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Paralympics | Rollstuhlbasketball Annabel Breuer: "Wie eine zweite Haut"

In Aluminium zu erneutem Gold? Basketballerin Annabel Breuer will bei den Paralympics in Rio de Janeiro in ihrem Sportrollstuhl wieder eine Medaille holen.

Mit einer Hand am Ball und der anderen am Rad: Annabel Breuer aus Tübingen im Länderspiel gegen Italien

Mit einer Hand am Ball und der anderen am Rad: Annabel Breuer aus Tübingen

Wie wichtig dabei ihr maßgeschneidertes Sportgerät ist, verrät die Tübingerin im Interview mit Michael Herr.

SWR.de: Bei den Paralympics in London haben Sie mit der deutschen Nationalmannschaft der Rollstuhlbasketballerinnen die Goldmedaille gewonnen. Wie steht es um das Projekt Titelverteidigung in Rio?
Annabel Breuer: "Eine Medaille ist für uns definitiv das Ziel, am liebsten natürlich die goldene. Das wird allerdings nicht einfach, weil in den letzten Jahren die Weltspitze stark zusammengerückt ist. Wenn die Tagesform stimmt, ist eine Medaille aber auf jeden Fall drin."

Damit das klappt, muss auch bei der Ausrüstung alles passen – bei Ihnen natürlich vor allen Dingen beim Sportrollstuhl. Haben Sie den vor den Spielen noch einmal auf Vordermann gebracht?
"Für die Spiele wird immer nochmal überprüft, ob alle Räder gut laufen, weil sich dort oft Haare und Dreck verfangen. Die Reifen werden davor auch immer nochmal aufgepumpt. Die große Arbeit fällt aber immer dann an, wenn ich einen neuen Rollstuhl bekomme. Das war bei uns in der Nationalmannschaft zum letzten Mal vor zwei Jahren der Fall. Der Sportrollstuhl muss dann ganz individuell auf mich angepasst werden. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Am Ende muss der Rollstuhl zu mir passen wie eine zweite Haut."

Was wird da genau gemacht?
"Man wird von Kopf bis Fuß vermessen, besonders wichtig ist dabei die Beinlänge. Diesem Wert entsprechend werden nämlich die Räder ausgerichtet. Daneben muss auch die Rückenlehne zum Sportler passen. Ist sie zu hoch, stört sie, ist sie zu niedrig, fehlt im Spiel die Stabilität. Die Sitzposition hängt stark von der Art der Behinderung ab. Sportler wie ich, die eine höhere Querschnittslähmung haben, also nur wenige Bauch- und Rückenmuskeln haben, sitzen normalerweise etwas tiefer. Dadurch sitzen wir stabiler. Da muss man jede Menge rumprobieren."

Annabel Breuer und ihr Sportrollstuhl

Annabel Breuer und ihr Sportrollstuhl

Klingt nach jeder Menge Arbeit...
"Das kann tatsächlich zwei Wochen in Anspruch nehmen, bis alles richtig eingestellt ist. Am Anfang fühlt sich ein neuer Rollstuhl oft komplett fremd an. Daher mag ich es auch nicht besonders, wenn ich einen neuen Sportrollstuhl bekomme. Wenn es einmal passt, passt es. Da will ich eigentlich keine große Veränderung."

Was kann Ihr Basketballrollstuhl, was ein Straßenrollstuhl nicht kann?
"Die Räder sind stärker geneigt, das gibt mir mehr Wendigkeit und Stabilität. Zudem habe ich vor den Füßen eine Stoßstange, die dafür sorgt, dass die Füße beim Zusammenstoß mit der Gegnerin geschützt sind. Außerdem habe ich Gurte über den Beinen und am Bauch. Die sorgen dafür, dass ich nicht aus dem Sitz herausgeschleudert werde, wenn der Rollstuhl während des Spiels umfällt. Und dann hat der Rollstuhl noch zwei Stützräder. Mit denen kann ich mich auch einmal zurücklehnen, wenn ich von ganz hinten werfen will, ohne gleich umzufallen."     

Haben Sie eine besondere Beziehung zu Ihrem Sportrollstuhl oder ist er für Sie einfach ein Gebrauchsgegenstand?
"Er ist für mich ein normales Sportgerät, das man pflegen muss und das auch einmal kaputtgehen kann. Er ist für mich schon wichtig, aber eben nur als ein bedeutender Gebrauchsgegenstand. Viel wichtiger ist für mich mein Alltagsrollstuhl. Den benutze ich einfach viel häufiger."

Annabell Breuer

Annabel Breuer

Medaillensammlerin aus Tübingen
Weltmeisterin im Fechten, Goldmedaillengewinnern im Rollstuhlbasketball: Annabel Breuer ist ein Multitalent im deutschen Behindertensport. Die gebürtige Tübingerin spielt für den RSV-Lahn Dill in der Bundesliga der Rollstuhlbasketballerinnen. Sie studiert in Gießen Sportwissenschaft.

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