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Fußball | Karriereende Timo Hildebrand tritt ab

Timo Hildebrand gilt beim VfB Stuttgart immer noch als Held. Denn bei den Schwaben hatte er die erfolgreichste Zeit seiner Karriere. Diese Karriere hat der 36-Jährige am Dienstag beendet.

Timo Hildebrand hatte seine erfolgreichste Zeit beim VfB Stuttgart. Am 29. März 2016 erklärt er sein Karriere-Ende

Timo Hildebrand hatte seine erfolgreichste Zeit beim VfB Stuttgart

Es ist die 89. Spielminute. Die Sonne knallt auf das Neckar-Stadion. Es steht 2:1 für den VfB Stuttgart gegen Energie Cottbus. Die Fans in der Cannstatter Kurve baden bereits in ihrer Euphorie. Doch Torwart Timo Hildebrand hat noch keine Lust zu feiern. Konzentriert verfolgt er das Geschehen vor ihm auf dem Spielfeld. Erst als Schiedsrichter Wolfgang Stark an diesem 19. Mai tief Luft holt und die Partie abpfeift löst sich auch bei Timo Hildebrand die Spannung: Der VfB Stuttgart ist Deutscher Meister 2007!

Dieser Titel ist der größte Moment in Timo Hildebrands Fußballer-Karriere. Diese Karriere hat der mittlerweile 36-Jährige am Dienstag nach 17 Jahren und 469 Spielen in Liga, Pokal und Europa-Cup beendet - via Facebook. Das Alter und eine Hüftoperation haben den ehemaligen Nationalspieler (sieben Länderspiele) zu diesem Schritt bewogen.


Tim Hildebrand und die "jungen Wilden"

Er habe 17 Jahre seinen absoluten Traumberuf ausgeübt und viele schöne Momente erlebt, erzählt Hildebrand im Gespräch mit dem SWR. VfB-Trainer Ralf Rangnick holte Hildebrand 1999 in den Stuttgarter Profikader und machte ihn zum Ersatzmann von Franz Wohlfahrt. Eine Saison später lief Hildebrand das erste Mal als Nummer Eins des VfB Stuttgart auf. Mit Trainer Felix Magath und den "jungen Wilden" Mario Gomez, Andreas Hinkel, Aliaksandr Hleb und Kevin Kuranyi mischte er die Liga auf, wurde deutscher Vizemeister und feierte rauschende Champions-League-Feste mit Heimsiegen gegen die Glasgow Rangers, Panathinaikos Athen und Manchester United.

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Timo Hildebrand hat seine Karriere offiziell beendet. 16 Jahre und 124 Tage sind seit seinem Bundesligadebüt für den VfB Stuttgart vergangen. Wir blicken noch einmal auf seine Karriere zurück.

Timo Hildebrand hat seine Karriere offiziell beendet. 16 Jahre und 124 Tage sind seit seinem Bundesligadebüt für den VfB Stuttgart vergangen. Wir blicken noch einmal auf seine Karriere zurück.

Timo Hildebrand wurde in Worms in Rheinland-Pfalz geboren und wuchs im Hofheim im Ried (Hessen) auf. Er begann mit dem Fußballspielen beim örtlichen FV Hofheim/Ried. 1994 wechselte er mit gerade einmal 15 Jahren zum VfB Stuttgart. Am 26. November 1999 gab er beim 2:0-Auswärtssieg in Freiburg sein Debüt für die Profimannschaft der Stuttgarter. 16 Spieltage später wurde Hildebrand vor dem Spiel gegen den SSV Ulm zum Stammtorhüter beim VfB ernannt.

Mit dem VfB Stuttgart wurde er in der Saison 2002/2003 Vizemeister. Über die beiden Spielzeiten 2002/03 und 2003/04 hinweg blieb Hildebrand 884 Bundesliga-Minuten ohne Gegentor und brach damit den Bundesliga-Rekord von Oliver Kahn (802 Minuten).

Die gute Leistung im Verein erkannte auch der damalige Bundestrainer Rudi Völler. Am 28. April 2004 debütierte Timo Hildebrand für das deutsche Nationalteam. Beim 5:1-Sieg über Rumänien ließ ihn Völler 45 Minuten spielen. Insgesamt lief Hildebrand neun Mal für die Nationalmannschaft auf.

Beim Sommermärchen 2006 im eigenen Land war Timo Hildebrand der dritte Torwart hinter Jens Lehmann und Oliver Kahn. Ein WM-Spiel hat er nicht bestritten.

Am 19. Dezember 2006 zog der VfB Stuttgart ein Angebot zur Verlängerung von Hildebrands Vertrag zurück, nachdem der Torhüter nicht bereit gewesen war, sich zu diesem Zeitpunkt zu entscheiden. Somit lief der Vertrag im Juni 2007 aus. In dieser letzten Spielzeit beim VfB gewann Hildebrand als Vizekapitän die Deutsche Meisterschaft und stand im Finale des DFB-Pokals.

Bei den Fans entwickelte sich Hildebrand in den 221 Bundesligaspielen für den VfB Stuttgart zum Publikumsliebling. Diese dankten es dem Blondschopf mit einer eigenen Choreografie zum Abschied. Am 4. Juli 2007 wurde er schließlich als bei seinem neuen Verein vorgestellt.

Beim FC Valencia traf er auf die spanische Torhüterlegende Santiago Canizares. Nach einem holprigen Start setzte sich Hildebrand im Laufe der Saison allerdings gegen den spanischen Torhüter durch. Bereits in seiner ersten Saison bei Valencia gewann der Wormser die Copa del Rey, den spanischen Pokalwettbewerb.

