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Fußball | Karlsruher SC Mitglieder bewilligen Stadion-Neubau

Die Mitglieder von Fußball-Zweitligist Karlsruher SC wollen einen Neubau des Wildparkstadions. Bei der Mitgliederversammlung des KSC stimmten die Mitglieder eindeutig für den Stadion-Neubau.

Wildparkstadion

Das Wildparkstadion in Karlsruhe wurde 1955 eröffnet und 1993 renoviert - es fasst knapp 30.000 Zuschauer

Bei nur einer Gegenstimme ermächtigte die Mitgliederversammlung das Präsidium, die entsprechenden Verträge mit der Stadt Karlsruhe abzuschließen. Stimmberechtigt waren insgesamt 565 der 580 anwesenden Personen. "Trotz der vielen Querschüsse bin ich sehr froh über dieses Ergebnis", sagte der sichtlich erleichterte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther nach der Abstimmung. "Es ist ein robustes Mandat der Mitglieder und ein wichtiger Schritt, dass das Stadion kommt", kommentierte Frank Mentrup, der Karlsruher Bürgermeister, die Entscheidung.

Der Neubau des Wildparkstadions ist nach Ansicht von Wellenreuther allein schon aus finanziellen Gründen dringend notwendig. Denn der an vielen Stellen marode Wildpark bürde dem Club Jahr für Jahr einen riesigen Nachteil im Vergleich zu den direkten Konkurrenten um Zuschauergunst und Sponsorentöpfe auf.

"Wir haben nun einmal bescheidene Business-Räume und die Hälfte unserer Zuschauer sitzt oder steht im Regen", sieht Wellenreuther den KSC deutlich hinter benachbarten Clubs wie Hoffenheim, Freiburg, Mainz, Stuttgart oder Frankfurt. "Wenn wir da, was das Stadion anbelangt, nicht auf Augenhöhe kommen, sind wir soweit im Hintertreffen, dass wir auf Dauer nicht überleben können", sagt er.

Pure Erleichterung bei KSC-Sportdirektor Jens Todt

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3:33 min | So, 25.9.2016 | 22:05 Uhr | Sport im Dritten | SWR Fernsehen BW

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Karlsruhe mit Eigeninteresse an einem Neubau

Eigentümer des Wildparkstadions ist die Stadt Karlsruhe. Sie muss auch für die Reparatur- und Instandhaltungskosten an dem alten Gebäude aufkommen und hat schon deshalb ein Eigeninteresse an einem Neubau.

Ingo Wellenreuther ist auf der Mitgliederversammlung mit 87,2 Prozent der Stimmen für weitere drei Jahre zum Präsidenten gewählt worden. Günter Pilarsky wurde ebenfalls wiedergewählt (98,9 Prozent). Holger Siegmund-Schultze komplettiert das KSC-Präsidium (88 Prozent).

Der Plan für das neue Wildparkstadion sieht nun so aus: Die Stadt soll den Bau finanzieren. Der Verein soll für die Nutzung Miete bezahlen. Bis sich beide Seiten auf einen Deal einigen konnten, soll es allerdings ziemlich geknirscht haben: "Vor fünf Wochen gab es noch viel mehr Baustellen, die zum Teil auch gravierend waren", räumte Wellenreuther ein. Doch auch die Stadt wolle nun keinen Verein, der die Pachtzahlungen nicht leisten könne.

"Alles andere wäre ja ein Eigentor. Wenn der KSC mit einem Stadion, das passt, Geld verdienen kann, dann ist allen geholfen. Diese Erkenntnis war wichtig", sagte Wellenreuther.

Den letzten Durchbruch brachte schließlich die Vermittlung durch Wolfgang Grenke. Dem Präsidenten der IHK-Karlsruhe gelang es, die verhärteten Fronten auch auf den Arbeitsebenen wieder zu öffnen.

Alles neu rund ums Stadion

Das genaue Model sieht offenbar vor, dass der Verein die reinen Baukosten des Stadions von 74,5 Millionen Euro per Pachtzahlung über 33 Jahre an die Stadt nahezu komplett zurückzahlt. Für die verbleibenden knapp 40 Millionen Euro verbessert die Stadt die Infrastruktur rund um das Stadion. Eine Tiefgarage, Parkplatz, neue Straßen, Wege und eine Parkanlage soll entstehen. Das Land unterstützt das Projekt mit rund elf Millionen Euro.

Ingo Wellenreuther

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther hat für den Stadion-Neubau geworben

Beginnen sollen die Bauarbeiten für die 35.000 Zuschauer fassende Arena im Winter 2017/18 und 24 bis 30 Monate dauern. Das Land Baden-Württemberg wird sich mit einem Zuschuss von elf Millionen Euro beteiligen.

KSC schreibt weiter schwarze Zahlen

Vor der Mitgliederversammlung teilte der KSC mit, dass der Verein weiterhin schwarze Zahlen schreibe. Hauptsächlich verantwortlich für den unerwartet hohen Gewinn waren die Verkäufe von Rouwen Hennings und Philipp Max. "Solange wir in der zweiten Liga sind, sind wir aber fast gezwungen, gute Spieler abzugeben, damit wir wirtschaftlich überleben können", sagte der für Finanzen verantwortliche Vizepräsident Georg Schattling. Der aktuelle Abschluss zeige auch, dass der Verein mit dem gegenwärtigen Stadion keine nachhaltigen Erträge erwirtschaften könne.

Laut Schattling führte der KSC rund 7,279 Millionen Euro an Steuern ab. Die Einnahmen an Fanartikeln schrumpften in der Saison nach dem verpassten Bundesliga-Aufstieg auf 350.000 Euro. Die Mitgliederzahl des Vereins stieg mit 7.310 auf den höchsten Stand seit 1962. An den Medienunternehmer Michael Kölmel flossen rund 800.000 Euro. Der Rechtehändler ist wegen einer Finanzspritze für den Club vor anderthalb Jahrzehnten weiter an den TV-Geldern beteiligt.

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