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Doping-Skandal | Universität Freiburg Wussten Telekom-Chefs vom Rad-Doping?

Dass Radprofis beim Team Telekom gedopt haben, ist bewiesen. Dass Mediziner der Universität Freiburg dabei geholfen haben, auch. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie sehr die Telekom darin verwickelt war.

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2:03 min | Do, 1.9.2016 | 19:30 Uhr | Landesschau aktuell Baden-Württemberg | SWR Fernsehen BW

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Vorwürfe gegen Telekom

Doping als Gründungskriterium für Rad-Team?

Über Jahrzehnte soll in der Freiburger Sportmedizin systematisch gedopt worden sein. Ein Gutachter behauptet nun, die Telekom als Sponsor habe von all dem gewusst - und sogar noch mehr.

Nach einem Gutachten der Albert-Ludwig-Universität, die ihre "Doping-Vergangenheit" lückenlos aufklären will, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Telekommunikationsunternehmen von Anfang an über die Doping-Praktiken des Rad-Teams Bescheid wusste. Der Autor des Gutachtens, Andreas Singler, geht sogar noch einen Schritt weiter: Es spreche vieles dafür, dass Doping "zum Gründungsauftrag des Ende 1991 neu zusammengestallten Rennstalls gehört hat", resümiert der Sportwissenschaftler.

Vieles, wenn nicht alles, deute darauf hin, dass das Unternehmen vom Doping der Fahrer wusste, schreibt Singler. Eines sei auf jeden Fall beweisbar: Schon 2006 sei bekannt gewesen, dass der Rennstall in Zusammenhang mit der sportmedizinischen Betreuung hätte erpresst werden können.

Telekom nennt Vorwürfe "absurd"

Das Bonner Unternehmen hat die Vorwürfe der Mitwisserschaft zurückgewiesen und sie als "absurd" bezeichnet. Von Doping der Radsportler habe man nie etwas gewusst, sagte ein Sprecher.

Der Rennstall hieß von 1991 bis 2003 Team Telekom, anschließend lief er bis 2007 unter dem Namen Team T-Mobile.

Singler beschreibt das Radsport-Engagement des Konzern in seinem 208 Seiten starken Papier dagegen als "geradezu skrupellos".

Alle wussten Bescheid

In dem Gutachten stellt er heraus, dass Doping auch für das Sportmedizinische Institut der Universität Freiburg so normal war, wie ein Pflaster bei einer kleinen Verletzung. Es sei so klar gewesen, dass niemand mehr darüber habe reden müssen.

Bei Vernehmungen der damaligen Fahrer des Teams Telekom werde immer wieder deutlich, dass sie "diesen Druck des Sponsors als Zwang empfunden haben, der sie zum eigenverantwortlich scheinenden Doping führte". Oder anders formuliert: Wer beim Team Telekom anheuerte, wusste nach Ansicht von Singler Bescheid, dass er damit auch für den Einsatz leistungssteigender Mittel unterschrieben hatte.

Mehr Ärzte verwickelt als bislang bekannt

Bis jetzt war bekannt, dass zwei Sportmediziner der Universität Freiburg in das Dopingsystem eingebunden waren: Dr. Andreas Schmid und Dr. Lothar Heinrich. Singler geht aber davon aus, dass "mindestens zwei weitere Klinikumsärzte" in die Machenschaften verstrickt waren.

Bei einem dieser Ärzte sei die Bestellung von Hämatokritrotoren beweisbar, die für die Bestimmung von dopingverdächtigen Blutwerten und zur Umgehung von Gesundheitssperren benötigt wurden. Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat bis jetzt nicht zugestimmt, die Namen der Mediziner zu veröffentlichen.

Mitarbeiter unternahmen nichts

Singler weist in seinem Bericht auch darauf hin, dass die Vergehen unschuldigen Mitarbeitern aufgefallen sein müssten. Es habe aber niemand gehandelt, weil die Universität dafür keine Anreize geschaffen habe. Im Gegenteil: Die Struktur in der Freiburger Sportmedizin hätte teilweise "dopingbegünstigend" gewirkt, so Singler.

Davon sei auch die Wissenschaftskultur in der Abteilung Sportmedizin betroffen gewesen, in der teils pseudowissenschaftlich physiologische Normwerte etabliert wurden, die in Wahrheit auf Doping beruht hätten.

"Freiburger Schule des Dopings"

Darüber hinaus zeigt Singler in dem Gutachten eine Art Dopingtradition an der Universität Freiburg auf und nennt diese "Freiburger Schule des Dopings". Die zuletzt überführten Ärzte Schmid und Heinrich seien keine "Einzeltäter".

Es ließen sich strukturelle Linien aufzeigen angefangen von Prof. Armin Klümper, der schon in den 60er Jahren gedopt habe, über das Anabolikadoping Georg Hubers in den 1980er Jahren bis hin zu den Dopingärzten der 90er und 2000er Jahre.

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1:14 min | Mi, 31.8.2016 | 19:30 Uhr | Landesschau aktuell Baden-Württemberg | SWR Fernsehen BW

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