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Doping beim ASV Nendingen Staatsanwälte ermitteln gegen weitere Ringer

Die Staatsanwaltschaft Freiburg ermittelt gegen weitere Ringer des ASV Nendingen. Die Anti-Doping-Agentur NADA spricht von einem "Novum im Anti-Doping-Kampf".

Ringen. Weingarten gegen Nendingen

Freiburger Staatsanwälte ermitteln gegen mehrere Ringer des ASV Nendingen

Waren es nur Einzelfälle oder haben die Ringer des ASV Nendingen systematisch betrogen? Die Staatsanwaltschaft Freiburg, die bereits gegen zwei Ringer wegen Dopingverdachts ermittelt, bestätigte dem SWR am Dienstag, dass gegen weitere Athleten des Vereins ermittelt werde. Die Nationale Anti Doping Agentur spricht von einem "Novum im Anti-Doping-Kampf in Deutschland". "Wir begrüßen das ausdrücklich", sagte NADA-Vorstand Lars Mortsiefer.

"Die Auswertung der bislang sichergestellten Dokumente hat den Verdacht gegen weitere Athleten erhärtet", sagte Oberstaatsanwalt Michael Mächtel. Über die Anzahl der Athleten wollte er "aus ermittlungstaktischen Gründen" keine Angaben machen. Mächtel bestätigte, dass weiter ausschließlich wegen Verstößen gegen das Anti-Doping-Gesetz ermittelt werde. "Bislang ging es nur um Medikamente, nun auch um die Anwendung verbotener Methoden", sagte Mächtel. Das könnten beispielsweise Infusionen sein. "Kleinere Infusionen mit bestimmten Mitteln könnten erlaubt sein. Wenn dabei aber bestimmte Milliliterzahlen überschritten werden, ist diese Methode verboten." Auch dies könnte beim ASV der Fall gewesen sein.

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1:42 min

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ASV Nendingen | Doping

Staatsanwalt Michael Mächtel: "Haben die Ermittlungen ausgeweitet"

Diestel

Verbotene Infusionen

Das Infusions-Verbot fällt in der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unter das Themenfeld "Chemische und physikalische Manipulation". Demnach sind "intravenöse Infusionen und/oder Injektionen von mehr als 50 Millilitern innerhalb eines Zeitraums von sechs Stunden" verboten, "es sei denn, sie werden rechtmäßig im Zuge von Krankenhauseinweisungen, chirurgischen Eingriffen oder klinischen Untersuchungen verabreicht."

Ursprünglich war gegen zwei Nendinger Ringer ermittelt worden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht Freiburg mehrere Durchsuchungsbeschlüsse erlassen, die am 15. und 18. Februar durch Beamte des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg vollzogen worden waren. Die Ermittler durchsuchten damals mehrere
Wohnungen sowie die Vereinsräumlichkeiten, bei der zweiten Durchsuchung gerieten auch Funktionäre ins Visier. Sichergestellt wurden unter anderem Medikamente und Unterlagen.

Erster Fall für das neue Anti-Doping-Gesetz

Bei der Causa Nendingen handelt es sich um den ersten aufsehenerregenden Dopingfall nach Einführung des neuen Anti-Doping-Gesetzes. Die Ermittlungen gehen auf Hinweise der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) zurück.

Weltmeister Frank Stäbler hatte Anfang März bekannt gegeben, dass er von Nendingen nach Weingarten wechseln, wird, er hatte dies mit den besseren sportlichen Perspektiven begründet. "Es ist sehr traurig, was da gerade passiert", sagte Stäbler den "Stuttgarter Nachrichten". Er selbst befürchte allerdings nicht, ins Visier der Staatsanwaltschaft zu geraten. Auch seine Wechsel-Entscheidung habe nichts mit den Ermittlungen zu tun.

Verein wusste offenbar von nichts

Der Verein selbst hatte von dem neuen Ermittlungsstand offenbar noch keine Kenntnis. Er sei "kalt überrascht worden", sagte Markus Scheu, Vorstand Sport des ASV Nendingen. "Es wird ja gegen Ringer ermittelt und nicht gegen den Verein. Mit Doping können wir nichts anfangen, wenn jemand gedopt hat, dann finden wir das genauso wenig witzig wie andere auch. Aber man muss das Rechtsverfahren abwarten."

Scheu betonte gegenüber dem SWR, er habe nichts von angeblichem Doping gewusst: "Das macht ja keiner in der Öffentlichkeit vor den Vereinsverantwortlichen, wie soll man das mitbekommen?"

Ringer-Präsident Werner stellt sich vor seine Sportler

Auch DRB-Präsident Manfred Werner sagte: "Ich weiß nichts davon. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass deutsche Athleten betroffen sind. Die wurden und werden ja immer wieder getestet. Für die Sportart sind Dopingfälle natürlich nicht gut. Aber es zeigt, dass unser System in Deutschland greift." Der ASV Nendingen hatte im Februar betont, dass es sich bei den beiden Athleten, gegen die zuerst ermittelt wurde, um zwei osteuropäische Sportler gehandelt habe.

Aktuell im SWR