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Fußball | Bundesliga Johannes Flum - sein langer Weg zurück

Eintracht Frankfurt gegen VfB Stuttgart - Johannes Flum verfolgt das Spiel am Samstag auf der Tribüne. Zwei Monate nach seinem Horrorunfall kämpft sich der Ex-Freiburg-Profi zurück ins Spiel.

Johannes Flum (Eintracht Frankfurt) verletzt sich beim Training.

Im Training bei Eintracht Frankfurt hatte Johannes Flum sich im Dezember 2015 die Kniescheibe gebrochen

Tausend Mal trainiert, tausend Mal war nix passiert. Am 1. Dezember 2015 passierte es aber doch. Um genau 11.48 Uhr, auf dem Trainingsgelände von Eintracht Frankfurt. Johannes Flum prallte bei einem Zweikampf mit Slobodan Medojevic zusammen. Es gab ein Geräusch, das nichts Gutes verhieß. "Meine Fresse, meine Fresse", schrie Flum und hielt sich das Knie. Zu sehen war – ein Loch. "Die Kniescheibe ist weg", sagte kurz darauf ein sichtlich mitgenommener Trainer Armin Veh. Der Mittelfeldspieler der Hessen wurde mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen. Diagnose: Kniescheibenbruch.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an den Trainingsunfall?

Ich weiß noch, wie wir mit den Knien zusammengerasselt sind. Ich hatte sofort Schmerzen und konnte es dann vor mir sehen und wusste, oh, das sieht nicht gut aus. Aber ich war so voller Adrenalin, dass der Schmerz auszuhalten war. Später im Krankenhaus habe ich nie groß an die Situation zurückgedacht. Das ist wohl auch besser so. Ich grübele auch nicht, warum das ausgerechnet mir passiert ist. Ich kann das Bild vom Unfall schon hervorholen, aber ich habe kein Trauma.

Nach dem Unfall, über den in vielen Medien groß berichtet wurde, haben sich sofort viele Menschen bei Ihnen gemeldet. Aber wie war es nach einigen Tagen und Wochen? Aus den Augen, aus dem Sinn?

Johannes Flum von Eintracht Frankfurt am Ball

Eintracht Frankfurt will den Vertrag mit Johannes Flum trotz der schweren Verletzung verlängern

Nein. 14 Tage nach dem Unfall habe ich meinen 28. Geburtstag gefeiert. Da sind viele Mitspieler bei mir vorbeigekommen. Worüber ich mich aber besonders gefreut habe: Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende, kam dann bei mir zuhause vorbei und hat sich erkundigt, wie es mir geht. Das ist nicht selbstverständlich, denn er hat eigentlich andere Dinge zu tun, als sich um verletzte Spieler zu kümmern. Das hat mir wirklich gut getan. Auch mit Trainer Armin Veh gibt es regelmäßigen Kontakt.

Wie oft kam Ihnen der Gedanke, dass diese schwere Verletzung womöglich das Karriereende bedeuten könnte?

Nie. Wirklich nie. Kurz nach dem Unfall nicht. Und später erst recht nicht, als dann die Diagnose kam, dass kein Knorpel und keine Bänder kaputt sind. Da war mir klar, dass es weitergeht. Und dies wurde mir von ärztlicher Seite auch gleich bestätigt.

Sie werden also wieder auf hohem Niveau Fußball spielen können?

Ja. Die Frage ist nur, wann. Das kann man schlecht vorhersagen bei einer solchen Verletzung. Seit zehn Tagen brauche ich keine Krücken mehr. Natürlich ist das Knie noch dick durch die Kapselflüssigkeit und das Narbengewebe. Ich würde noch in dieser Saison gerne mit trainieren oder bei einem Spiel dabei sein. Wäre super, wenn’s klappt. Wenn nicht, mache ich mich aber auch nicht verrückt.

Wie sieht Ihr jetziger Tagesablauf aus?

Ich bin täglich zwei bis drei Stunden in der Reha. Das wird aber noch gesteigert, weil wir immer mehr Dinge machen können. Wir arbeiten viel daran, dass die Beugung des Knies wieder funktioniert. Natürlich habe ich viel Beinmuskulatur in den letzten Wochen verloren. Jetzt beginnen wir grad intensiv mit dem Muskelaufbau.

Und Ihre Frau, die als Physiotherapeutin arbeitet, macht mit Ihnen zuhause dann noch  Sonderschichten?

(lacht) So ungefähr. Nein, sie ist natürlich froh, wenn sie von der Arbeit kommt, dass sie sich dann zuhause ausruhen kann. Aber wir gehen gelegentlich mal zusammen ins Schwimmbad. Denn Schwimmen ist auch gut für’s Bein.

2013 sind Sie vom SC Freiburg zu Eintracht Frankfurt gewechselt. Wie beurteilen Sie Ihre bisherige Zeit dort?

Das erste Jahr war sensationell gut. Ich habe viel gespielt und wir waren international auch erfolgreich. Dann kam ein schlechtes Jahr. Mit Thomas Schaaf kam ich gar nicht klar und hatte kaum Einsatzzeiten. Jetzt unter Armin Veh, der mich 2013 nach Frankfurt geholt hatte, wollte ich natürlich wieder durchstarten, aber dann kam diese Verletzung. Also, die letzten anderthalb Jahre waren ziemlich bescheiden.

Zur Person:
Johannes Flum (28) wurde im südbadischen Waldshut geboren. Er stammt aus der Fußballschule des SC Freiburg. Für die Profimannschaft des Sportclubs spielte "Flumi" (sein Spitzname) zwischen 2008 und 2013. Der defensive Mittelfeldakteur erzielte dabei in 123 Spielen 7 Treffer. Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh holte den 1,90 m-Schlacks dann 2013 zu den Hessen. Flum spielte zwei Mal für die deutsche U20-Nationalmannschaft.

Ihr Vertrag läuft zum Saisonende aus. Wie geht’s weiter?

Der Verein hat signalisiert, dass er verlängern möchte. Wir werden uns in den nächsten Wochen sicherlich zusammensetzen. Ich kann mir auch gut vorstellen zu bleiben. Denn ich fühle mich wohl hier in Frankfurt.

Sie haben von 2008 bis 2013 beim SC Freiburg gespielt. Wie eng ist noch der Kontakt zu den ehemaligen Mitspielern?

Mit Julian Schuster bin ich sehr, sehr gut befreundet. Zu Jan Rosenthal (mittlerweile bei Darmstadt 98) und Oliver Sorg (Hannover 96) habe ich nach wie vor einen guten Kontakt, und auch zu Daniel Schwaab vom VfB Stuttgart.

"VfB Stuttgart" ist ein gutes Stichwort: Am Samstag spielt die Eintracht gegen den VfB. Werden Sie im Stadion sein?

Klar, ich schaue mir das Spiel in der Arena an. Die Stuttgarter sind auf einem guten Weg, haben einen kleinen Lauf. Der VfB scheint sich unter Trainer Jürgen Kramny erst mal wieder auf die Basics zu konzentrieren. Dass sie gut kicken können, hatte man ja schon vorher gesehen. Im Mittelfeld und in der Offensive ist der VfB richtig gut. Aber wir sind zuhause auch richtig stark. Es wird sicherlich eine enge Kiste, aber ich glaube, dass wir gegen Stuttgart gewinnen werden.

Die Fragen stellte Johannes Seemüller

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