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Ringen | Doping beim ASV Nendingen Ist das Anti-Doping-Gesetz verfassungswidrig?

Der Nendinger Doping-Fall könnte einen Verfassungsstreit auslösen. Der Anwalt des Vereins geht davon aus, dass das neue Anti-Doping-Gesetz gegen die Verfassung verstößt und will Beschwerde einreichen.

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Der ASV Nendingen will Verfassungsklage wegen des Anti-Doping-Gesetzes einreichen

Der Rechtsanwalt des ASV Nendingen, Manfred Zipper, beklagt in dem Fall eine Vermengung zwischen Sportrecht und Strafrecht. Das Problem: Im Sportrecht gilt die Dopingprobe als sogenannter Anscheinsbeweis. Der mutmaßliche Dopingsünder muss demnach beweisen, dass er unschuldig ist. Das setzt voraus, dass sich der Sportler zu den Vorwürfen äußert. Im Strafrecht dagegen gilt der Verdächtige bis zu einem rechtskräftigen Urteil als unschuldig. Außerdem hat er das Recht, die Aussage zu verweigern.

Ein Widerspruch für Anwalt Zipper: Denn das neue Anti-Doping-Gesetz zieht Aussagen aus den Ermittlungen des Sports hinzu, obwohl es eigentlich das Aussageverweigerungsrecht gibt. "Meine persönliche Meinung, die auch viele Strafverteidiger teilen, ist die, dass das Anti-Doping-Gesetz gegen die Verfassung verstößt", sagte Zipper dem SWR. Im Laufe der nächste Woche will der Rechtsanwalt Verfassungsbeschwerde einlegen.

Doping-Tests positiv

Zwei Ringer des ASV Nendingen waren zuvor positiv auf Meldonium getestet worden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte Meldonium erst Anfang des Jahres auf ihre Liste verbotener Substanzen gesetzt. Auch bei der russischen Tennisspielerin Maria Scharapowa konnte das Mittel nachgewiesen werden. Erst am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft Freiburg die Ermittlungen gegen weitere Sportler des ASV ausgeweitet.

"Armada von Ermittlern"

Frank Zipper, Anwalt des ASV Nendingen will Verfassungsbeschwerde wegen des Anti-Doping-Gesetzes einlegen

Frank Zipper, Anwalt des ASV Nendingen

Rechtsanwalt Zipper kritisierte außerdem die Ermittlungsmethoden der Staatsanwaltschaft Freiburg. Er empfinde das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Freiburg als Hatz, der jegliches Maß fehle. "Wir gehen davon aus, dass die Staatsanwaltschaft sich Meriten verdienen möchte und sich hier einen Namen machen möchte, als die Staatsanwaltschaft, die den ersten Fall im Rahmen des Anti-Doping-Gesetzes der Bundesrepublik Deutschland bearbeitet", sagte Zipper.

Manfred Zipper ist Inhaber einer Anwaltskanzlei in Schwetzingen und war in seiner Jugend Ringer beim AV Reilingen. Er ist Teil des Rechtsausschusses des Nordbadischen Ringerverbands (NBRV) und sitzt in der "Ethical and Legal-Commission" des Internationalen Ringerverbands (FILA).

Wenn bei unbescholtenen Bürgern Hausdurchsuchungen nur wegen eines Dopingverdachts vorgenommen würden, werde in ungerechtfertigter Art und Weise in das Privatleben der Betroffenen eingegriffen, so der Rechtsanwalt.

Fakt sei, ergänzte Zipper, dass zwei Athleten des ASV positiv getestet worden seien. "Was daraus entstanden ist, erscheint uferlos. Da wurde etwa mit einer ganzen Armada von Ermittlern in Wohnungen von unbeteiligten Betreuern einmarschiert." Es gebe in der ihm vorliegenden kompletten Ermittlungsakte aber keinen einzigen Beweis für ein Fehlverhalten eines weiteren Sportlers oder Funktionärs, so der Anwalt. Manfred Zipper war in seiner Jugend selbst Ringer beim AV Reilingen.

Staatsanwaltschaft sieht Vorwürfe gelassen

Oberstaatsanwalt Michael Mächtel widersprach Zippers Darstellung: "Wir prüfen unsererseits, ob die Maßnahmen verhältnismäßig sind. Und wir sind zu dem Ergebnis gekommen: sie sind verhältnismäßig." Das Gericht habe ebenfalls bestätigt, dass die Maßnahmen verhältnismäßig seien.


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