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Olympia | Hintergrund Der wahre Medaillen-Spiegel

Bei Olympia werden Medaillen gezählt. Das Land mit dem meisten Edelmetall ist dabei natürlich die sportlichste Nation - Oder? Nicht unbedingt, wie folgende Tabellen verdeutlichen.

Einzug der Flaggen bei der Abschlussfeier der Olympischen Spielen in Rio

Über 11.000 Athleten aus 207 Ländern sind in Rio angetreten

Die USA haben, wie auch 2012 in London, bei den Olympischen Spielen in Rio die meisten Medaillen gewonnen - insgesamt 121. Auch die einwohnerstarken Länder Großbritannien, China, Russland und Deutschland haben mehr Medaillen ergattert als alle anderen Nationen.

Diese Staaten haben aber auch eine höhere Bevölkerung als viele andere Länder, die bei Olympia etwas gewonnen haben. Berechnet man, wie viele Medaillen ein Land im Verhältnis zu seinen Einwohnern gesammelt hat, ergibt sich ein ganz anderes Bild.






Shaunae Miller hechtet sich beim 400 m Finale über die Ziellinie und gewinnt Gold für die Bahamas.

Spektakuläres Gold für die Bahamas: Shaunae Miller hechtet sich nach 400 Metern über die Zielline

Die Bahamas haben in Rio zwei Medaillen gesammelt, eine davon Gold. Bei einer Einwohnerzahl von 367.000 bedeutet das im Hinblick auf die Gesamt-Medaillenanzahl den zweiten, in der Gold-Statistik sogar den ersten Platz. Somit kommen auf eine gewonnene Medaille etwa 184.000 Menschen. Nur Grenada konnte eine bessere Relation von Einwohnerzahl zu allen Medaillen erzielen: Einmal silberne Plakette auf 107.827 Einwohner lassen die Grenader auf unserem Treppchen ganz oben stehen.

Auch die Sprint-starken Jamaikaner präsentieren sich gut in der Verhältnis-Tabelle: Sechs Goldmedaillen auf knapp drei Millionen Einwohner bedeuten den zweiten Platz hinter den Bahamas.

Wie stehen die "Großen" da?

Großbritannien, mit 67 Medaillen Zweiter im offiziellen Spiegel, belegt nun nur noch den 19. Platz - was allerdings eine bessere Platzierung als die Nummer 37 von Deutschland bedeutet. Noch weiter abgestürzt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. 121 Mal Edelmetall verteilen sich nicht so gut auf über 300 Millionen Bewohner - Platz 45. Ganz krass: Die eigentlich drittplatzierten Chinesen fallen auf Grund ihrer hohen Population von 1,3 Milliarden Menschen auf den 76. Rang.

Die Situation in Deutschland

In der nachfolgenden Tabelle ist die Anzahl aller Medaillen-Gewinner Deutschlands und deren Herkunft dargestellt. Vorsicht: Auch die einzelnen Teilnehmer von Mannschaftssportarten wie Fußball oder Handball wurden berücksichtigt. Deshalb gibt es mehr Medaillengewinner als Medaillenvergaben. So ergibt sich ein Gesamtbild darüber, aus welchen Teilen Deutschlands wie viele Edelstahlträger kommen.




Die meisten Medaillen wurden von Sportlern aus dem einwohnerreichsten Bundesland, Nordrhein-Westfalen, gewonnen. Insgesamt 41 Sportler konnten in einer Olympischen Sportart das Podium erreichen. Baden-Württemberg ist mit 20 Medaillen-Gewinnern auf dem zweiten Rang und Rheinland-Pfalz mit sieben auf Platz neun.

Die erfolgreichsten Bundesländer

Michael Jung präsentiert die beiden gewonnenen Medaillen bei den Olympischen Spielen in Rio

Ist einer von 20 Goldmedaillengewinnern Baden-Württembergs: Vielseitigkeitsreiter Michael Jung

Angepasst an die Einwohnerzahl der einzelnen Bundesländer spielen die Stadtstaaten im Gesamt-Medaillenclassement eine große Rolle. Baden-Württemberg (525.000 Einwohner pro Medaillengewinner) und Rheinland-Pfalz (579.000 Einwohner pro Medaillengewinner) können mit den gut 150.000 Einwohnern pro Medaillengewinner aus Hamburg nicht mithalten.

Die, gemessen an der Bevölkerung, meisten Gold-Gewinner kommen aus dem Osten. In Sachsen kommen auf einen Gold-Medaillisten 450.555 Menschen. Die Hamburger schneiden unter diesem Gesichtspunkt nicht so gut ab: Auch wenn sie im Verhältnis die meisten Medaillenträger stellen, hing doch bei keinem dieser Hamburger Athleten Gold um den Hals.



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