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Olympische Spiele Rio 2016 | Zika-Virus Obergföll: "Keiner lässt deshalb Olympia sausen"

Die Ausbreitung des Zika-Virus in Südamerika beschäftigt auch viele Spitzensportler. Sechs Monate vor den Olympischen Spiele in Rio haben wir mit Speerwerferin Christina Obergföll gesprochen.

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2:07 min | Do, 4.2.2016 | 19:30 Uhr | Landesschau aktuell Baden-Württemberg | SWR Fernsehen BW

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Zika-Virus und Olympische Spiele

Brasilien warnt Sportlerinnen

Im Sommer ist Olympia und Gastgeber Brasilien rät Frauen, die schwanger sind oder es werden wollen, dringend von der Reise ab. Aber was ist mit den weiblichen Athleten, wie Speerwerferin Christina Obergföll aus Offenburg?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm, Brasilien rät Schwangeren von einem Olympia-Besuch ab. Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll (LG Offenburg) hat sich mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro auch einige Gedanken zu dem gefährlichen Virus gemacht. Die 35-Jährige findet es "echt krass", will aber auf jeden Fall an den Spielen teilnehmen.

Christina Obergföll

Top-Athletin und Mutter: Christina Obergföll

Ihr Sohn Marlon ist jetzt gut eineinhalb Jahre alt. Was geht Ihnen als junge Mutter durch den Kopf, wenn Sie von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen durch das Zika-Virus hören?

Obergföll: Das ist echt schlimm. Ich habe auch mit meinem Mann Boris darüber gesprochen. Man hat sich eine Zeit lang sagen lassen, dass es für Frauen in den ersten zwei, drei Monaten einen Hormonschub bedeutet, wenn man schwanger ist. Und jetzt überlege ich mir: Man fährt da runter, ist schwanger und denkt sich 'cool, ich habe noch mal drei Prozent mehr Energie' - und hinterher bekommt man ein behindertes Kind. Das ist echt krass. Oder ein anderer Fall. Ich habe es selbst schon mitbekommen, dass Athletinnen erst einige Wochen nach den Olympischen Spielen mitbekommen haben, dass sie während der Veranstaltung schon schwanger waren.

In den USA ist jetzt ein erster Fall bekannt geworden, in dem das Zika-Virus durch einen sexuellen Kontakt übertragen worden ist. Auch das könnte in Rio ein Thema sein.

Obergföll: Klar. Das Thema Geschlechtsverkehr steht natürlich im Olympischen Dorf bei den Athleten ganz weit vorne. In Peking und London gab's im Olympischen Dorf große Kondomschüsseln, aus denen man sich bedienen konnte. Kondome sind der gefragteste Artikel bei den Spielen.

Würden Sie die Olympischen Spiele aus Angst vor diesem Virus sausen lassen?

Christina Obergföll

Mit Sohn Marlon macht Christina Obergföll das Training gleich ein bisschen mehr Spaß

Obergföll: Ich bin mir sicher, es wird kein Sportler seine Teilnahme an den Spielen aus Angst absagen. Und die Olympischen Spiele selbst werden auch nicht abgesagt deswegen. Aber man muss das sehr ernst nehmen. Die WHO hat den Notstand jetzt ja erst zum vierten Mal überhaupt ausgerufen. Also scheint das nicht ganz unbedenklich zu sein. Und wer weiß, ob nicht noch mehr ans Tageslicht kommt, wenn noch intensiver recherchiert wird. Vielleicht hat das Virus ja noch ganz andere Auswirkungen.

Von wem werden Sie als Athletin über die aktuelle Lage informiert?

Obergföll: Ich bin sicher, dass wir vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) informiert werden. Da verlasse ich mich drauf. Ich erwarte, dass wir über jegliche Vorsichtsmaßnahmen in Kenntnis gesetzt werden. Außerdem wird jeder Sportler jetzt selbst genau hinschauen und sich informieren. So geht es mir zumindest. Das ist ja nicht nur eine Grippe, sondern kann krasse Folgen haben.

Sie werden nach den Olympischen Spielen in Rio Ihre sportliche Karriere beenden. Was passiert dann? Bekommt Marlon ein Geschwisterchen?

Obergföll: Stimmt, wir möchten nach Olympia noch ein zweites Kind. Das ist unser Plan. Ich würde aber erst einmal, wenn ich aus Rio wieder zurück bin, sicherstellen, dass ich den Erreger nicht in mir trage, damit auf keinen Fall eine Gefahr für das Kind besteht.

Die Fragen stellte Johannes Seemüller.

Zur Person
Die 35-jährige Christina Obergföll feierte ihren größten sportlichen Erfolg 2013 bei der Leichtathletik-WM in Moskau. Mit 69,05 m gewann Obergföll Gold im Speerwerfen. Zuvor hatte sie zwei Mal WM-Silber gewonnen. Eine eifrige Medaillensammlerin war sie auch bei Olympischen Spielen: Nach Bronze 2008 in Peking und Silber 2012 in London will die Südbadenerin in Rio ihren Gold-Traum erfüllen. Obergföll ist mit dem ehem. Weltklasse-Speerwerfer Boris Obergföll (geb. Henry) verheiratet. Das Ehepaar lebt in Mahlberg bei Offenburg und hat einen kleinen Sohn (Marlon).

Das sagen andere Spitzensportler zum Zika-Virus

Britta Büthe, Beachvolleyballerin (Stuttgart): Ich denke, dass das Zika-Virus ein ernstzunehmendes Thema ist, bei dem aber noch viele Dinge unklar sind. Ich hoffe, dass es den Forschern gelingt, schnell Licht ins Dunkel zu bringen, was die Zusammenhänge und auch mögliche Therapiemöglichkeiten angeht. Wir sind ab dem 19. Februar in Brasilien für viereinhalb Wochen, dort finden die ersten Turniere unserer Weltserie statt. Bis dahin sammeln wir weiter verlässliche Informationen, um uns bestmöglich zu schützen. Eine Absage der Reise kommt momentan für uns nicht in Frage.

Frank Stäbler, Weltmeister Ringen (Musberg): "Noch ist ja etwas Zeit bis August. Uns bleibt nur zu hoffen, dass sich die Situation bis zu den Spielen entspannt hat. Außerdem werden sicherlich auch von unserem Team alle präventiven Möglichkeiten ausgeschöpft. Mich beunruhigt das jedenfalls nicht."

Elisabeth Seitz, Deutschlands beste Turnerin (Stuttgart): "Sicherlich hört man genau hin, was da derzeit passiert. Für uns zählt derzeit aber in erster Linie die Qualifikation im April – da fliegen wir ja schon nach Rio. Von daher ist für uns das Problem 'näher' als für andere. Ich hoffe natürlich, dass für unseren Schutz alles erdenkliche getan wird."

Luis Brethauer, BMX-Racer (Betzingen): "Die Meldungen sind schon dramatisch. In unserem Focus für Rio stört uns das aber nicht – und es würde uns sicherlich auch nicht von einer Teilnahme bei den Spielen abschrecken. Was generell schwer zu beurteilen ist: Wird von Medien mal wieder ein Thema einfach auch nur extrem hochgepuscht oder ist es tatsächlich so dramatisch? In den letzten Monaten musste man sich bei verschiedenen Angelegenheiten fragen, warum das jetzt auf allen Kanälen so überzeichnet dargestellt wird. Wir neigen derzeit wohl eher zu mega Hypes - im Positiven wie im Negativen."

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