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Paralympics | Ausnahmesportler Markus Rehm "Für mich ist das Buch noch nicht geschlossen"

Eigentlich wollte er bei den Olympischen Spielen starten, doch der Weltverband sagte Nein. Jetzt kämpft der Göppinger Weltrekordler Markus Rehm bei den Paralympics um Gold.

Markus Rehm bei Weitsprung

Markus Rehm ist bei den Paralympics in Rio Topfavorit auf Gold

Der 1988 in Göppinger geborene Sportler verlor mit 14 Jahren seinen rechten Unterschenkel. Der begeisterte Wakeboarder wurde von einem Boot überfahren und geriet in dessen Schiffsschraube. Trotz mehrstündiger Operation musste das Bein, infolge einer Blutvergiftung, unterhalb des Knies abgenommen werden. Nach langer Reha und mehreren Rückschlägen wurde Rehm mit wasserfester Prothese 2005 Vize-Weltmeister im Wakeboarden.

Danach widmete sich der Schwabe vermehrt der Leichtathletik und startete eine erfolgreiche zweite Karriere als Sportler. Im Weitsprung hat er inzwischen so gut wie keine Konkurrenz mehr. Er ist Dauer-Europameister, Dauer-Weltmeister, Paralympics-Sieger und hält mit 8,40 Meter den Weltrekord im Behindertensport - und er wird am Mittwoch die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier tragen.

Medaillen sind das Ziel

Auch im Sprint ist der 28-Jährige überaus erfolgreich. In Rio startet er mit der 100-Meter-Staffel, die bei den Paralympics in London 2012 Bronze gewann und aktueller Weltmeister ist. In beiden Wettkämpfen hat Rehm realistische Chancen auf eine Goldmedaille.


Neben den Medaillen ist es Rehm aber auch wichtig, Werbung für den Behindertensport zu machen und Menschen mit Handicap zu motivieren. "Ich will auch den Menschen in Brasilien zeigen, was man mit einem Handicap noch machen kann."

In den letzten Monaten und Jahren kämpfte Rehm für mehr Inklusion im Sport. Ihm selbst blieb eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio jedoch verwehrt. Obwohl Rehm die Norm für Nichtbehinderte Sportler mehrfach erfüllte, waren seine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt.


Keine Starterlaubnis für die Olympischen Spiele

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF untersagte Rehm im Frühsommer die Teilnahme, da nicht geklärt werden konnte, ob Rehm mit seiner Prothese einen Vorteil im Wettkampf hat.

Eine wissenschaftliche Studie stellte fest, dass Rehm mit seiner Carbon-Prothese im Anlauf einen Nachteil gegenüber nichtbehinderten Sportlern hat. Im Absprung wirkt sich das künstliche Bein laut Testergebnis jedoch vorteilhaft auf die Leistung des Weitspringers aus. Ob Vorteil und Nachteil gegeneinander aufgerechnet werden können, wurde nicht abschließend geklärt. Deshalb erteilte die IAAF Rehm keine Starterlaubnis.

Rehm will aber nicht aufgeben und hofft weiter, dass es irgendwann gemeinsame Wettkämpfe zwischen behinderten und nichtbehinderten Athleten geben wird - vielleicht schon bei den Weltmeisterschaften 2017 in London. "Ich werde weiter dafür kämpfen, dass unser Sport die Anerkennung bekommt, die er verdient hat."


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