Bitte warten...

Fußball | Karlsruher SC Zoff beim KSC nach Guldes Fan-Frust

Nach dem Paderborn-Spiel platzte einigen KSC-Spielern der Kragen. Manuel Gulde bezeichnete pfeifende Anhänger als "Hampelmänner". Kommt es zum Riss zwischen Team und Fans?

Die facebook-Seite von SWR Sport mit Kommentaren zu einem Beitrag über den KSC

KSC-Spieler Gulde über eigene Fans: " Ich habe keinen Bock mehr auf die paar Hampelmänner"

Manuel Gulde hatte die Nase gestrichen voll. Nach der Partie gegen Paderborn musste der Frust raus beim KSC-Verteidiger. Der Frust über das bescheidene 0:0 gegen die Ostwestfalen - und vor allem der Ärger über das Verhalten der eigenen Fans. "Mir geht das echt auf die Nerven", wütete der 25-jährige ins SWR-Mikrofon. Und meinte die Pfiffe der eigenen Anhänger, die bereits nach gut 20 Minuten eingesetzt hatten. Aber mit seiner Kritik an den eigenen Fans war Gulde noch lange nicht fertig.

Keinen Bock auf diese Hampelmänner

"Da verdiene ich lieber ein bisschen weniger, da sollen sie zuhause bleiben", legte der gebürtige Mannheimer nach. "Das ist echt ein Witz. Bei jedem Rückpass werden wir ausgepfiffen. Das ist jetzt schon das 100ste Spiel, wo das so ist. Wir sind der KSC. Wir sind nicht Red Bull Leipzig. Wir müssen gucken, wo wir herkommen. Die sollen lieber zuhause bleiben. Ich habe keinen Bock auf diese paar Hampelmänner!"

Sprach's, und wurde von seinem Teamkollegen Dominic Peitz in die Kabine gezogen, bevor er sich komplett um Kopf und Kragen redete. Aber Gulde war nicht der einzige KSC-Profi, dem angesichts der lautstarken Kritik von den Rängen der Kragen platzte. Auch Torhüter René Vollath, der gegen Paderborn die Kapitänsbinde trug, äußerte sich gegenüber den Journalisten verärgert: "Wenn die Fans denken, dass sie damit ihren Verein, den KSC unterstützen, wenn sie in der 24. Minute anfangen zu pfeifen, dann muss sich da jeder selbst hinterfragen".

Kommentare zu einem Artikel auf facebook von SWR Sport zum KSC.

Einige KSC-Fans wehrten sich auf der SWR.de/sport Facebook-Seite gegen Guldes Kritik

Verständnis von Kauczinski

Trainer Markus Kauczinski, der den Verein zum Saisonende verlassen wird, zeigte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel durchaus Verständnis für die Verbalattacken seiner Spieler. "Wenn du auswärts ausgepfiffen wirst, ist das normal. Aber wenn du jetzt auch in deinem eigenen Wohnzimmer ausgepfiffen wirst, ist das schon befremdlich", sagte der Chefcoach des Karlsruher SC. Rechtsverteidiger Enrico Valentini versuchte sich nach Spielende hingegen als Diplomat: "Wir verstehen, dass die Leute Geld dafür ausgeben, dass sie herkommen. Aber es ist auch nicht so, dass wir ein Armutszeugnis abliefern und nicht laufen und nicht rennen und nicht kämpfen."

Riss zwischen Team und Fans?

In den sozialen Netzwerken reagieren viele KSC-Fans auf die ungewöhnlich deutlichen Aussagen der Profis. In etlichen Äußerungen kommt der Riss zwischen der Mannschaft und Teilen der KSC-Anhängerschaft zum Vorschein. So kritisiert Bernd Wieland auf der Facebook-Seite von SWR Sport die Aussagen Manuel Guldes: "Alle Fans in einen Topf werfen, das gehört sich nicht. Da sind viele, die vor ihm und nach ihm beim KSC sind, bei Wind und Wetter, soll er doch zB zu RB gehen. Da verdient er mehr, aber sitzt viel öfter auf der Bank." Uwe Hein hat ebenfalls wenig Verständnis für die verbale Reaktion der KSC-Spieler: "Anspruch und Wirklichkeit driftet im Moment stark auseinander, und da muss man auch Kritik einstecken können, ansonsten ist man kein Profi!"

Gulde erntet aber auch Zustimmung für seine klare Haltung. Christian Krismeyer schreibt auf der SWR Sport-Facebook-Seite: "Manuel du hast vollkommen recht......geh schon seit Jahrzehnten ins Stadion und finde bald keinen Platz mehr, weil überall negativ gemeckert wird......das ist keine Unterstützung. .....zum Thema Anspruch und Wirklichkeit. ...wessen Anspruch der der Fans oder der Mannschaft, der Mannschaft war klar dass dies eine schwere Saison wird.....nur das Karlsruher Publikum träumt immer von mehr..."

Kommentare zu einem Artikel auf facebook von SWR Sport zum KSC.

KSC-Fan Christian Krismeyer kann den Frust des Innenverteidigers gut verstehen und kritisiert die negative Stimmung im Wildparkstadion

Sportdirektor fordert Gelassenheit

KSC-Sportdirektor Jens Todt plädierte am Mittwoch im SWR-Gespräch für einen gelassenen Umgang mit der Situation. Natürlich hätten die Fans das Recht, ihren Unmut zu äußern. Andererseits könne er aber auch verstehen, dass die Spieler nach einer enttäuschenden Leistung gegen den Tabellen-Vorletzten Paderborn frustriert gewesen seien. "Die Wortwahl einiger Spieler war sicherlich nicht ganz glücklich; aber bei hohem Puls nach Spielende durchaus verständlich," meinte Todt. Man müsse immer im Hinterkopf haben, dass sich das Team aus einer sehr schwierigen Situation zu Saisonbeginn befreit habe. Da dürften die Erwartungen der Anhänger jetzt nicht ins Unermessliche gehen. "Aber ich weiß, dass der Großteil der Fans hinter der Mannschaft steht", betonte der Sportdirektor.

Eine Strafe wird es für die Spieler wegen ihrer Äußerungen nicht geben.

Aktuell im SWR