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Nach Skiunfall am Feldberg | DSV-Experte warnt "Lieber einen Gang zurückschalten"

Nach dem Skiunfall am Feldberg mit zwei Toten spricht DSV-Sicherheitsexperte Andreas König über die Risiken auf der Ski-Piste und gibt Tipps, wie Zusammenstöße vermieden werden können.

Andreas König

DSV-Sicherheitsexperte Andreas König analysiert das Unfallrisiko im alpinen Skisport

Herr König, Skiunfälle sind laut einer Unfall-Statistik des Deutschen Skiverbands seit den 1980er Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr sogenannte Kollisionsunfälle, bei denen zwei Skifahrer zusammenprallen (Unfall am Feldberg). Wie erklären Sie sich das?

Das ist auch für uns schwer zu erklären, weil wir den Grund der Kollisionen nicht genau erörtern können. Man muss aber bei diesen Zusammenstößen unterscheiden. Es gibt Kollisionen, bei denen zwei Skifahrer frontal ineinander fahren. Diese Unfälle kommen aber sehr selten vor. Häufiger sind dagegen sogenannte Sturzkollisionen, bei denen der Skifahrer aufgrund eines Fahrfehlers stürzt und unkontrolliert in einen anderen hineinfährt.

Über die Fastnachtsferien ist auf den Pisten wahrscheinlich wieder mehr los. Steigt denn auch das Verletzungsrisiko, wenn Hänge voller sind?

Nein, wenn mehr mehr los ist passieren unseren Untersuchungen zufolge weniger Kollisionsunfälle, weil die Skifahrer aufmerksam unterwegs sind. Insgesamt verletzen sich aber natürlich mehr Skifahrer, wenn die Pisten voller sind. Das hängt aber in erster Linie mit individuellen Fahrfehlern zusammen, die zu Verletzungen führen - mehr Skifahrer heißt auch mehr Verletzte.

Statistik

Die Grafik zeigt, dass in den vergangenen drei Jahren die Ski-Kollisionen wieder ansteigen. (Datenquelle: DSV)

Welche Gruppe von Skifahrer verletzt sich denn am häufigsten? Spielt Après-Ski dabei auch eine Rolle?

Alkohol als Unfallursache kommt so gut wie nicht vor, hier liegen die Zahlen unter einem Prozent. Und es lässt sich auch schwer sagen, ob sich eher jüngere oder ältere Skifahrer verletzen. Beide Gruppen sind gleichermaßen betroffen. Jüngere sind aber oft risikobereiter und versuchen eher die Grenzen auszutesten. Diese Gruppe wird es auch immer geben. Aber nochmal, die meisten Unfälle passieren aufgrund eines Fahrfehlers, und der hat selten etwas mit dem Alter zu tun.

Bedeutet das, dass jemand der schlechter Ski oder Snowboard fährt, häufiger in Unfälle verwickelt ist?

Nein, auch da können wir keinen Zusammenhang darstellen. Jemand, der schlecht Ski fährt ist in der Regel mit einer geringeren Geschwindigkeit unterwegs und wird öfter stürzen. Deshalb braucht er auch eine leichtere Bindungseinstellung, weil die Bindung sehr schnell aufgehen muss. Hat er keine optimale Bindungseinstellung kann auch ein Sturz bei geringer Geschwindigkeit zu schlimmen Verletzungen führen. Der bessere Skifahrer ist unter Umständen schneller unterwegs. Wenn er stürzt, gibt es ein höheres Verletzungsrisiko.

Was sind die wichtigsten Dinge, die ein Skifahrer beachten sollte, um sich zu schützen?

Optimale Ausrüstung ist sehr wichtig, die muss in technisch einwandfreiem Zustand sein. Der Gang zum Sportfachhändler ist unabdingbar, um seine Skier auf Vodermann bringen zu lassen: Schwere Kanten halten besser auf Eis, gewachste Beläge drehen leichter. Außerdem ist ein Ski-Helm mittlerweile obligatorisch. Auch eine Skibrille sollte jeder tragen, um die Augen vor Wind zu schützen. Aber der wichtigste Punkt ist: Lieber mal einen Gang zurückschalten und sich nicht dem Adrenalin hingeben. Jeder Skifahrer sollte darauf achten, sich so zu verhalten, dass er jederzeit kontrolliert unterwegs ist. Denn das eigene Verhalten trägt am meisten zur eigenen Sicherheit bei.

Verletzte Körperregionen

Knie-Verletzungen sind die häufigsten Verletzungen nach Ski-Unfällen. (Datenquelle: DSV)

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