht war nicht vage, sondern sehr konkret", sagte Oberstaatsanwalt Michael Mächtel.

B-Probe soll endgültige Klärung bringen

Da bislang nur die A-Probe geöffnet wurde, werden die Namen der beiden verdächtigten Ringer nicht genannt. ASV-Sprecher Fritz Reichle: "Die zwei haben jetzt bis zum 9. März die Öffnung der B-Probe zu beantragen. Ob sie das machen, weiß ich nicht. Ich würde nicht dazu raten." Falls die beiden Ringer aus Osteuropa auf die Öffnung der B-Probe verzichten sollten, könnte dies als Schuldeingeständnis verstanden werden.

Nendingen hatte im Finale den SV 04 Germania Weingarten beim 19:19 nur dank der mehr errungenen Einzelsiege (11:9) bezwungen. Sollte es durch mögliche Sanktionen gegen die beiden ASV-Ringer nun zu Ergebnisveränderungen kommen, könnte Nendingen den Titel wieder verlieren.

Keine Euphorie bei Germania Weingarten

Frank Heinzelbecker, Trainer des SV 04 Germania Weingarten, ist über den möglichen Sieg am grünen Tisch alles andere als glücklich. Sekt wurde noch keiner getrunken. "Ob wir den überhaupt aufmachen ist die Frage. Weil ja insgesamt das Thema negativ behaftet ist. Und den Moment, den wir bei einem Finalsieg in Weingarten in unserem Event-Zelt gehabt hätten, der ist natürlich weg. Den können wir nicht zurückholen", sagte Heinzelbecker.

Fest steht: Der Imageschaden für das Ringen ist groß. Die Konsequenzen für die beiden Ringer und den ASV Nendingen sind noch nicht abzusehen.

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