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Fußball | Nationalmannschaft Antonio Rüdiger gegen die Wahlheimat

Antonio Rüdiger hat sich beim AS Rom zur festen Größe entwickelt, auch Bundestrainer Joachim Löw lobt seine Entwicklung. Im Interview spricht der 23-Jährige über seine Zukunft und das besondere Spiel gegen Italien.

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Antonio Rüdiger freut sich, wieder bei der Nationalelf zu sein

Herr Rüdiger, Italien ist jetzt ja so etwas wie Ihre zweite Heimat geworden. Ist die Partie in München für Sie persönlich ein besonderes Spiel?

Definitiv. Ich lebe jetzt in Italien, ich lebe in Rom und natürlich ist es für mich ein besonderes Spiel. Ich hoffe, dass ich auf einige Kollegen aus meiner Mannschaft treffen werde, aber der Fokus liegt ganz klar darauf, ein gutes Spiel zu machen und natürlich auch das Spiel für uns zu entscheiden vor heimischem Publikum.

Bundestrainer Joachim Löw war vor einigen Wochen hier und hat Sie sehr gelobt. Gibt Ihnen das noch einmal einen weiteren Ansporn?

Definitiv, wenn man ein Lob von solch einem Trainer hört, hilft das, noch einmal mehr zu machen, mehr zu geben. Aber ich will nicht wie früher übermotiviert, sondern einfach nur motiviert sein. Es ist schön, so etwas zu hören.

Löw schätzt Ihre Flexibilität, kann das ein Trumpf sein, wenn es um die EM-Tickets geht? Welche Chancen sehen Sie für sich?

Fußball-Profi Antonio Rüdiger spielt seit dem vergangenen Sommer für AS Rom in der Serie A. Zuvor sammelte der 23-Jährige beim VfB Stuttgart Bundesliga-Erfahrung. Sein Debüt in der DFB-Elf gab der siebenmalige Nationalspieler vor der WM 2014 beim 0:0 gegen Polen.


Ich denke, in den letzten Monaten habe ich mich auf jeden Fall ins Positive entwickelt. Jetzt über Chancen zu reden, ist schwierig. Man muss abwarten, für mich ist nur wichtig, dass ich gesund bleibe und alles andere wird so kommen, wie es kommen soll.

Die Nationalelf ist ja sicherlich auch einer der Favoriten in Frankreich. Ist das Ziel in jedem Fall der Titel?

Natürlich wird überall geschrieben, Deutschland ist der Favorit. Es ist ganz einfach, wir reisen als Weltmeister zur EM und natürlich wird da erwartet, dass wir auch die EM gewinnen. Aber ich denke, eine EM ist schon etwas schwerer, es sind gute Mannschaften dabei. Aber wir sind Deutschland, natürlich ist unser Anspruch, wir fahren dahin, um den Titel zu gewinnen, klar.

Bei der letzten Reise zur Nationalelf im November haben Sie den Terroranschlag in Paris miterlebt. Ist das etwas, was jetzt nochmal hochkommt, wo man auch mit den Teamkollegen drüber spricht?

Ich war zu jedem Zeitpunkt in Sicherheit und andere Menschen, die da draußen waren, haben Schlimmeres erlebt. Wenn man mal in der Kabine schläft, ist das nicht weiter tragisch, wir waren immer in Sicherheit. Für mich ist es jetzt kein Thema, was mir jetzt im Kopf geblieben ist, ich habe das schon lange vergessen.

Wie würden Sie Ihre ersten Monate hier in Rom beurteilen, war der Wechsel im Rückblick die richtige Entscheidung?

Nationalspieler Antonio Rüdiger trainert in der Bayarena vor dem Champions-League-Spiel des AS Rom gegen Bayer 04 Leverkusen

Der ehemaliger Stuttgarter Antonio Rüdiger fühlt sich beim AS Rom sehr wohl

Definitiv. Auch am Anfang, wo es vielleicht nicht so gut lief für mich persönlich, denn ich bin mit einer Verletzung hergekommen. Danach haben die Ergebnisse schon gestimmt, aber dann gab es eine kleine Phase, in der es auch insgesamt in der Mannschaft nicht lief. Das war das Spiel gegen Turin, in dem es mit dem Fehler ein bisschen hart für mich war. Aber es war jetzt nicht so, dass ich Angst hatte, weiterzuspielen. Ich wusste für mich, dass ich an dieser Situation wachsen muss und ich denke, das habe ich danach gezeigt.

Die Erwartungen in Italien sind sehr hoch, ist das schwierig, damit umzugehen? Ist der Druck größer als in der Bundesliga?

Wenn ich ganz ehrlich bin, in Deutschland ist der Druck nicht so hoch. Was hier für ein Druck ist, ich weiß nicht, wie viele Radiosender es gibt, die 24 Stunden über Roma sprechen, wie viele Zeitungen es gibt. Das ist natürlich Druck, aber ich denke, das ist eine Sache, damit muss man einfach professionell umgehen.

Also haben Sie nie bereut, nach Rom gekommen zu sein?

Nein, ich fühle mich super-wohl. Was in der Zeitung geschrieben wird, das muss man professionell nehmen. Es hat mich zu keinem Punkt irgendwie an meiner Entscheidung zweifeln lassen.

Wissen Sie denn schon, wie es im Sommer weitergehen wird? Bleiben Sie auf jeden Fall hier?

Ich denke, ich habe meine Leistung gezeigt, jetzt liegt es an anderen Leuten, das zu entscheiden. Ich bin da ganz entspannt.

Anmerkung der SWR-Redaktion: Das Interview wurde von der Deutschen Presse-Agentur vor dem Länderspiel gegen England (2:3) geführt. Gegen die Mannschaft von Nationaltrainer Roy Hodgson stand Antonio Rüdiger über die vollen 90 Minuten auf dem Platz. In der ersten Halbzeit wusste der Innenverteidiger an der Seite von Mats Hummels zu überzeugen, im zweiten Durchgang konnte Rüdiger der Defensive nicht die nötige Stabilität geben. Beim sehenswerten Hackentor zum 2:2 verlor Rüdiger den Zweikampf gegen Jamie Vardy.

Auch beim 4:1-Sieg gegen Italien spielte Rüdiger über die volle Spielzeit und spielte eine sehr solide Partie. Beim Gegentor fälschte er den Schuss von El Shaarawy unhaltbar ab.

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