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Paralympisches High-Tech | Triathlon Stefan Lösler: Prothese, wechsel dich!

Die Triathleten brauchen für jede Sportart die richtige Prothese. Unter ihnen: Der Kirchheimer Stefan Lösler. Wie sich die Prothesen unterscheiden, erklärt er im Interview mit Tobias Altehenger.

Der Triathlet Stefan Lösler auf dem Rennrad

Volle Fahrt voraus: Stefan Lösler auf dem Rennrad

SWR.de: Sie hatten vor sechs Jahren einen schweren Autounfall, bei dem ihr linkes Bein am Knie amputiert wurde. Wie sind Sie nach Ihrem schweren Unfall zum Triathlon gekommen?

Stefan Lösler: Ich habe schon vor dem Unfall hobbymäßig Triathlon gemacht. Als ich dann nach dem Unfall recherchiert habe, habe ich festgestellt, dass es auch da regelmäßig Rennen gibt. Ich hab mich dann bei einem Wettbewerb in Kitzbühel angemeldet, ohne zu wissen, dass das ein Wettkampfrennen war (lacht). Ich bin außer Konkurrenz gestartet und direkt Dritter geworden, da hab ich mich dann wieder mit dem Triathlon-Virus infiziert. Dass Triathlon als Disziplin jetzt zum ersten Mal paralympisch wird, war natürlich ein glücklicher Zufall.

Sie schwimmen, fahren Rad und laufen: Haben Sie für jede Sportart eine eigene Prothese?

Geschwommen wird im Triathlon grundsätzlich ohne Prothese. Nach dem Schwimmen geht es dann aber in die sogenannte Wechselzone, wo ich mir die Prothese fürs Radfahren anlege. Und dann gibt’s die Laufprothese, die die meisten vermutlich von den Leichtathleten kennen. Mit der Carbonfeder und einem speziellen Kniegelenk.

Wie lange hat es nach Ihrem Unfall gedauert, bis sie mit dieser Laufprothese wirklich gut laufen konnten?

Ich habe bei null begonnen. Das Laufen mit einer Prothese ist komplett anders als das Laufen, das man mit zwei Beinen kennt. Am Anfang habe ich auf der Laufbahn eine halbe Runde geschafft, ein paar Wochen später dann eine ganze Runde. Ich habe mich auch ein paar Mal ziemlich hingelegt, weil es eine Weile dauert, bis man den Umgang mit der Prothese beherrscht. Mit der Carbonfeder läuft man auch anders als mit der Alltagsprothese, weil man da nur auf dem Vorderfuß steht.

Sind Ihre Prothesen für Sie in erster Linie Sportgeräte oder ist die Bedeutung da schon eine andere?

Für mich sind das Sportgeräte, weil die Prothesen im Alltag auch nicht zu gebrauchen sind. So wie jemand anders sich zum Laufen seine Joggingschuhe anzieht, ziehe ich meine Prothese an.

Am 7. September beginnen in Rio die Paralympics. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Bei der letzten WM in Rotterdam habe ich mit dem 4. Platz mein bisher bestes Ergebnis erreicht, in Rio hoffe ich auf eine Platzierung unter den besten Fünf. Rein rechnerisch wäre das sehr gut für mich. Aber im Triathlon kann jede Menge passieren: Wenn alles perfekt läuft, dann klappt’s vielleicht auch mit einer Medaille.

Der Triathlet Stefan Lösler

Stefan Lösler

Allrounder aus Kirchheim
Nach einem schweren Autounfall vor sechs Jahren musste das linke Bein von Stefan Lösler am Knie amputiert werden. Seitdem ist der 31-Jährige sportlicher Allrounder: In Rio startet er im Triathlon, im Winter 2014 war er dagegen mit dem Snowboard angetreten.

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2:30 min

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Stefan Lösler mit Prothese auf dem Snowboard

Benjamin Wüst

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