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Fußball | Ex-Freiburger Max Kruse Löw: "Rauswurf nicht gleichbedeutend mit EM-Aus"

Neue Hoffnung für den Ex-Freiburger Max Kruse. Trotz seines Rauswurfes aus dem DFB-Kader lässt Bundestrainer Löw den Nationalspieler nicht fallen.

Der Wolfsburger Max Kruse gestikuliert im Bundesliga-Spiel zwischen Darmstadt 98 und dem VfL Wolfsburg wild in Richtung Schiedsrichter

Der ehemalige Freiburger Max Kruse kann es nicht fassen

Max Kruse darf trotz seines Rauswurfs aus dem Länderspiel-Kader für die Partien gegen England und Italien auf eine Teilnahme an der EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) hoffen. "Ich war der Meinung, dass er einen Denkzettel braucht. Es war jetzt aber für die beiden Spiele, es soll nicht gleichbedeutend sein mit dem Aus für die EM", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch: "Vielleicht lernt er ja was aus dieser Lektion."

Kruse war aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader gestrichen worden. "Ich werde weiterhin beobachten, was auf und neben dem Platz passiert, wie bei allen anderen auch. Im Moment war es so, dass ich das nicht akzeptieren kann", erklärte Löw weiter. Er habe ihm in einem Gespräch nahegelegt, über seine professionelle Einstellung nachzudenken, wenn danach wieder etwas passiere, sei das nicht akzeptabel.

Allofs: "Er benötigt dringend Hilfe"

Wenige Stunden vor Löws Aussagen war Max Kruse wieder ins Mannschaftstraining des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg eingestiegen. Am Dienstag hatte er nur ein individuelles Training absolviert. Am Dienstagabend hatte der Verein seinen Spieler ausdrücklich gestützt, aber nach mehreren Vorfällen im privaten Bereich eine "sofortige Veränderung seiner Lebensweise" gefordert. Kruse habe sich inzwischen für die Vorkommnisse entschuldigt. "Wir haben bei der Aufarbeitung der aktuellen Entwicklung den Eindruck gewonnen, dass Max Kruse jetzt dringend unsere Hilfe benötigt", hatte VfL-Manager Klaus Allofs erklärt.

Rückendeckung durch VfB-Spieler Großkreutz, Didavi und Harnik

Am Montag hatte Bundestrainer Joachim Löw den Nationalstürmer aus dem DFB-Kader für die Testspiele gegen England am Samstag und Italien am kommenden Dienstag gestrichen. Löw hatte damit auf Kruses Verhalten vom Wochenende reagiert. Er soll bei seiner Geburtstagsfeier in einem Berliner Club auffällig geworden sein. Er habe einer Reporterin, die den Nationalspieler beim Feiern fotografiert hatte, das Handy entwendet und die Bilder gelöscht.

Rückendeckung erhielt Kruse von Kevin Großkreutz, Ex-Nationalspieler des VfB Stuttgart. "Ein Reus hat das gemacht... Ein Großkreutz hat das gemacht... Ein Podolski hat das
gemacht... Ein Kruse hat das gemacht", schrieb der Weltmeister von 2014 mit Bezug auf Verfehlungen anderer Kollegen bei Instagram: "Mein Gott. Jeder Mensch macht Fehler und hat ein Privatleben." Teamkollege Daniel Didavi pflichtete Großkreutz bei. Mit "Respekt, Kevin!" teilte er das Posting von Großkreutz.

Ein Reus hat das gemacht... Ein Großkreutz hat das gemacht ... Ein Podolski hat das gemacht... Ein Kruse hat das gemacht ... .......................... Mein Gott. Jeder Mensch macht Fehler und hat nen Privatleben. Aber jeder Depp darf dich beleidigen und heimlich Fotos machen, weil se heutzutage nichts anderes zu tun haben?! Nur weil man Profi ist muss man sich alles gefallen lassen?! Jeder Mensch hat ne Leiche im Keller und sollte sich an die eigene Nase packen. Ich will es nicht gut reden, aber man sollte mal ruhig bleiben. "WIR"sind auch nur Menschen . Jeder Mensch ist gleich ,ob Profi , Klempner , Friseur oder was auch immer. So sehe ich das. Ich kann es auch nicht verstehen, dass es so viele Menschen gibt,die mit dem Zeigefinger auf andere zeigen und wie kleine Kinder zur Zeitung laufen müssen. Und kommt mir nicht mit, dafür bekommt "Ihr" auch genug Entschädigung. SCHEISS AUF GELD!!! Der einzelne Mensch und die Gesundheit ist wichtig. PASST AUF, DASS IHR DEN MENSCHEN NICHT KAPUTT MACHT. Mehr sage ich auch nicht, sonst heißt es ,der Großkreutz wieder. Einfach glücklich schätzen, dass man gesund ist und das Leben genießen kann. Grüße 🐟

Ein von Kevin (@fischkreutz) gepostetes Foto am

Was muss sich ein Profi gefallen lassen?

Großkreutz ärgerte sich, dass es Kruse auch zur Last gelegt wurde, einer Frau in einem Berliner Club das Handy abgenommen und die Fotos gelöscht zu haben. Er schrieb: "Jeder Depp darf dich beleidigen und heimlich Fotos machen, weil sie heutzutage nichts anderes zu tun haben?! Nur weil man Profi ist, muss man sich alles gefallen lassen?!" Auch Teamkollege Martin Harnik schlug verbal in dieselbe Kerbe: "Nur weil Max Fußballer ist, heißt das nicht, dass er nicht auch Privatperson ist." Und fügt hinzu: "Er hat sich nicht rassistisch, frauenfeindlich oder politisch inkorrekt verhalten. Er hat sich selbst geschadet, das ist schon schlimm genug."

Nationalspieler Max Kruse im EM-Qualifikationsspiel der DFB-Nationalmannschaft gegen Irland.

Bundestrainer Joachim Löw hat Max Kruse aus dem Kader der Nationalmannschaft gestrichen

Max Kruse war erst vor einer Woche vom VfL Wolfsburg wegen eines nächtlichen Ausflugs nach Berlin und dessen Begleitumständen zu einer Geldstrafe über 25.000 Euro verdonnert worden. Der 14-malige Nationalspieler soll am 18. Oktober 2015 in den frühen Morgenstunden bei einem Berlin-Besuch 75.000 Euro in einem Taxi liegen gelassen haben.

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