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Fußball | Mainz 05 Heinz Müller vorerst nicht Bosman 2.0

Fußballprofis werden auch zukünftig keine Festanstellungen erhalten. Das hat das Landesarbeitsgericht in Mainz durch das Urteil im Fall Heinz Müller am Mittwoch entschieden.

Heinz Müller und eine Justitia.

Justitia hat entschieden - Das Gericht hat das Müller-Urteil gekippt

Die Zulässigkeit befristeter Arbeitsverträge im Profifußball ist bis auf Weiteres gewährleistet - ein neues Bosman-Urteil aber noch nicht endgültig vom Tisch. Nachdem das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz am Mittwoch im Fall Heinz Müller gegen den FSV Mainz 05 die erstinstanzliche Entscheidung des Arbeitsgerichts vom März 2015 kippte, wird nun mit Spannung auf die weitere Vorgehensweise der Parteien gewartet. Der Vorsitzende Richter Michael Bernardi hatte bereits vor der Urteilsverkündung gesagt, dass die vierte Kammer eine Revision zulassen werde. Das bedeutet, dass der Fall an das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt oder sogar gleich an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) weitergegeben werden könnte, falls Müller in Berufung geht.

Außergerichtliche Einigung immer noch möglich

Eine gütliche Einigung im eigentlichen Rechtsstreit zwischen Müller und dem FSV ist indes auch nach dem Urteilsspruch möglich. Beide Parteien hatten angekündigt, dass es noch zu Gesprächen kommen könnte.

Der Streitpunkt

Das Arbeitsgericht Mainz hatte im März in erster Instanz bereits entschieden, dass die Befristung von Arbeitsverträgen auch im Profisport nur innerhalb enger gesetzlicher Grenzen zulässig ist. "Die Eigenart des Profifußballs an sich ist noch kein Sachgrund", hatte Arbeitsgerichts-Richterin Ruth Lippa damals gesagt.

Viele Vereine befürchteten deshalb, ihre Profis nicht mehr - wie bislang gängige Praxis - mit Drei- oder Vierjahresverträgen ausstatten zu können. Mainz 05 war nach dem Urteil in Berufung gegangen und will zur Not bis vor das Bundesarbeitsgericht. Dabei hatte Müller eigentlich nur auf eine Vertragsverlängerung von einem Jahr bei Mainz 05 geklagt. Müllers Anwalt Horst Kletke hielt die Sorge der Vereine deshalb für übertrieben: "Das ist ein individueller Rechtsstreit, der nicht über diesen Tellerrand hinausreicht." Fürs Erste hat er damit Recht behalten.

Auch der Stuttgarter Anwalt Christoph Schickhardt ist froh über dieses Urteil.

Müller wurde aussortiert

Der Fall Müller begann in der Winterpause der Saison 2013/14 - und damit ein halbes Jahr vor Ablauf seines vor Gericht verhandelten Zweijahresvertrags. Der damalige Mainzer Trainer Thomas Tuchel sortierte den erfahrenen Torwart sportlich aus und schickte ihn in die zweite Mannschaft.

Müller sah sich deshalb um seinen Anspruch auf Siegprämien und vor allem um die Chance gebracht, auf eine bestimmte Anzahl von Einsätzen zu kommen, ab der sich sein Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert hätte. Folglich zog er vor das Arbeitsgericht Mainz. Erst während des Verfahrens stellte sein Anwalt mit Erfolg den Antrag, die Befristung des Vertrags als solche anzugreifen. Der Fall habe sich verselbstständigt, sagte Müllers Anwalt damals. Müller sei es nie darum gegangen, das System Profifußball anzugreifen.

Heinz Müller

Der Fall des ehemaligen Mainzer Torwarts Heinz Müller könnte weitreichende Folgen haben

Vergleichbar mit dem Bosman-Urteil

Für den Mainzer Club-Präsidenten Harald Strutz hätte die Causa Heinz Müller durchaus ein Thema werden können, "das eine weitreichende Bedeutung wie das Bosman-Urteil hat - wenn es von den nächsthöheren Instanzen bestätigt wird." Im Fall Jean-Marc Bosman entschied der Europäische Gerichtshof 1995, dass Profifußballer nach Ablauf ihres Vertrags ablösefrei wechseln dürfen. Das hat die Transfer-Gepflogenheiten in dem Millionen-Geschäft stark verändert.

"Im Sinne der Fans"

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) begründet die kurzen Verträge, auf denen das weltweite Transfersystem beruht, sinngemäß damit, dass die Mannschaften ja auch einem ständigen Wechsel unterzogen seien. Es gehe darum, "Rotationsmöglichkeiten im Sinne der Fans und nachrückenden Talente" zu gewährleisten. Zudem sei ein Spieler in der Regel bis Mitte 30 in der Lage, professionellen Mannschaftssport zu betreiben. Danach scheide er meist als Berufsfußballer aus.

Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) sagte, sie habe die Liga schon länger auf die Problematik mit den kurzen Arbeitsverträgen hingewiesen. Die Spielergewerkschaft hatte auch schon mehrfach einen Tarifvertrag für Profis gefordert, um nicht länger mit einer Rechtsunsicherheit zu leben.

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