Bitte warten...

Handball | Nationalmannschaft Roggisch: "Wir erwarten keinen WM-Titel"

Der sportliche Leiter der Rhein-Neckar Löwen und Team-Manager der deutschen Handball Nationalmannschaft, Oliver Roggisch, spricht im SWR-Interview über Public Viewing bei der Handball-WM und den Abschied des DHB-Erfolgstrainers.

Oliver Roggisch

Oliver Roggisch ist Sportlicher Leiter bei den Rhein-Neckar Löwen und Team-Manager der deutschen Handball-Nationalmannschaft

SWR Sport: Oliver Roggisch, der Deutsche Handball Bund hat die Public-Viewing-Rechte für alle Vereine gekauft. Dort kann die Handball-WM also jetzt doch live geguckt werden. Wird es jetzt doch noch ein richtiges Handball-Fest?
Oliver Roggisch: "Das hoffen wir sehr. Ich meine, jetzt ist es zwar nicht mehr ganz so viel Zeit bis zum Start der WM, aber es müsste schon noch reichen für die Vereine, um sich darauf vorzubereiten. Wir hoffen, dass sich viele Fans zum Public Viewing treffen. Man hat ja auch bei anderen Turnieren gesehen, dass viele Handball-Fans die Spiele sowieso lieber in der Gruppe gucken und beim Public Viewing auch ein richtiges Fest feiern. Das macht vielen mehr Spaß, als alleine zu Hause auf dem Sofa zu sitzen. Das kann dieses Jahr also schon auch richtig gut werden."

Das steht und fällt natürlich auch mit den Erfolgen der deutschen Mannschaft. Was ist dieses Jahr drin bei der WM in Frankreich? Nächsten Freitag geht es ja schon los in Rouen gegen Ungarn.
"Wir wollen natürlich schon weit kommen. Das ist keine Frage. Unser Hauptziel ist es aber vor allem, besser abzuschneiden als bei der letzten WM in Qatar. Da waren wir Siebter. Wenn wir das schaffen, dann kommen wir in die K.o.-Phase und dort kann man jeden Gegner schlagen. Aber wir wissen auch, wie eng die Weltspitze zusammen ist, da entscheiden Kleinigkeiten. Zum Beispiel wie viele Verletzte ein Team hat - und sicher auch die Tagesform."

Wie ist die deutsche Mannschaft denn drauf? Das erste Testspiel gegen Rumänien wurde am Dienstag gewonnen. Es lief aber nicht alles perfekt, oder?
"Gegen Rumänien haben wir sicher in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt. Es war aber ein Testspiel, da wird dann viel gewechselt und dann ging der Rhythmus ein wenig verloren. Es ist sicherlich noch Luft nach oben, aber wir haben wir ja auch noch ein paar Trainingseinheiten vor uns. Die Jungs arbeiten sehr konzentriert. Es ist nichts davon zu spüren, was das für eine harte Vorrunde in der Bundesliga war. Die sind voll da und alle fit. Das macht uns Hoffnung."

Die ehemalige Flügelzange der Rhein-Neckar Löwen Groetzki/Gensheimer hat gegen Rumänien ja schon sehr gut funktioniert mit insgesamt elf Toren. Ist das eine der großen Stärken des deutschen Teams?
"Die Jungs leben natürlich davon, dass wir eine gute Deckungsleistung haben. Und die hatten wir gegen Rumänien mit einem überragenden Silvio Heinevetter da hinten im Tor. So können wir natürlich leichter Gegenstöße fahren. Das muss unsere Stärke sein, dass wir aus dem Schnellangriff zum Anschluss kommen und dann direkt wieder gut in der Abwehr stehen. Wenn wir da ein ähnlich gutes Bollwerk hinstellen können wie bei der Europameisterschaft oder in Rio bei den Olympischen Spielen, dann ist auf jeden Fall mit uns zu rechnen."

Sie haben gerade die Erfolge des vergangenen Jahres angesprochen. Der EM-Titel in Polen, Bronze in Rio, ist das jetzt nur noch mit einem WM-Titel zu toppen?
"Nein, wir erwarten von der Mannschaft keinen WM-Titel. Man muss auch ganz ehrlich sagen, im letzten Jahr lief vieles optimal. Da gehört auch mal ein bisschen Glück dazu. Wir können nicht davon ausgehen, dass es immer so ist. Unser langfristiges Ziel war es ursprünglich bis 2020 um eine Medaille mitspielen zu wollen. Dieses Ziel haben wir natürlich sehr früh erreicht, aber wir wissen auch, dass alles ganz schnell wieder nach hinten losgehen kann. Deshalb sind wir sehr demütig und werden den Ball schön flach halten."

Gibt es einen Punkt, an dem der bevorstehende Abschied des Bundestrainers Dagur Sigurdsson das Team belasten könnte?
"Würde ich nicht sagen, eher ganz im Gegenteil. Jede wünscht Dagur einen schönen Abschied, er sich selber am meisten. Das Ganze ist aber innerhalb der Mannschaft überhaupt kein Thema. Alles, was nach Dagur kommt, spielt jetzt keine Rolle. Und wenn es dann irgendwann mal um Medaillen gehen sollte, dann glaube ich eher, dass sowas auch pushen kann. Dass wir dann sagen: Jetzt erst recht. Jetzt wollen wir ihm den Abschied bereiten, den er verdient hat."

Das Interview führte Kersten Eichhorn

Aktuell im SWR