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Fußball | Nationalmannschaft Neuer Kapitän fürs DFB-Team

Manuel Neuer wird Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft. Die Berufung des Torhüters von Bayern München gab Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstag bekannt.

Manuel Neuer

Neuer Kapitän des DFB-Team: Manuel Neuer

Die große Show ist Manuel Neuers Sache nicht. "Ich bin kein Typ, der in Unterhosen posiert", hat er mal erzählt, als Cristiano Ronaldo in allen Hochglanzmagazinen leichtest bekleidet zu sehen war. Manuel Neuer hat das nie nötig gehabt. Er mag "Show auf dem Rasen. Aber nur, wenn sie zweckdienlich ist." Es ist die perfekte Selbst-Charakterisierung in einem Satz.

Diese Einstellung hat Neuer sehr weit gebracht und zum Weltmeister gemacht. Am Donnerstagnachmittag krönte schließlich Bundestrainer Joachim Löw aus Schönau eine Karriere, die vom kleinen Knirps in der Schalker Fankurve zum weltbesten Torhüter kaum gradliniger hätte verlaufen. Manuel Neuer ist nun offiziell, was er schon in allen sechs Spielen bei der EM in Frankreich war: Kapitän der Nationalmannschaft.

Große Ehre für Manuel Neuer

"Für mich ist es eine große Ehre. Es macht mich stolz. Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mir der Bundestrainer mit der Ernennung schenkt", sagte der 30-Jährige, der nach Oliver Kahn somit der zweite fest benannte Torhüter als DFB-Kapitän ist. Er fügte aber auch gleich bescheiden hinzu: "Wir wissen alle, dass wir auf dem Platz mehrere Führungsspieler benötigen, wenn wir Erfolg haben wollen. Die entscheidenden Dinge werden ohnehin im Mannschaftsrat besprochen und gemeinsam beschlossen."

Manuel Neuer ist die logische Kapitänswahl. Er ist unbestritten weltklasse. Er ist zudem redegewandt, erfahren, zwar auch an Ecken und Kanten abgefeilt, aber doch hoch angesehen. Er ist nicht verletzungsanfällig. Seine Position scheint zudem auf Jahre hin unangreifbar.

Joachim Löw sieht Neuer als logischen Nachfolger

So sieht das auch Löw. "Für mich ist Manuel Neuer der logische Nachfolger von Bastian Schweinsteiger. Er bringt alles mit, was ich mir von einem Spielführer wünsche", betonte er. "Seine sportlichen Leistungen sind überragend, Manuel ist immer für die Mannschaft da, er ist ein Teamplayer und ein absolutes Vorbild. Dazu kommen seine großen menschlichen Qualitäten."

Auch Abwehrchef Jerome Boateng war hoch gehandelt werden, mehr noch bei den Fans als intern. In vielen Abstimmungen lag er deutlich vorne. Es wäre eine Entscheidung gewesen, die spätestens nach den Attacken des AfD-Politikers Alexander Gauland auch eine sozialpolitische Note gehabt hätte.

DFB-Team mit "mehreren Kapitänen"

Auch deshalb bemühten sich wohl alle Seiten in den vergangenen Wochen, das Thema nicht zu hoch zu hängen. Stets war die Rede von einem Führungszirkel, von flacheren Hierarchien, wie sie auch beim FC Bayern gepflegt werden. "Für mich ist das nicht so das Allerwichtigste", sagte Löw. "Wir haben mittlerweile mehrere Kapitäne." Aber nur einer trägt die schwarz-rot-goldene Armbinde: Manuel Neuer.

Bei der EM war der Münchner trotz der Etablierung Boatengs als Wortführer bereits wie selbstverständlich Kapitän. Fünfmal von Beginn an, weil der nun abgetretene Bastian Schweinsteiger auf der Bank saß, ein sechstes Mal bei der Halbfinal-Niederlage gegen Frankreich (0:2), nachdem Schweinsteiger den Platz verlassen hatte.

Manuel Neuer, der das Torwartspiel revolutionierte, ist insgesamt der neunte Schlussmann seit 1908, der eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft angeführt hat. Darunter sind große Namen wie Kahn, Sepp Maier und Heinrich Stuhlfauth, aber auch längst Vergessene wie Christian Schmidt von Concordia Wilhelmsruh, der 1910 für ein Spiel die Ehre hatte.

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