Die Freude über den Pokalsieg währte jedoch nicht lange. Unter dem neuen Trainer Unai Emery spielte Hildebrand keine Rolle mehr und fand sich als dritter Torhüter auf der Tribüne wieder. Ende November erhielt Hildebrand schließlich von seinem Verein die Freigabe, um in der Winter-Transferperiode ablösefrei zu einem neuen Verein wechseln zu können.

Im Januar 2009 wechselte Hildebrand zur TSG 1899 Hoffenheim. Er sollte damit in der Rückrunde der Bundesligasaison 2008/2009 die beiden bisherigen Schlussmänner Ramazan Özcan und Daniel Haas ergänzen. Bei der TSG Hoffenheim traf Hildebrand auf seinen Ex-Trainer Ralf Rangnick, der ihn einst in die Profi-Mannschaft des VfB Stuttgart geholt hatte. Sein erstes Pflichtspiel im Trikot der Kraichgauer bestritt Timo Hildebrand im Duell mit Energie Cottbus am 31. Januar 2009. Nachdem er anfangs oft verletzungsbedingt hatte pausieren müssen, zeigte er gegen Ende der Saison gute Leistungen.

Anfang September 2010 unterzeichnete Hildebrand für ein Jahr bei Sporting Lissabon. Er erhielt die Trikot-Nummer 30. Sein Debüt für Sporting gab er im portugiesischen Pokal gegen GD Estoril Praia. Da Hildebrand bei keinem Ligaspiel eingesetzt wurde, verlängerte er seinen auslaufenden Vertrag nicht.

Im Oktober 2011 wurde Timo Hildebrand von Schalke 04 verpflichtet, um nach der Verletzung von Ralf Fährmann weiterhin drei Torhüter im Kader zu haben. Etwa zwei Monate später gab er in der Europa League bei Maccabi Haifa sein Debüt für die Königsblauen. Timo Hildebrand wurde zum Stammtorhüter ernannt. Erst in der Rückrunde der Saison 2013/14 verlor er seinen Platz verletzungsbedingt an Ralf Fährmann. Nachdem dieser überzeugte, kam Hildebrand nicht mehr zum Zug und verließ den Verein am Saisonende.

Am 25. September 2014 verpflichtete ihn Eintracht Frankfurt als Reaktion auf eine Verletzung des Stammtorhüters Kevin Trapp. Er unterschrieb für ein Jahr. Sein Pflichtspieldebüt gab er am 12. Dezember 2014 bei der 2:3-Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Hildebrand spielte als Ersatz für den erkrankten Felix Wiedwald. Fünf Tage später kam er beim 4:4 im Heimspiel gegen Hertha BSC zu seinem 300. Bundesligaspiel. Sein Vertrag wurde am 29. Januar 2015 infolge von Trapps Genesung vorzeitig aufgelöst. Seitdem war er vereinslos.

Als Gründe für sein Karriereende gibt der inzwischen 37-Jährige gesundheitliche Gründe an. Hildebrand wurde vergangenes Jahr an der Hüfte operiert und sieht sich nicht mehr in der Lage, auf das alte Level zu kommen.

"Ich bereue nichts", sagte Hildebrand dem SWR. Auch nicht die fehlgeschlagene Vertragsverlängerung beim VfB Stuttgart, als der Verein sein Angebot zurückzog, weil Hildebrand sich bis Weihnachten 2006 weder zu einer Unterschrift noch zu einem klaren "Nein" durchringen konnte. Anschließend verließ er den Verein, mit dem er die erfolgreichste Zeit seiner Karriere hatte, und heuerte beim FC Valencia an.

Hildebrand gewinnt den spanischen Pokal und wird ausgebootet

Timo Hildebrand

Santiago Canizares und Timo Hildebrand waren harte Konkurrenten um den Platz im Tor beim FC Valencia

Dort musste er sich den Platz im Tor mit Dauerkonkurrent Santiago Cañizares teilen. Er bestritt insgesamt 26 Spiele für Valencia und holte mit der Mannschaft sogar den spanischen Pokal. Doch nach einer turbulenten Zeit mit vier Trainern 18 Monaten und der Verbannung auf die Tribüne unter Trainer Unai Emery löste Hildebrand seinen Vertrag auf und wechselte im Januar 2009 zur TSG 1899 Hoffenheim.

Doch an alte Erfolge mit dem VfB Stuttgart konnte der Torhüter nicht mehr anknüpfen: In Hoffenheim nicht und bei Sporting Lissabon auch nicht. Ein Jahr später betrat Timo Hildebrand mit dem FC Schalke 04 noch einmal die große Bühne Champions League. Doch nach einem groben Patzer beim 0:3 gegen den FC Chelsea verlor Hildebrand seinen Stammplatz an Ralf Fährmann. Daraufhin wechselte Hildebrand nochmal für ein paar Spiele zu Eintracht Frankfurt.

Noch keinen richtigen Plan für die Zeit nach dem Fußball

Zuletzt war Timo Hildebrand an der Hüfte verletzt. Einer Hüftoperation im April vergangenen Jahres folgte eine monatelange Reha. Das Karriere-Ende war für den gebürtigen Wormser daher nur die logische Konsequenz. Einen konkreten Plan für sein Leben nach dem Fußball hat er eigenen Angaben zufolge noch nicht. Er hat einen Job in einer Stuttgarter Werbeagentur angenommen und sich parallel für einen Trainerschein angemeldet.


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